08.02.2021 - 16:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Deponie Erzhülle: Giftcocktail im Untergrund

Es ist kaum mehr vorstellbar, dass auf dem Gelände der Erzgrube Karoline in Sulzbach-Rosenberg Tausende Tonnen Müll schlummern. Diese schädliche Praxis zwingt zu einer umfassenden Sanierung.

Auf einer Fläche von etwa fünf Hektar mussten auf dem Gelände der früheren Hausmülldeponie „Erzhülle“ als Start einer umfangreichen Sanierung Bäume und Sträucher gerodet werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Im einzelnen weiß man zwar nicht mehr genau, was alles in der Sulzbach-Rosenberger Hausmülldeponie "Erzhülle" auf dem Gelände der ehemaligen Grube Karoline abgelagert wurde. Aber es waren bestimmt viele Teile dabei, die heute als Sondermüll deklariert werden würden – und jetzt eine Sanierung dringend nötig machen. Zeitzeugen berichteten dabei unter anderem von einem verrosteten VW Käfer, den der Besitzer mit laufendem Motor einfach in der Grube entsorgte. Ganz zu schweigen von anderem Zivilisationsmüll, darunter Elektroschrott oder ölhaltige Substanzen.

Dass davon eine Gefährdung des Grundwassers und somit der Menschen als Nutzer ausgeht, wird nicht abgestritten. Es dürfte den Verantwortlichen sicher irgendwann klar geworden sein, dass sich nach 15 Jahren der Müllablagerung eine enorme Altlast im städtischen Untergrund ansammelt. Konkrete Überlegungen für eine Sanierung gab es aber zunächst jahrelang nicht, zumal das Gelände von 1977 bis 1990 auch noch als Bauschuttdeponie genutzt wurde.

Finanzmittel vom Freistaat

Die Stadt Sulzbach-Rosenberg ging dann Ende der 90er Jahre das Problem „Deponie Erzhülle“ konkret an. Nach verschiedenen Untersuchungen des Areals rund um die Erzhülle zwischen Katzenberg und Feuerhof und der Änderung des Abfallwirtschaftsgesetzes sei klar geworden, dass der Freistaat die dringend notwendige Sanierung finanziell schultert. Die Federführung liegt seitdem bei der staatlichen Gesellschaft zur Altlastensanierung (GAB), die auch die Kosten von rund 5 Millionen Euro übernimmt.

Auch nach dieser Zusage vergingen erst wieder Jahre, in denen die alte Hausmülldeponie einfach vor sich hin dümpeln konnte. Vor etwa zehn Jahren kam dann wieder Bewegung in das Vorhaben mit Untersuchungen von Boden, Gelände und Umgebung. Was folgte, waren dann im Jahr 2012 Bohrungen und die Errichtung von Messstellen. Das damit beschäftigte Büro R + H Umwelt Nürnberg unternahm Pumpversuche, nahm Boden- und Grundwasserproben, ließ das Deponiegas messen und startete Absaugversuche. Die fachliche Prüfung stellte eine erhebliche Grundwasserverunreinigung fest.

Grundwasser belastet

Als Hauptschadstoffe nannten die Experten 2013 bei der Vorstellung ihres Sanierungskonzeptes PAK, Naphthalin, Chlorphenol, BTEX, Vanadium, Molybdän und Arsen. Unumgänglich seien nach der schon vor acht Jahren verkündeten Einschätzung Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, um dadurch zukünftig Schadstoffeinträge ins Grundwasser zu verhindern oder weitestgehend zu reduzieren. Das Mittel der Wahl sei hier zunächst die Abdichtung des Geländes mit einer 2,5-Millimeter-Kunststoffbahn. Dazu begannen im Dezember auf einer Fläche von etwa fünf Hektar Fläche Rodungen, die mittlerweile durch die Firma Forstservice Helm/Feuchtmeyer abgeschlossen werden konnten.

„Am Ende sprechen wir hier von rund 150 Ster Brennholz und etwa 800 Schüttraummeter Hackschnitzel.“

Matthias Helm, Fortsservice-Geschäftsführer

Matthias Helm, Fortsservice-Geschäftsführer

Wenige Restarbeiten, wie das Entfernen der Wurzelstöcke, seien auch auf einen guten Weg und größtenteils erledigt. Wie Geschäftsführer Matthias Helm erklärt, sei die Hauptarbeit innerhalb von 14 Tagen über die Bühne gegangen. Im seien unter anderem ein Rückezug oder Forwarder sowie ein Bagger mit Fällgreifer gewesen.

Holz fürs Biomasse-Heizwerk

„Bei den gefällten Bäumen handelte es sich überwiegend um angeflogene Weiden, Pappeln und Robinien, vereinzelt waren aber auch Eichen, Birken und Ahorne darunter. Am Ende sprechen wir hier von rund 150 Ster Brennholz und etwa 800 Schüttraummeter Hackschnitzel, die auch zum Biomasse-Heizkraftwerk am Eichelberg geliefert werden“, gibt der Fachmann an. Weitere Schritte seien nun der Abtransport des Holzes, die Modellierung des Geländes und danach die Abdichtung des knapp fünf Hektar großen Areals, damit kein Niederschlagswasser mehr in die frühere Deponie eindringen und quasi austrocknen kann. Weiterhin genützt würden auch die verschiedenen Bohrstellen, um die Vorgänge im Boden nach weiteren Messungen bewerten zu können.

Auch Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn freute sich über den raschen Fortschritt der Rodung und sprach von etwa 40 000 Kubikmetern Erde, die für die Modellierung bewegt werden müssten. Die Sanierung selbst könnte dann etwa im April starten. Nach der Maßnahme Schlackenberg mit einem Kostenvolumen von fast 57 Millionen Euro, die in den Jahren 2005 bis 2012 als größte Deponiesanierung Bayerns galt, läuft in Sulzbach-Rosenberg mit der Sanierung der Hausmülldeponie „Erzhülle“ bereits das zweite große Umwelt-Projekt binnen weniger Jahre.

Mehr zur früheren Hausmülldeponie in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Geschichte der Deponie "Erzhülle"

  • Seit 1603 Erzabbau in der Gegend der „Erzhülle“.
  • Setzungstrichter (Pinge) bis 1952 als Sammelbecken für Grubenwässer.
  • 1958 Stilllegung der Grube Karoline, ab 1962 Nutzung als städtischer Müllplatz.
  • 1977 Übergang der Abfallentsorgung an die Landkreise.
  • Bis 1990 Nutzung für Bauschutt.
  • Ablagerung: 340 000 m3 Hausmüll, 400 000 m3 Schutt.

 

 

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