Nach „Der Apfelbaum“ und „Ada“ ist Christian Berkel, den man unter anderem aus der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ oder dem oscarnominierten Film „Der Untergang“ kennt, ein drittes Mal in die eigene Familiengeschichte abgetaucht. Diesmal erzählt er unter dem Titel „Sputnik“ seine durchaus bewegte Kindheit und Jugend zwischen Berlin und Paris bis zum Schauspiel-Start in Düsseldorf. Und er fängt gleich mit einem Knaller an: Der Verwechslung auf der Geburtsstation.
Weil sich dieses Ereignis in dem Monat und Jahr abspielte, in dem die Sowjets mit ihrem „Sputnik“ das Weltall eroberten, war es auch nicht weit zum Spitznamen, den Berkel seinem dann doch fiktiven Alter Ego mit auf die literarische Lebensreise gab. Dass das Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit von den meisten Leserinnen und Lesern angenommen wurde, habe ihn besonders gefreut, schreibt Berkel auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: „Sputnik“ erzähle die Entwicklungsgeschichte eines jungen Menschen, mit all seinen Gefährdungen, aber auch die Geschichte einer noch jungen und nicht minder gefährdeten Demokratie.
"Eigene Wirklichkeit"
Die sich seit Veröffentlichung des Romans Ende Mai dennoch unweigerlich stellenden Fragen, welche Teile der Geschichte denn nun erlebt und welche erfunden sind, kann Berkel gut nachvollziehen: „Sie zeigen auch, dass der Roman als eigene Wirklichkeit wahrgenommen wird. Ich glaube, dass eine Geschichte nur dann überzeugen kann. Die Frage ist nicht, wie viel erfunden oder dem eigenen Leben entnommen wurde und wie viel – wie bei jeder Erinnerung – verändert oder verfremdet wurde, sondern wie glaubwürdig die Geschichte und ihre Figuren im Ganzen erscheinen.“
Das auch ohne tatsächliche Vertauschung gerade im jungen Alter schon mal exerzierte Gedankenspiel, nicht das Kind der eigenen Eltern zu sein, erdet Berkel mit dem Verweis auf Freuds Konstruktion des „Familienromans“: „Ich glaube, jeder Mensch tut das in seiner Kindheit bis zu einem gewissen Grad. Aber ich habe nie daran gezweifelt, wer meine Eltern seien.“
Müdigkeit hilft beim Schreiben
So gelungen dieser Einstiegscoup auch ist, der Weg zum fertigen Roman war wohl doch kein Spaziergang, auch und gerade mit dem Erfolg der beiden Vorgänger im Nacken: „Wahrscheinlich kann sich niemand ganz davon befreien, obwohl es wenig hilfreich ist, sich eigenen oder fremden Erwartungen hinzugeben. Die Schwierigkeit bei der Autofiktion besteht eher darin, sich von der eigenen Geschichte zu lösen, wenn die Figuren oder die Erzählung es erfordern. Man muss sich immer wieder befreien.“
Schreiben ist für ihn im Übrigen eine morgendliche Angelegenheit: „Ich fange früh morgens in meinem Arbeitszimmer an, direkt nach dem Aufstehen. Müdigkeit kann sehr hilfreich sein, um die Kontrolle ans Unbewusste abzugeben.“ Das Ergebnis bekommen dann zuerst Verleger und Lektorin zu Gesicht und nicht etwa seine Frau, Schauspielerin Andrea Sawatzki, die sich ebenfalls einen Namen als Schriftstellerin gemacht hat.
Dankbares Publikum
Sie war es auch, die Berkels Lesung in Sulzbach-Rosenberg am Samstag, 30. August, um 19 Uhr im Capitol Bild & Bühne in Sulzbach-Rosenberg mit auf den Weg gebracht hat, wie der veranstaltende Buchhändler Ralf Volkert erzählt: „Ich wollte Christian Berkel schon lange zu einer Lesung einladen. Eigentlich schon mit ‚Ada‘, aber da kam dann Corona dazwischen. Und ehrlicherweise auch seine Frau Andrea Sawatzki und ihr damaliger vierter ‚Bundschuh‘-Roman. Aus der Lesung wurde ja dann auch nichts wegen der Pandemie. Als sie dann 2022 doch hier gelesen hat, habe ich ihr schon angekündigt, dass sie ihren Mann mit dem nächsten Buch auf die Reise nach Sulzbach-Rosenberg schicken muss.“
Davon abgesehen hilft der über einen langen Zeitraum erarbeitete Ruf, wenn es um das Buchen bekannter Künstlerinnen und Künstler geht: „Grundsätzlich muss ich schon sagen, dass ich mich mittlerweile mit den ‚großen‘ Namen leichter tue, als noch vor zehn Jahren. Die prominenten Damen und Herren, die im Lauf der Jahre zu Lesungen hier waren, haben sich allesamt wohlgefühlt, hatten ein gutes und dankbares Publikum und sind gut und pünktlich bezahlt worden. Das spricht sich herum – auch in den Verlagen und Agenturen. Und mit dem Capitol habe ich natürlich auch einen Saal gleich ums Eck, der auch für die Promis etwas Besonderes ist. Christian Berkel bestätigt übrigens die Anschubhilfe durch seine Frau, fügt jedoch noch hinzu, dass sein Verlag Ullstein auch beteiligt war.
Zur Veranstaltung und zum Buch "Sputnik"
- Sputnik- Lesung mit Christian Berkel: Samstag, 30. August, um 19 Uhr im Capitol Bild & Bühne in Sulzbach-Rosenberg. Tickets im Vorverkauf unter www.nt-ticket.de, bei allen bekannten NT-Ticket-Vorverkaufsstellen oder bei der Buchhandlung Volkert in Sulzbach-Rosenberg (Telefonnummer: 09661/812373).
- Sputnik": Roman, 384 Seiten, erschienen am 30. Mai 2025 bei Ullstein Hardcover, 26 Euro.




















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