25.04.2019 - 16:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ebay-Ganove verwässert Statistik der Polizei

Sein Betätigungsfeld erstreckt sich übers ganze Land: Wegen rund 100 Internetdelikten ist der Sulzbach-Rosenberger bereits verurteilt. Aber er macht unbeirrt weiter. Damit bringt der Freizeitganove Fahrt in die Statistik der Polizei.

Sicherheitsgespräch im Rathaus: Die örtliche Polizeispitze mit Hauptkommissar Peter Krämer, Inspektionsleiter und Erstem Hauptkommissar Michael Kernebeck informiert Bürgermeister Michael Göth und Ordnungsamtsleiterin Rosalia Wendl über die Sicherheitslage in der Stadt (von links).
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

144 Fälle an Vermögens- und Fälschungsvergehen listet die Polizeiinspektion (PI) für 2018 auf, 44 mehr als noch 2017. Allerdings geht ein guter Teil davon auf das Konto eines einzigen Täters.

Zu den bereits erwähnten rund 100 Betrügereien in der Vergangenheit gesellen sich nahezu täglich weitere, inzwischen bereits wieder zwischen 30 und 40. Das verwässert naturgemäß die Bilanz der PI für das Stadtgebiet. Denn da der Ebay-Spitzbube bekannt ist, schnellt die Aufklärungsquote auf stolze 92,4 Prozent hoch, 14,4 Prozent höher als noch 2017. "Er stellt überwiegend hochwertige Waren ins Netz, ohne diese zu besitzen." Scheinbar unendlich viele Käufer gehen ihm dabei auf den Leim. "Ein florierendes Geschäft", wie Erster Hauptkommissar Michael Kernebeck beim Sicherheitsgespräch für 2018 darlegte. Trotz der Vielzahl der Anzeigen bleibt der Betrüger auf freiem Fuß, nicht zuletzt dank eines festen Wohnsitzes in Sulzbach-Rosenberg und dank einer geregelten Anstellung bei einer auswärtigen Firma.

Zu einem Haftbefehl habe es bisher nicht gereicht, informierten der Inspektionsleiter und sein Stellvertreter, Hauptkommissar Peter Krämer, im Rathaus Bürgermeister Michael Göth und Ordnungsamtsleiterin Rosalia Wendl. Die beiden Beamten ließen zudem wissen, dass die Zahl aller Einsätze im gesamten Inspektionsgebiet 2018 mit 3711 Einträgen einen Spitzenwert im Vergleich zu den Vorjahren erreicht habe. "Das ist eine satte Steigerung um 15 Prozent", wie Kernebeck es ausdrückte - und das bei gleichem Personalstand. Dem Soll-Stand von 36 Beamten stünde die Realität mit 32 Dienstleistenden gegenüber.

Der Anstieg der Einsatzzahlen hängt nach Ansicht der Ordnungshüter nicht zuletzt mit einem gestiegenen Mitteilungsbedürfnis der Menschen zusammen: "Gott sei Dank ist das so", freute sich Kernebeck. Durch zügig gemeldete Verdachtsmomente sei schon manche Straftat rechtzeitig vereitelt oder zumindest aufgeklärt werden. Im Jahresvergleich 2017/2018 sei die Zahl bekannt gewordener Straftaten deutlich von 815 auf 936 gestiegen.

Bezogen auf die rund 19 500 Menschen, die in Sulzbach-Rosenberg leben, bedeute dies, dass auf 1000 Einwohner 48 Straftaten fallen. "Das ist für eine Stadt dieser Größenordnung in Bayern durchaus normal", erläuterte Kernebeck. Da parallel - nicht zuletzt wegen des geschilderten Internetbetrugs - die Aufklärungsquote von 66,4 (2017) auf 77,1 Prozent (2018) geklettert sei, gebe es keinen Anlass zu besonderer Besorgnis.

