Ärgern muss sich Stefan Stauffer (Name geändert) fast jeden Tag. Heutzutage als Busfahrer zu arbeiten, sei nicht leicht, sagt er. Doch was ihn besonders stört, ist die Situation am Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg. "Es ist äußerst selten, dass kein Auto dort steht."
Die Rede ist von der Bushaltestelle, die sich direkt vor dem Krankenhauseingang befindet. Rettungszufahrt, absolutes Halteverbot. Ein Schild weist darauf hin. Neben dem Sanka darf hier nur der Bus kurz halten. Das Problem: Busse fahren meistens von Richtung Innenstadt zum Krankenhaus hoch, wenden an der Haltestelle vor dem Krankenhaus und fahren dann zurück. Doch wenn Autos die Bucht blockieren, passt der Bus zwar noch hinein, er kann aber in dem Wendehammer nicht auf einen Zug umdrehen.
Rückwärtsfahren verboten
Stefan Stauffer, der seit Jahrzehnten beim Reiseunternehmen Bruckner als Fahrer arbeitet, erklärt das wie folgt: "Mein Bus ist 13 Meter lang. Wenn ich nicht auf einen Zug herumkomme, muss ich zurückstoßen und rangieren." Jetzt mag man sich denken: Na und, wo ist das Problem? Haben Busfahrer keine größeren Probleme, als sich darüber aufzuregen, einmal kurz zurückzustoßen? Immerhin stehen die Autofahrer dort meist nur kurz, um Angehörige vom Krankenhaus abzuholen oder rauszulassen.
Doch so einfach ist es nicht. "Ich darf nicht rückwärts fahren. Das ist gesetzlich strikt verboten, wir lernen es als Busfahrer schon in der Fahrschule. Unser Gefährt ist so hoch, wir haben nach hinten praktisch keine Sicht. Um rückwärts fahren zu dürfen, brauchen wir immer einen Einweiser. Und wenn wir es doch machen und es passiert was – dann ist immer der Fahrer schuld. Man stelle sich bloß mal vor, da läuft ein Kind über die Straße und wir sehen es nicht."
Ironisch-bissiger Kommentar
Moderne Busse hätten zwar Rückfahrkameras, aber das Gesetz schreibt auch hier zusätzlich einen Einweiser vor. Und: "Wenn es regnet, ist die Kamera nicht zu gebrauchen. Dann ist alles angelaufen. Genauso bei Schnee. Oder wenn beim Fahren Schmutz auf die Linse fliegt." Will sich Stauffer an Recht und Gesetz halten, bleibt ihm also nichts anders übrig, als die Autofahrer in der Haltebucht zum Wegfahren aufzufordern. Und das kann manchmal sehr nervenaufreibend sein.
"Erst vor ein paar Tagen, da habe ich gehupt. Es saß ein älterer Mann im Auto. Keine Reaktion. Also habe ich zweimal gehupt. Dann ist er ausgestiegen, hermarschiert, hat laut geschimpft und ironisch gefragt, ob ich keinen Rückwärtsgang habe." Doch oft komme es vor, dass niemand im Auto sitzt. Dann bleibe Stauffer nichts anderes übrig, als ins Krankenhaus zu gehen – während die Fahrgäste ungeduldig darauf warteten, dass es weitergeht.
Unfall wegen Falschparker
"Ich nenne am Empfang das Kennzeichen, um den Fahrer auszurufen. Aber die Leute haben dafür überhaupt kein Verständnis. Neulich kam dann einer und sagte sauer: 'Sie wissen schon, dass das reine Schikane ist, was sie da machen?'" Einen Unfall habe es wegen dem chaotischen Parken rund ums Krankenhaus auch schon gegeben, berichtet der Mittsechziger. Da standen zwar keine Autos in der Haltestelle, aber gleich unterhalb im angrenzenden Wohngebiet am Straßenrand im Halteverbot.
"Ich musste mit dem Bus ausweichen in die Straße hinein, ein Auto ist entgegengekommen und hat mich gestreift." Wäre die Straße am Rand nicht zugeparkt gewesen, der Platz hätte gereicht, so Stauffer.
