05.03.2021 - 14:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Damit der Hund kein Wild hetzt: Unbedingt anleinen

Das Reh rast davon, der Hund hetzt hinterher: „Das hat er noch nie gemacht!“, hören Kritiker, wenn sie Hundehalter auf Eskapaden ihrer freilaufenden Vierbeiner ansprechen. Kitzretter machen jetzt auf das Problem aufmerksam.

So ist es richtig: An der Leine kann der Hund nicht plötzlich zu einer Jagdaktion starten und Schaden anrichten.
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Der Verein Rehkitzrettung Amberg-Sulzbach befasst sich nicht nur mit der Bewahrung von Kitzen vor dem grausamen Mähtod, sondern auch mit der Thematik von freilaufenden Hunden in und um unsere Wälder. „Fast täglich erhält unser Verein die Nachricht, dass Rehe, Rehkitze, allgemein Wildtiere von freilaufenden Hunden zu Tode gejagt, gehetzt oder gar gerissen werden“, berichtet Initiatorin Susanne Kunisch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Vom 1. März bis 15. Juli spricht man von der sogenannten Brut- und Setzzeit der Wildtiere. In dieser Zeit verwandeln sich Wälder, Felder und Wiesen in eine Kinderstube für Rehe, Hasen, Vögel. Die Wildtiere riechen und spüren den freilaufenden Hund samt Halter schon lange bevor er in ihren Lebensraum eindringt. Die Aktiven des Vereins schlagen hier Alarm: Werden trächtige Tiere von freilaufenden Hunden aufgeschreckt, verbrauchen sie bei der Flucht nicht nur sehr viel Energie, die sie eigentlich für die Aufzucht der Jungen benötigen, sondern es kann sie auch das Leben kosten. Susanne Kunisch bekommt die Auswirkungen oft drastisch demonstriert: „Immer wieder sehen wir grausame Bilder, wenn ein Hund ein trächtiges Reh zu Tode gehetzt hat und das Rehkitz unter der Bauchdecke auch dem Tod geweiht ist.“

Tiere flüchten

Passiert der Angriff auf eine Rehgeiß, wenn die Kitze schon gesetzt und in einer Wiese abgelegt sind, müssen diese durch den Tod der Mutter jämmerlich verhungern. Meistens könnte das vermieden werden: Vielleicht sei mancher Hundebesitzer nicht darüber informiert, dass herumstromernde Hunde und laute Rufe vor allem Rehe aufscheuchen, die in ihren Ruheräumen gestört werden. Immer wieder seien die Tiere deswegen auf der Flucht, weil sie durch den Menschen in ihrem natürlichen Lebensraum gestört werden. Dadurch verlieren sie nicht nur Energie, sie flüchten auch oft panisch, geraten auf befahrene Straßen, wodurch es zu Wildunfällen kommen kann.

Zwar dürfen Hunde auf den Wald- und Feldwegen von Gesetzes wegen generell frei laufen, sie müssen aber jederzeit zurückgerufen werden können und dürfen keine Gefahr für anderen Menschen oder Tiere darstellen. Am Trimm-dich-Pfad in der Wagensass ist das durch eine städtische Verordnung geregelt: Auf der Sportstrecke herrscht Leinenzwang. Daran halten sich (bis auf wenige Unbelehrbare) auch alle Hundeführer. Außerhalb aber kommt es immer wieder zu unliebsamen Begegnungen von Menschen und Tieren mit großen freilaufenden Hunden.

Mensch- und Tierleid vermeiden

Der Verein Kitzrettung hat deswegen ein klares Ziel: „Um Mensch- und Tierleid zu vermeiden, sollten Hunde generell, und nicht nur in der Brut- und Setzzeit, in und um unsere Wälder angeleint werden.“ Die vierbeinigen Freunde bemerkten Wildtiere viel früher als Menschen – meistens sei es dann schon zu spät, der Jagdtrieb erwache unerwartet, und der Hund verfolge ein Wildtier. So könne aus einem ganz normalen Spaziergang schnell tödlicher Ernst werden.

