11.10.2021 - 15:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Corona bei Krankenhauspersonal: Manche leiden bis heute

Auf Schwestern, Pflegern und Ärzten ruhen bei einer schweren Covid-19-Erkrankung alle Hoffnungen. Für ihren Einsatz in der Pandemie zahlen manche bis heute einen hohen Preis.

Ein Intensivpfleger versorgt auf einer Intensivstation einen Covid-19-Patienten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Seit Beginn des Jahres hilft die Impfung, das medizinische Personal vor einer Corona-Infektion zu schützen. Zuvor waren Pfleger und Schwestern sowie Ärztinnen und Ärzte auf den Schutz durch Masken angewiesen – und diese waren in den ersten Wochen der Pandemie Mangelware. Einer, den Corona gleich zu Beginn der Pandemie erwischt hat, ist Dr. Thomas Rauner. Der Hygiene- und Pandemiebeauftragte des St.-Anna-Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg erzählt, dass er bis heute an den Folgen leidet.

So müsse er etwa beim Treppensteigen Pausen einlegen, um wieder zu Atem zu kommen. Auch das Reifenwechseln zu Hause schaffe er kaum mehr, sagt der Mediziner. "Ich fürchte, damit muss ich leben." Das bittere sei, dass er nicht mehr als Notarzt arbeiten könne, weil er dazu physisch nicht mehr in der Lage sei. Was nütze ein Notarzt, der, wenn er im dritten Stock beim Patienten ankomme, selbst Hilfe brauche? Wo er sich angesteckt haben könnte, weiß der Arzt nicht. Er habe damals schon Maske getragen, auch außerhalb der Arbeit, obwohl es noch keine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) dafür gegeben habe. Der Mediziner erzählt von einem weiteren Fall: Eine junge Pflegekraft in Ausbildung hatte sich im November, kurz bevor es den Impfstoff gab, angesteckt. Auch sie leide bis heute an den Folgen der Covid-19-Infektion.

Keine Zahlen beim RKI

Zahlen darüber, wie viele Personen des medizinischen Personals sich bundesweit im Laufe der Pandemie mit Corona infiziert haben, werden vom RKI nicht veröffentlicht. Zur Begründung verweist das RKI auf das Infektionsschutzgesetz (IfSG). "Bei den Fällen, die gemäß IfSG übermittelt werden, liegt eine genaue Angabe zur beruflichen Tätigkeit nicht standardisiert vor." Das bedeutet, der Beruf wird selten mitgeteilt.

Nun muss sich ein Mitarbeiter eines Krankenhauses nicht zwingend während der Arbeit mit Corona infiziert haben, das kann auch im privaten Bereich geschehen. Aber falls in diesen Berufsgruppen deutlich mehr Infektionen als in anderen vorliegen, spricht vieles dafür, dass die Infektionsquelle die Arbeitsstätte ist. Einen Hinweis darauf, wie hoch das Risiko für Krankenhaus-Mitarbeiter zu Beginn der Pandemie war, liefert die Antikörperstudie im Juli an den Kliniken Nordoberpfalz. Demnach wiesen zu diesem Zeitraum 20 Prozent des untersuchten Klinikpersonals Antikörper gegen Covid-19 auf.

Konkrete Zahlen, wie viele Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt sind, wollen die Kliniken Nordoberpfalz aus Datenschutzgründen nicht nennen. Sprecher Michael Reindl verweist aber darauf, dass sich auch in den Häusern der Kliniken der "bayernweite Trend und die Einschätzung der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Covid erkrankt waren", bestätige. Aus Datenschutzgründen will auch das Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf keine Angaben zu Erkrankungen unter Mitarbeitern machen.

196 Mitarbeiter in St. Marien infiziert

Am Klinikum St. Marien in Amberg haben sich 196 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klinikums seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 mit dem Coronavirus infiziert. "Leider gibt es auch am Klinikum Fälle einiger Mitarbeiter, die immer noch an den Folgen ihrer Corona-Infektion leiden und sich im Krankenstand befinden", teilte Sprecherin Sandra Dietl mit. Zu Größenordnungen will das Klinikum ebenfalls aus datenschutzrechtlichen Gründen keine konkreteren Aussagen machen. Zumindest musste bisher kein Mitarbeiter wegen seiner Covid-19-Erkrankung vorzeitig in Rente gehen. Solche Fälle sind auch an den Kliniken Nordoberpfalz nicht bekannt.

Michael Reindl verweist darauf, dass "die covidbedingten Ausfälle von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ... in der letzten Welle sehr gering" waren, "was auf die erfolgten Impfungen zurückzuführen ist". Auch in den vergangenen Monaten habe es an keinem Standort Einschränkungen in der Versorgung von Patienten durch Personalausfälle wegen einer Covid-Erkrankung gegeben. "Eine reguläre und notfallmäßige Versorgung der Patienten war und ist weiterhin gewährleistet."