Nicht selten komme es vor, dass es wegen der blockierten Haltebucht Verspätungen im Buslinien-Zeitplan gibt. Dass der Fahrer ins Krankenhaus läuft, um jemanden ausrufen zu lassen, ist schließlich nicht eingepreist. Doch der Leidtragende ist auch dann der Busfahrer. "Das Problem ist, dass manche Fahrgäste ihren Anschlussbus oder -zug erreichen müssen." Wenn er mit Verspätung am Bahnhof ankomme und dort die Menschen schon ungeduldig warten, müsse er sich oft Sprüche anhören.
"Hast du endlich ausgeschlafen?"
"Die sagen dann zum Beispiel: 'Na, hast du endlich ausgeschlafen?' Als ob ich etwas dafür könnte. Ich werde dann noch blöd angeredet." Aus diesem Grund will Stauffer auch nicht, dass sein echter Name in der Zeitung steht. Er hat keine Lust auf weitere Anfeindungen. Drohungen habe er nämlich auch schon erlebt.
Welche Lösungsansätze gibt es? Die Polizei jedenfalls trage wenig dazu bei, berichtet Stauffer. "Eine Streife sagte mal zu mir am Krankenhaus: 'Wir kennen das Problem, aber es ist nicht unsere Aufgabe, hier zu kontrollieren, wir sind unterbesetzt und haben wichtigere Tätigkeiten.'" Der Busfahrer solle sich an den Bürgermeister wenden oder an das Ordnungsamt, damit städtische Politessen dort für mehr Parkdisziplin sorgen.
Bequemlichkeit mancher Patienten
Oberpfalz-Medien berichtete erst im November 2024 vom Park-Chaos rund um St. Anna. Damals ging es vor allem um das regelmäßig überfüllte Parkdeck, weshalb viele Autofahrer ins umliegende Wohngebiet ausweichen und dort Zufahrten blockieren. Das Krankenhaus selbst hat das Problem erkannt und im Dezember einen neuen Parkplatz mit 70 Stellplätzen ausgewiesen, der nur für Mitarbeiter reserviert ist.
Seitdem habe sich die Lage entschärft, gibt Andreas Poeplau, im Stab des Krankenhaus-Vorstands für Infrastruktur und Bau zuständig, auf Nachfrage bekannt. Jedoch nur am Parkdeck neben dem Krankenhaus, nicht an der Bushaltestelle direkt vor dem Haupteingang. Da werde geparkt, um Patienten "mal schnell" abzuholen oder hineinzuführen. "Ein gewisses Verständnis habe ich bei Gehbehinderten schon, aber sehr oft ist es auch die Bequemlichkeit der Abzuholenden", sagt Peter Bruckner, Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens und Chef von Stefan Stauffer.
Neue Kurzparker-Stellplätze
Es habe deshalb schon einen Ortstermin mit Ordnungsamtschefin Rosalia Wendl, Stadtbaumeister Matthias Seitz und Leuten vom Krankenhaus gegeben. "Wir haben an der Stelle sogar einen Fahrversuch gemacht, um zu demonstrieren, dass der Platz nicht reicht", sagt Bruckner. Die Stadt will die Haltestellen in Sulzbach-Rosenberg sowieso barrierefrei ausbauen. In diesem Zuge soll dann gleich die Bucht am Krankenhaus etwas nach hinten versetzt werden, damit mehr Platz für den Bus gewonnen wird.
Und, so sagt Krankenhaus-Infrastrukturchef Andreas Poeplau, durch den "Ausbau kann rechts neben dem Bushäuschen eine größere Fläche für zwei Kurzparker-Stellplätze entstehen". Damit wäre den Busfahrern geholfen genauso wie Patienten und Angehörigen, die für einen kurzen Stopp nicht extra ins Parkdeck fahren wollen. Die Frage ist nur, wann diese Lösung denn Realität wird. Laut Poeplau müsse das alles erst im Bauausschuss besprochen werden. Peter Bruckner dazu: "Wir würden uns schon freuen, wenn es relativ zeitnah gemacht würde."























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