03.01.2020 - 18:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Deutscher Tierschutzbund zeigt Halterin von 32 verwahrlosten Tieren an

32 Tiere hat die Polizei am Samstag in einem Anwesen in Sulzbach-Rosenberg beschlagnahmt – weil sie nicht artgerecht gehalten wurden. Da gab es schon eine Anzeige gegen die Besitzerin. Jetzt erstattet der Deutsche Tierschutzbund noch eine.

Das Foto zeigt kahle, blutverkrustete Stellen am Nacken einer beschlagnahmten Katze, die nach Angaben des Tierschutzbundes durch starken Parasitenbefall oder durch Futtermittelallergie ausgelöst wurden.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Polizei war durch einen "Hinweis aus der Bevölkerung" auf das Haus aufmerksam geworden. Bei der Kontrolle fanden die Polizisten dort elf Hunde, sieben Katzen, dazu exotische Vögel und Reptilien, für die die Halterin keine Besitzgenehmigungen vorweisen konnte. Alle waren laut Polizei "in einem schlechten Allgemeinzustand". Nach Rücksprache mit Staatsanwaltschaft und Veterinäramt seien die Tiere beschlagnahmt und gegen die Halterin ein Strafverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Tier- und Artenschutzrecht veranlasst worden.

Im Käfig der Aras fehlten die Sitzstangen. Bei Eintreffen der Tierschützer klammerten sich die Aras an die Gitterstäbe des Käfigs.

Der Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes hatte zu diesem Fall bereits in einer Presseerklärung vom 30. Dezember Stellung genommen. Demnach hatte der Tierschutzverein Amberg-Sulzbach bereits vorher versucht, "gegen die aus dem Ruder gelaufene Tierhaltung vorzugehen". Als die Polizei aufgrund der aktuellen Anzeige tätig geworden sei, habe sich Beamten und Tierschützern eine grausige Szenerie geboten: "Fünf Papageien, darunter zwei hühnergroße Gelbbrust-Aras und drei abgemagerte und kranke Nacktaugen-Kakadus wurden in winzigen Käfigen vorgefunden. Die Kakadus wiesen Verletzungen auf und waren zum Teil stark gerupft – eine Verhaltensstörung. In einem weiteren, sehr kleinen Käfig befand sich ein Prevost-Schönhörnchen, in einem weiteren ein Gleitbeutler. Keinem der Tiere stand auch nur im Ansatz ausreichend Platz zur Verfügung, die Tiere hatten kein Trinkwasser und waren augenscheinlich vernachlässigt."

Gecko (vorne) und Bartagame in einem ehemaligen Aquarium.

Darüber hinaus habe die Polizei elf Hunde, darunter drei Welpen, sowie sieben Katzen und eine Ratte beschlagnahmt. "In einem winzigen ehemaligen Aquarium befanden sich eine stark abgemagerte Bartagame mit schwerem Gelenksschaden sowie ein Gecko. Nichts von dem, was solche Tiere zum Leben und für ihr Wohlbefinden benötigen, war vorhanden. Am Ende wurden in einem stark verschmutzten Behälter vier Wasserschildkröten gefunden. Auch diese Tiere hatten annähernd keine Bewegungsmöglichkeit, geschweige denn das Notwendigste zum Leben", hieß es in der Presseerklärung.

In enger Kooperation des Tierheims Amberg mit dem Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes seien alle befreiten Tiere in gut geeigneten Tierheimen untergebracht worden, da kaum ein Tierheim alleine imstande sei, all diese so unterschiedlichen Arten zu beherbergen.

Am Freitag legte der Landesverband in Gestalt von Präsidiumsmitglied Robert Derbeck mit einer Anzeige gegen die Tierhalterin nach. Das Schreiben an die Staatsanwaltschaft Amberg liegt der AZ vor und benennt als Gründe den Verdacht des Verstoßes gegen mehrere Paragrafen des Tierschutzgesetzes sowie gegen die EU-Verordnung über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels.

In der Anzeige heißt es, die Räumlichkeiten, Behältnisse und Käfige in dem Haus seien "erheblich vermüllt und verschmutzt" gewesen. In der Folge seien die Tiere ersichtlich erkrankt und verletzt gewesen und hätten psychische Fehlprägungen aufgewiesen.

Obwohl das Veterinäramt Amberg und der Tierschutzverein bereits Mitte 2017 diese Haltung der Tiere beanstandet und einige Hunde und Katzen ins Tierheim Amberg gebracht hätten, habe die Besitzerin die tierquälerische Haltung fortgesetzt. Abschließend heißt es: "Für die Tiere, die dem Artenschutz unterliegen (Aras, Kakadus) konnten keine gültigen Herkunftsbescheinigungen oder Zuchtbestätigungen gezeigt werden." In einem weiteren Schreiben des Landesverbandes wird der Verdacht geäußert (und mit Screenshots belegt), dass die Halterin über Ebay einen Tierhandel ohne Sachkundenachweis betreibe.

Die Pfote eines Hundes mit eingewachsenen "Wolfskrallen" (Afterzehen).
Im Blickpunkt:

Besonders genannt werden in der Anzeige des Tierschutzbundes folgende auffälligen Verstöße gegen den Tierschutz:

  • großflächige Kahlstellen bei den Papageienvögeln, die von der Halterin nicht behandelt worden seien;
  • keine Sitzstangen in den Käfigen der Aras, weshalb die Tiere an den Fußballen entzündliche Verletzungen hatten;
  • eine von Parasiten befallene Bartagame und ein Gecko, die zusammen in einem viel zu kleinen und kalten Aquarium(!) untergebracht waren;
  • ein Schönhörnchen, dessen Käfig so klein war, dass es deshalb "erhebliche stereotypische Bewegungsstörungen" zeigte, genau wie ein Gleithörnchen, das keine ausreichenden Klettermöglichkeiten hatte;
  • vier Wasserschildkröten in einem stark verschmutzten Aquarium ohne externe Licht- und Wärmequelle sowie mit zu stark nitrathaltigem Wasser, das bereits Schäden an der Panzerung verursacht hatte;
  • elf Hunde und sieben Katzen mit extremem Parasitenbefall und schlechtem Ernährungszustand.

Die Gesamtbewertung in der Anzeige lautet: "Die Bewegungsmöglichkeit zu artgemäßer Bewegung der Tiere wurde so stark eingeschränkt, dass den Tieren hierdurch erhebliche, sich wiederholende und langanhaltende Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt wurden." (ll)

Die Papageienvögel wiesen infolge der falschen Haltung großflächige Kahlstellen auf.

Der ursprüngliche Bericht über die Beschlagnahme

Sulzbach-Rosenberg

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