Im familiären Umfeld ist der Hund bestimmt gehorsam. Dennoch entstehen beim Spazierengehen viele neue und interessante Reize, die vielleicht in dem Hund schlummernde jagdliche Talente und Anlagen zum Vorschein bringen. Einige Hundebesitzer widersprechen bei diesem Thema häufig mit Aussagen wie „Mein Hund ist alt“, „Mein Hund jagt nicht“ - die Hand dafür ins Feuer legen sollte man aber lieber nicht. Denn eines ist unbestritten: In jedem Hund sind unterschiedlich starke Jagdambitionen angelegt. Selbst wenn der freilaufende Hund nur ein gefundenes Rehkitz anschnuppert, verstößt die Geiß das Junge anschließend, da es den Geruch des Hundes verströmt.

Eine Schleppleine nutzen

Wälder, Wiesen und Äcker stellen für den Menschen, genauso wie für den Vierbeiner, Erholungsflächen dar. Doch dabei handelt es sich natürlich auch um den Lebensraum vieler Wildtierarten. Das Betreten der sogenannten „freien Natur“ ist daher auch mit gewissen grundsätzlichen Verhaltenspflichten verbunden, insbesondere für Spaziergänger mit Hunden, zum Beispiel mit der Verwendung einer Schleppleine. In Hundeschulen wird regelmäßig auf diese Problematik hingewiesen. Wenn ein freilaufender Hund nämlich ein Wildtier hetzt und reißt, gilt dies für den Halter als eine Ordnungswidrigkeit und somit als ein strafbewehrter Verstoß gegen das Jagd- und Tierschutzgesetz.

Susanne Kunisch richtet deshalb im Namen des Vereins einen dringenden Appell an alle Hundehalter: „Handeln Sie bitte verantwortungsbewusst und leinen Sie bei Spaziergängen in und um unsere Wälder Ihren Begleiter zum Beispiel an eine Schleppleine an, um Tierleid zu vermeiden – sowohl für den Hund als auch für die Wildtiere.“

Wege nicht verlassen

Aber auch durch den Menschen in seiner Freizeitgestaltung werden regelmäßig Wildtiere aufgeschreckt. Deshalb hat sie noch eine Zusatzbitte: „Bleiben Sie auf den vorgesehenen Waldwegen, laufen Sie nicht quer durch den Wald oder gar nachts mit der Stirnlampe. Dies kann auch verheerende Folgen für Wildtiere, insbesondere für Rehe, mit sich bringen. Unsere Wildtiere brauchen Schutz und Ruhe.“

Ein leidiges Problem taucht hier auch wieder auf: Landwirte beklagen Kothaufen von Hunden auf Wiesen und Wiesenwegen. Der Hundekot ist durch die Verunreinigung eine große Gefahr für die Gesundheit anderer Tiere. Aber auch die Hunde selbst seien gefährdet, weil sie dadurch in Kontakt mit Erregern kommen. Susanne Kunisch sieht diese Tatsache als Information, um auch hier Tierleid zu vermeiden, und vor allem als Anreiz, bei Spaziergängen den Hundekot in die dafür vorgesehenen Beutel aufzunehmen und zu entsorgen. „Mittlerweile gibt es umweltfreundliche, kompostierbare und plastikfreie Hundekotbeutel zu kaufen. Für viele vorbildliche und verantwortungsbewusste Hundebesitzer ist das Entfernen der Hinterlassenschaften ihres Hundes auf Grünland und Wiesenwegen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden.“

Mehr zum Verein Rehkitzrettung Amberg-Sulzbach

Amberg
Hintergrund:

Verhaltensregeln für Hundebesitzer

  • Der Hund muss unter Aufsicht und im Einwirkungsbereich des Halters bleiben. Er muss ihn jederzeit zurückrufen können, und das Tier muss auf die Kommandos hören.
  • Nach dem bayerischen Naturschutzgesetz hat der Hundeführer die Pflicht, den Naturgenuss und die Erholung anderer nicht zu beeinträchtigen.
  • Hunde sind an die Leine zu nehmen, wenn sich andere Personen belästigt fühlen.
  • Hundekot gehört in die Mülleimer.
  • Der Hund darf anderen Tieren nicht gefährlich werden.

Mehr Informationen über den Verein Rehkitzrettung Amberg-Sulzbach

 

 

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