Schutz durch Impfung oder nach Infektion

An den Kliniken Nordoberpfalz sind fast 1850 Mitarbeiter erstgeimpft worden. "Bis auf wenige Ausnahmen kann man daher davon ausgehen, dass alle diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über einen vollständigen Impfschutz verfügen." Der Anteil des geimpften Personals liege aber deutlich höher als bisher bekannt, "da viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Impfung auch über die Impfzentren oder Hausärzte erhalten haben". Eine Erschwernis war, dass zu Beginn der Impfkampagne viele Beschäftigte nicht geimpft werden konnten, "da der Nachweis über eine Covid-Erkrankung weniger als sechs Monate zurücklag und damals galt, dass frühestens nach sechs Monaten geimpft werden konnte". Inzwischen ist der Zeitraum von der Ständigen Impfkommission (Stiko) auf vier Wochen verkürzt worden. Laut bayerischem Gesundheitsministerium sind an bayerischen Kliniken mehr als 90 Prozent der Belegschaft geimpft.

"Rund 80 Prozent von circa 1950 Mitarbeitern sind geimpft oder haben einen Schutz vor einer Infektion, da Sie bereits eine Infektion durchgemacht haben", teilte St.-Marien-Sprecherin Dietl mit. Beides trage zu einem hohen Immunitätsstatus der Mitarbeiter innerhalb des Klinikums bei.

In Schwandorf sind am Krankenhaus St. Barbara 56 Prozent der Mitarbeiter "bis Ende Mai 2021 über das klinikeigene Impfzentrum geimpft" worden, teilte Sprecherin Marion Hausmann mit. "Von einem weiteren, nicht unerheblichen Teil unserer Mitarbeitenden wissen wir, dass sie sich außer Haus – zum Beispiel in einem Impfzentrum oder bei niedergelassenen Ärzt:innen – haben impfen lassen." Deshalb gehe man am Krankenhaus "von einer Impfquote zwischen 85 und 90 Prozent aus". Da es bisher jedoch keinen Grund dafür gab, die Impfstatus-Daten der Mitarbeitenden abzufragen, könne die Prozentzahl nicht genauer angeben werden.

Hunderte Anmeldungen für Auffrischungen

Bei Auffrischungsimpfungen warten die Kliniken in Amberg und Weiden sowie das Krankenhaus in Schwandorf auf die entsprechenden Empfehlungen der Stiko. "Bei der 11. Aktualisierung der Stiko-Empfehlungen vom 24. September werden Auffrischungs-Impfungen bisher nur für Personen mit Immundefizienz und engen Haushaltskontaktpersonen von schwer immundefizienten Personen empfohlen", sagt Reindl. In Amberg heißt es: "Wenn es so weit ist, wird das Klinikum erneut Auffrischungsimpfungen gesammelt für alle seine Mitarbeiter anbieten und diese auch selbst durchführen."

In Sulzbach-Rosenberg am St.-Anna-Krankenhaus sind in den ersten Monaten des Jahres rund 450 Mitarbeiter geimpft worden. Rund 100 Beschäftigte haben sich bei niedergelassenen Ärzten oder im Impfzentrum impfen lassen. Auch die Auffrischungsimpfungen laufen schon an. "Wir impfen alle Mitarbeiter, deren Impfung länger als sechs Monate zurückliegt", sagt Dr. Rauner. Es gebe schon rund 300 Anmeldungen. Ihn freue, dass die Kolleginnen und Kollegen so impfwillig sind.

Aktuelle Pandemie-Entwicklung an der Klinik Nordoberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
Klinikum Weiden.
Dr Thomas Rauner, Hygienebeauftragter und Pandemiebeauftragter des St.-Anna-Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg.
Hintergrund:

Corona-Infektionen bei Krankenhausmitarbeitern

  • Eine Antikörper-Studie im Juli 2020 an den Kliniken Nordoberpfalz gibt einen Hinweis darauf, wie stark das Personal an Kliniken zu Beginn der Corona-Pandemie gefährdet war. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin" veröffentlicht.
  • Diese Untersuchung, die gut 78 Prozent der Klinikmitarbeiter in Weiden und Tirschenreuth einschloss, hat ergeben, dass damals bei den Pflegekräften 20 Prozent Antikörper gegen Covid-19 aufwiesen. Beim Reinigungspersonal waren es 19,3 Prozent und beim ärztlichen Personal 12 Prozent.
  • Laut Studie waren 47,9 Prozent der antikörperpositiven Teilnehmer im Vorfeld mit einem PCR-Test positiv auf Corona getestet worden.
  • Als Vergleichsgruppe waren in der Studie Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens im Kreis Neustadt/WN gewählt worden. Von diesen waren 3,7 Prozent antikörperpositiv.

 

 

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