16.03.2020 - 18:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Drei neue Farben im Sulzbach-Rosenberger Stadtrat

Zwei Komponenten machten Prognosen für den Sulzbach-Rosenberger Stadtrat diesmal besonders schwer: Zum einen die Tatsache, dass das Gremium von 30 auf 24 Sitze schrumpft, und andererseits erstmalig acht Bewerberlisten.

Die "Wahl-Schlacht" ums historische Rathaus ist geschlagen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die rückläufige Einwohnerzahl seit 2008, als die Herzogstadt wieder unter die 20 000er-Marke fiel, wirkte sich negativ auf die Mandatszahl im Stadtrat aus. Aktuell gaben 7785 Bürger, wahlberechtigt waren 15 544, ihre Stimmen für das Ratsgremium ab, was einer Wahlbeteiligung von 50,08 (49,33) Prozent entspricht. Trotz der weggefallenen Sitze kann sich die CSU mit 7 (2014: 12) Mandaten (50 503 Stimmen) als stärkste Fraktion behaupten. Auch die SPD muss mit nur mehr 5 (10) Sitzen (18 041) entsprechend Federn lassen. Für die Bündnisgrünen ändert sich nichts, sie erreichen wieder drei Mandate (18 041 Stimmen) und entsenden erneut ihre bisherigen Stadträte ins Kommunalparlament.

"Von Null auf Hundert" ist zwar nicht richtig, soll aber für den neuen Wahlvorschlag SuRo 2030 gelten, der sich auf Anhieb drei Sitze (19 450 Stimmen) im Rathaus sichern kann. Die Freien Wähler Umland (FWU) stellen statt drei nur noch zwei Räte (14 732 Stimmen). Die Listenverbindung FDP/FWS bleibt mit zwei Sitzen (12 755) im Rathaus unverändert. Weiteres Novum: der Einzug der Partei Die Linke mit einem Sitz (4534 Stimmen).

Acht "Frischlinge"

Insgesamt müssen sich die Sulzbach-Rosenberger acht neue Gesichter und Namen merken. Im Stadtrat sind ab diesem Jahr "frisch" dabei: Sven Mörk (CSU), Martin Pöllath (FDP/FWS), Stefan Thar und Alexandra Ottmann (beide FWU), Wolfgang Berndt (Die Linke) sowie Ralf Volkert, Doris Schmidt-Hartmann und Martin Kunert (alle SuRo 2030). Nicht mehr vertreten sind hingegen bei der CSU Karl Reyzl (1. Nachrücker), Maria Boßle, Lothar Köstler und Norbert Klotz, der nicht mehr antrat. Florian Bart, der vor sechs Jahren auf der CSU-Liste kandidierte, zog diesmal für die JU als einziger Vertreter in den Stadtrat ein. Von den amtierenden SPD-Mandatsträgern verpassten Thomas Steiner (1. Nachrücker), Peter Lehner, Andrea Haller-Trepesch und Hermann Deichler den Sprung ins Rathaus. Hermann Völlger bewarb sich nicht mehr. Karl-Heinz Kreiner muss seinen Abschied von der FDP/FWS-Fraktion nehmen. Die erste Nachrücker-Position erreichte ihr Spitzenkandidat Christian Weiß. Auch bei der FWU gab es eine Zäsur: Hier traten ihre drei amtierenden Stadträte Peter Bruckner, Thomas Stubenvoll und Helmut Pilhofer nicht mehr auf dem Wahlvorschlag an.

Die Riege der eventuell ersten Nachrücker vervollständigen Günter Becher (Grüne/748 Stimmen), Doris Kunert (SuRo 2030/975 Stimmen, Michael Schulz (FWU/1078), Maximilian Klose (JU/1237) und Funda Toy (Linke - Die Partei/868).

Die SPD stellt mit Gerd Geismann (75 Jahre) den ältesten Stadtrat. Und mit Florian Bart, der 35 Lenze zählt, hat die Junge Union das jüngste Sulzbach-Rosenberger Ratsmitglied in ihren Reihen.

Stimmen zur Stadtratswahl:

Bei den Bewerbern nachgefragt

„Es freut mich, dass meine Arbeit eine so große Wertschätzung erfährt.“

Armin Rüger (SPD), erneuter Stimmenkönig

„Meine Einzug in den Stadtrat habe ich erst am Morgen registriert, vorher war es ein Wechselbad der Gefühle.“

Wolfgang Berndt, der erstmalig für die Linke ins Rathaus einzieht

„Auf Anhieb gleich drittstärkste Kraft im Stadtrat zu werden, hat uns richtig geplättet. Dieser Vertrauensvorschuss hat uns irrsinnig gefreut.“

Ralf Volkert, der mit SuRo 2030 auf Anhieb drei Mandate eroberte

„Wir haben die Chance gesehen, mit einer eigenen Liste mehr jüngere Stadträte zu stellen. Dass es jetzt nur zu einem gereicht hat, spornt uns umso mehr an.“

Florian Bart, neuer JU-Stadtrat

„Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich es nicht geschafft habe.“

Dr. Thomas Steiner, langjähriger SPD-Stadtrat.

Kommentar:

Andere begeistern können

Dass sich was ändern würde, war klar, nur nicht in welcher Form. Der Aderlass der großen Parteien sollte trotz des verkleinerten Ratsgremiums nach eigenem Wunschdenken auf ein erträgliches Maß beschränkt bleiben. Unterm Strich standen dann für die CSU sieben und die SPD noch fünf Mandate. Prominente Opfer: Thomas Steiner bei den Sozialdemokraten und Karl Reyzl bei den Christsozialen. Dagegen schienen sich die Wähler frischen Wind oder zumindest ein breiteres Meinungsspektrum im Rathaus zu erhoffen, denn wie sonst wäre der fulminante Einzug des Wahlvorschlags SuRo 2030 mit gleich drei Sitzen zu erklären.
Die Junge Union fasste Mut und versuchte es gelöst von der Mutterpartei auf eigene Faust, schaffte schließlich zwar nur ein Mandat, hatte dagegen aber keinerlei Probleme, 24 Kandidaten zu finden. Da tat sich die Linke schon schwerer, aber mit Hilfe von „Die Partei“-Mitgliedern gelang es auch ihr, schon bald im Sitzungssaal debütieren zu dürfen – wahrscheinlich in erster Linie mit den angekündigten sozialen Themen.
Der Stadtrat ist noch bunter geworden, bald stehen Sacharbeit und die Suche nach Mehrheiten im Vordergrund. Die dürften auch im neuen 24-köpfigen Gremium zu finden sein, wenn man mit guten Argumenten begeistern kann.

Andreas Royer

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