Im Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg gehen täglich Massen von Menschen ein und aus. Seit im April 2022 das angegliederte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) neu hinzugekommen ist, ist dort noch viel mehr los. Das hat Folgen: Weil die meisten Patienten und Besucher mit dem Auto kommen, ist das zweistöckige Parkdeck neben dem Krankenhaus mittlerweile überlastet – und das fast jeden Tag.
Zusätzlich verschärft wird die Situation, dass auch Mitarbeiter von Versorgungszentrum und Krankenhaus hier parken und die Raumnot weiter verschärfen. Die Führung von St. Anna hat das Problem erkannt. Derzeit wird hinter dem Hubschrauber-Landeplatz am westlichen Ende des Krankenhaus-Areals ein neuer Parkplatz gebaut. Anfang Dezember soll er fertig sein. Er bietet 65 Stellplätze und ist nur für Mitarbeiter von St. Anna vorgesehen. Doch das dürfte dann auch das Chaos im Parkdeck reduzieren – und den Unmut.
Keine digitale Anzeige
Krankenhaus-Pressesprecherin Marie Ehras: "Die Parkplatz-Not ist leider eine Katastrophe. Wir haben täglich Beschwerden", gibt sie offen zu. Hinzu komme, dass es an der Schranke zum Parkdeck keine digitale Anzeige gibt, an der Autofahrer ablesen können, wie viele Stellplätze noch frei sind. "Die Leute wissen nicht, ob schon alles voll ist oder nicht", sagt Ehras.
Oberpfalz-Medien hat sich das am Dienstagmittag angeschaut. Tatsächlich geht es dort zu wie im Taubenschlag. Dicht an dicht stehen die Fahrzeuge. Im Schritttempo fahren Menschen mit ihren Autos durch das Parkdeck, immer auf der Suche nach einer freien Lücke. Es wird angestrengt Ausschau gehalten, mit Blinker in der zweiten Reihe gewartet, bis etwas frei wird, rangiert, zurückgestoßen, gewunken, gehupt, geschimpft. Manche parken direkt vor der Eingangstür im Halteverbot. An der Schranke zur Ausfahrt bilden sich schnell lange Schlangen.
Forderung: Parkdeck aufstocken
"Es ist unangenehm. Man wartet drei Monate auf einen Facharzttermin und dann muss man auch noch kämpfen, dass man überhaupt einen Parkplatz bekommt", sagt ein Mann, der nicht namentlich genannt werden will, zu Oberpfalz-Medien. Sein Lösungsvorschlag: "Drei Stockwerke mehr bräuchte das Parkdeck. Einfach oben draufsetzen, fertig. Dann wäre Ruhe."
Christa Meier ist ebenfalls unzufrieden. Die Vilseckerin ist seit einigen Wochen bei Orthopäde Patrick Krös in Behandlung und sagt: "Ich bekomme immer nur kurz eine Spritze und muss oft länger einen Parkplatz suchen, als die Behandlung dauert. Es ist nicht einfach. Inzwischen überlege ich, ob ich mich nicht herfahren lasse, damit ich nicht suchen muss."
20 Minuten eher da
Nicht nur Patienten und Besucher leiden unter der Situation, auch die Angestellten von Krankenhaus und MVZ sind dem täglichen Wettstreit um Parkplätze ausgesetzt. Wie zum Beispiel Corinna Paulus. "Es ist wirklich katastrophal. Ich muss teilweise 20 Minuten vor meinem Arbeitsbeginn da sein, nur wegen der Parkplatzsuche", schildert die Medizinische Fachangestellte ihre Erfahrungen. "Es wird wirklich Zeit, dass sich was tut!"
Max Hirsch aus Amberg ist nicht so oft in St. Anna Patient und sieht die Sache eher gelassen. Doch am Dienstagmittag musste auch der 63-Jährige hartnäckig suchen: "Heute ist es ganz schlimm. Nur ganz oben war noch ein einziger Platz frei, und den habe ich bekommen", sagt er zufrieden lächelnd.