Info:

Das Phänomen der geklauten Räder

Aufgegliedert nach Art der Delikte führen 2018 Diebstähle die Liste mit 184 Fällen an. Dahinter folgen Straßenkriminalität (169), Vermögens- und Fälschungsdelikte (144), Übertretungen nach dem Betäubungsmittelgesetz (109) sowie die Gewaltkriminalität (32).

Bei der letztgenannten Gewaltkriminalität – darunter fallen Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, räuberische Erpressung, Körperverletzung jeglicher Art sowie Straftaten gegen die Freiheit – stieg die Zahl im Vergleichszeitraum von 18 auf 32 Fälle.

„Vieles davon geschieht im häuslichen oder familiären Umfeld“, erläuterte Michael Kernebeck. Die Aufklärungsquote liege hier bei 90,6 Prozent. Bei den großen Festivitäten wie Altstadt-, Frühlings- oder auch Annabergfest spielten Delikte dieser Art kaum eine Rolle, ergänzte Peter Krämer. Auch das Umfeld der beiden Diskos im Stadtgebiet falle hier nicht ins Gewicht.

Um elf Fälle – von 145 auf 169 – stieg die Straßenkriminalität (Körperverletzung, Sachbeschädigung, Raub und Diebstahl auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen) in der Stadt. Dazu zählen in erheblichem Maß Schmierereien und Graffitisprayereien. Aufgeklärt wurden auf diesem Sektor 42,6 Prozent der angezeigten Delikte (plus 21,2 Prozent gegenüber 2017).

Langfristig betrachtet ist der Trend bei Diebstählen (Aufklärungsquote 50 Prozent, plus 9,9 Prozent gegenüber 2017) eher rückläufig in Sulzbach-Rosenberg, wenngleich es von 2017 (167) zu 2018 (184) eine Steigerung gab. Befeuert insbesondere durch deutlich mehr verschwundene Fahrräder. 2017 waren das noch 16, 2018 bereits 33.

„Manche Räder werden einfach gestohlen, um damit nach Hause zu kommen“, berichtete Peter Krämer aus seinen Erfahrungen.

Bemerkenswert in diesem Kontext: Im vergangenen Jahr wurden 36 herrenlose Räder gemeldet, von denen eigenartigerweise lediglich drei ihren Besitzern zugeordnet werden konnten. Davon wusste Rosalia Wendl ein Lied zu singen: „Wir platzen mit gefundenen Rädern aus allen Nähten“, schilderte sie die Situation in den Depots des Ordnungsamtes.

Rückläufig sei die Zahl der Ladendiebstähle, berichtete Inspektionsleiter Kernebeck weiter. Sehr sicher sei der Zustand in der Stadt im Hinblick auf Einbrüche. 2018 wurden hier fünf Fälle angezeigt; weitere fünf stammen aus der Vergangenheit, liefen jedoch erst jetzt in der jüngsten Statistik auf.

„Es gibt bei uns keine Hinweise auf durchziehende oder marodierende Banden. Bei den meisten Delikten handelt es sich um Beziehungstaten.“ So etwa jene, als jemand nach erfolgter Trennung in die Wohnung der Ex eingestiegen ist und daraus das TV-Gerät mitgenommen hat.

Bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz handelte es sich überwiegend um den Besitz von Cannabis-Produkten , so Kernebeck. Hier gab es 107 Anzeigen, 15 mehr als noch 2017. Durch ständige Kontrollen sorge die Polizei in der Szene schon für Unruhe. Und: „Wir kennen unsere Pappenheimer“, so der Inspektionsleiter.

Dessen Stellvertreter Krämer wusste aber auch um eine nicht zu verachtende Dunkelziffer: „Je tiefer man in die Materie eindringt, desto mehr tut sich auf.“ Eine eigens dafür zuständige Kollegin trage dazu ein gerüttelt Maß bei.

Den Anstieg der Gewaltexzesse von acht auf 13 Fälle wollte Michael Kernebeck nicht dramatisieren, zumal „zwei unserer Dauerkunden“ derzeit hinter Schloss und Riegel säßen und weitere Verurteilungen zu erwarten hätten. Alkohol- und Drogenkonsum sei hier häufig die Antriebsfeder.

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