20.07.2020 - 15:22 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wie Corona den Unterricht am HCA-Gymnasium verändert hat

Die Schulschließung ab dem 16. März traf das HCA-Gymnasium völlig überraschend. Und doch machten Lehrer und Schüler das Beste daraus. Kreativität und Engagement zeichnen die Lösungen aus. Bis hin zum Video-Clip.

von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Zunächst war eine ganze Menge Improvisation des Betreuers der Schul-Homepage des HCA-Gymnasiums, Studiendirektor Rüdiger Schraml, erforderlich, um so etwas wie Fernunterricht überhaupt zu ermöglichen. Im Gespräch mit unserer Zeitung ziehen die Organisatoren eine Bilanz.

"An Online-Unterricht über das System Mebis, das Internet-Portal des Kultusministeriums, war Mitte März noch gar nicht zu denken", erinnert Schulleiter Dieter Meyer. Erst als die Serverkapazitäten von Mebis massiv ausgeweitet und das System als Ganzes stabilisiert war, konnten die Lehrkräfte daran gehen, ihren Unterricht - zunächst noch notgedrungen - auf den Online-Modus umzustellen.

Kreative Ideen

"Je länger aber die Schulschließung andauerte, desto mehr entwickelten eine ganze Reihe von Lehrkräften am HCA kreative Ideen, um Unterricht regelrecht neu zu erfinden", lobt der Schulleiter. In mehreren Fächern drehten die Pädadogen kleine Videos, um ihren Schülern neue Inhalte zu vermitteln. Aber auch die Gymnasiasten selbst nutzten die Möglichkeiten der Video-Technik, um ihren Mitschülern komplexe Sachverhalte mit Hilfe von Online-Referaten zu erklären. "Aber auch Powerpoint-Präsentation wurden für die Vermittlung neuer Inhalte genutzt. "

Obwohl es in der Zeit des Lockdowns naturgemäß recht schwierig war, das Sprechen in den Fremdsprachen zu üben, entdeckten einige findige Lehrkräfte doch Möglichkeiten.

Sogar Telefon-Interview

So ließ Oberstudienrätin Kerstin Fiedler ihre Schüler paarweise am Telefon Interviews zum Thema "What job would suit you best?" führen; danach hielt jeder einen Two-Minute-Talk über seinen Partner, den er anschließend als Audiodatei in Mebis hochlud. "Somit konnten alle Schüler alle Präsentationen anhören und kommentieren", erklärt sie. Im Bereich der Fremdsprachen wurden das Hör-Verstehen und Hör-Seh-Verstehen verstärkt durch den Einsatz von freien online verfügbaren Lernmaterialien trainiert (mit Aufgaben zu Audios und Videos des British Council oder des Freilichtmuseums Plimoth Plantation in Massachusetts). Aber auch zur Aufrechterhaltung einer lebendigen Lehrer-Schüler-Kommunikation wurden Mittel und Wege gefunden: Neben E-Mails boten hier Livestream, Audiochats und Videokonferenzen neue Möglichkeiten, übrigens auch über die anfangs viel kritisierte Mebis-Plattform. Außerordentlich unterhaltsam für ihre Schüler verlief der Physikunterricht von Studienrätin Katharina Franke: In ihrem Unterricht waren sie aufgefordert, eine "Bleib-daheim-Maschine" zu konstruieren. Der offizielle Name ist eigentlich "Rube-Goldberg-Maschine" - eine "Unsinnsmaschine", die eine bestimmte Aufgabe in vielen unsinnigen extra komplizierten Einzelschritten ausführt. Sie hat nur den Sinn, den Zuschauer zum Lachen zu bringen.

Virtueller Lauf

Solche Maschinen haben Frankes Schüler dann zuhause nachgebaut, "aber natürlich mit einer deutlich vereinfachten Versuchsanordnung und ohne gefährliche Materialien", wie sie versichert.

Nach soviel Unterricht am Computer war es natürlich höchste Zeit für körperlich Betätigung. Dafür sorgte die Fachschaft Sport, die nicht nur einen virtuellen Lauf zum Nordkapp organisiert, sondern auch ein kleines Workout-Video für ihre Schüler drehte.

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Drei Fragen an Schulleiter Dieter Meyer

Herr Oberstudiendirektor, welche Bilanz ziehen Sie am Schuljahresende über die Krisenbewältigung am HCA?

Eine positive, trotz aller Sorgen, die uns Corona beschert hat und vielleicht noch beschert. Durch ein sehr beeindruckendes Engagement aller Lehrkräfte, die bereitwillige Mitarbeit der Schülerschaft und die engagierte und zugleich geduldige Begleitung durch die Eltern konnte der Corona-Lockdown gut bewältigt werden, wie eine Schüler- und Elternumfrage bewies. Ein Ergebnis dieser Zeit ist es, dass das HCA-Gymnasium als virtuelle Schule in kürzester Zeit durch unser schuleigenes Medienteam gemeinsam mit der Schulgemeinschaft errichtet wurde und uns fortan als zusätzlicher und überaus nützlicher Unterrichtsraum, z.B. bei Vertretungsstunden, zur Verfügung stehen wird. Herzlichen Dank der ganzen Schulgemeinschaft.

Wird es bei den Schülern bleibende Lücken im Erlernten geben durch die Unterrichtseinschränkung?

"Bleibende" Lücken sollte es nicht geben; Lücken sind allerdings entstanden: Lernen zuhause bzw. digitaler Fernunterricht ersetzen nicht Schule und Lehrer. Demnach wird am HCA-Gymnasium wie an allen bayerischen Schulen bereits jetzt und selbstverständlich auch noch im kommenden Schuljahr besonderes Augenmerk darauf gerichtet, wie die Corona-Krise bewältigt werden kann, ohne dass den betroffenen Schülerinnen und Schülern Nachteile in ihrer Schullaufbahn erwachsen. Dafür werden auch von einzelnen Schulen Unterrichtskapazitäten etwa in Form von Budgetstunden investiert.

Kann man das Abi 2020 als normales Abi einschätzen oder gab es einen Bonus?

Das bayerische Abitur 2020 fand zwar wegen der Corona-Krise unter außergewöhnlichen Umständen statt, den inhaltlichen Anforderungen und der Bewertung nach ist es voll und ganz kompatibel zu Abiturprüfungen früherer Jahrgänge. Die sehr gute Leistung des Prüfungsjahrgangs am HCA-Gymnasium mit Gesamtnotendurchschnitt 2,19 (bayernweit 2,25) verdient volle Anerkennung. Einen Corona-Bonus gab es nicht, er war auch nicht vorgesehen. Stattdessen setzten wir wie die bayerischen Gymnasien in den wenigen Wochen nach dem Corona-Lockdown bis zum Beginn der Abiturprüfungen offensichtlich erfolgreich auf gezielte Vorbereitung der Abiturientinnen und Abiturienten durch Konzentration auf Kern- und Prüfungsfächer. Die Oberstufenkoordinatoren haben sich als wahre Krisenmanager an der Basis erwiesen und mit ihrem Engagement sehr verdient gemacht.

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