Wohnstraßen zugeparkt
Doch das Problem ist räumlich größer. Wer nämlich trotz langem Suchen keinen Stellplatz findet, gibt entnervt auf und weicht in das angrenzende Wohngebiet aus - die Krankenhausstraße und die Albert-Schweitzer-Straße. In der Krankenhausstraße stehen zahlreiche Halteverbotsschilder. Doch in jeder freien Lücke ohne Verbotsschild drängen sich die Autos auf der gesamten Straßenlänge bis hinunter zur Kreuzung an der Nürnberger Straße.
Richtig schlimm ist es auch in der Albert-Schweitzer-Straße. Das ist nämlich eine Sackgasse. An Gartenzäunen, Garagentoren und Haustüren – überall haben die Anwohner gelbe Schilder angebracht: "Ausfahrt freihalten. Auch gegenüber." "Privatgrundstück. Parken verboten!" Eine dieser Anwohner ist Christine Humbs. Als der Reporter von Oberpfalz-Medien an ihrer Tür klingelt, um sie zur Situation zu befragen, ist sie begeistert: "Endlich tut mal einer was", ruft sie erfreut aus und schlägt die Hände zusammen.
Mülllaster kommt nicht durch
Humbs kann von unzähligen Ärgernissen berichten und sagt, dass die Nachbarn genauso denken würden. "Alle in der Straße sind sich einig, dass es Wahnsinn ist." Ein besonderes Problem gebe es dienstags. "Da kommt die Müllabfuhr und der Laster muss dann rückwärts in die Straße zurückstoßen, weil es eine Sackgasse ist. Aber wenn alles zugeparkt ist, kommt er an den Autos nicht vorbei. Dann müssen wir schnell nach vorne rennen und die Tonnen zum Mülllaster bringen." Wer nicht da sei, dessen Müll werde nicht abgeholt.
Humbs schildert ein anderes Beispiel: "Neulich wollte der Heizöllaster zu einem Nachbarn. Aber der kam die Straße nicht hinter, weil die Straße wieder zugeparkt war. Der Fahrer war stinksauer, der hatte viele Termine. Er ist dann wieder abgerückt." Die Sulzbach-Rosenbergerin versucht sich mit einem roten Kübel zu behelfen. "Den stelle ich vor die Garage, damit ich wenigstens rauskomme." Und eine Nachbarin habe extra einen Holzaufsteller mit handgeschriebenen Plakat erstellt, der an die Vernunft der Autofahrer appelliert.
Anwohner beleidigt
Zugleich ist deren Verhalten nicht illegal. Denn in der Albert-Schweitzer-Straße ist Parken am Straßenrand erlaubt. "Rein rechtlich dürfen sie sich hinstellen, das ist ja das Schlimme", sagt Humbs. "Wir haben ja auch irgendwo Verständnis dafür. Wir wissen, dass am Krankenhaus alles dicht ist." Die Platznot führe teils zu Aggression. "Wenn ich jemanden bitte, hier nicht alles zuzuparken, dann werden manche böse, wir wurden hier schon oft beleidigt." Humbs weiter: "Wir würden uns wünschen, dass Schilder aufgestellt werden. Dass Parken nur für Anwohner erlaubt wird. Da wären wir schon glücklich."
Parken am Krankenhaus: Stellplätze, Gebühren, Mitarbeiter
- Mitarbeiter Krankenhaus: 700 (nicht alle gleichzeitig da wegen Schichten) plus Personal im ambulanten Zentrum
- Stellplätze Parkdeck und Umfeld: 263 (plus 5 Plätze für Gehbehinderte o.Ä.)
- Belegung: Ca. 70 Prozent der Parkplätze werden derzeit im Schnitt durch Mitarbeiter-Autos belegt
- Neuer Parkplatz: 65 Stellplätze (ausschließlich für Mitarbeiter)
- Kosten neuer Parkplatz: 120.000 Euro.
- Inbetriebnahme: Anfang Dezember 2024
- Gebühren Parkdeck: 30 Min. kostenlos, 30 bis 60 Min. 1,10 Euro, pro weiteren 30 Min. 0,60 Euro, Tagesmaximum 6 Euro, Wochenkarte 18 Euro, Monatskarte 30 Euro.
- Quelle: Andreas Poeplau (in St. Anna verantwortlich für Infrastruktur und Bau)





































Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.