11.07.2021 - 11:42 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Elasto GmbH in Sulzbach-Rosenberg als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert

Elektro-Fuhrpark, Masken-Recycling und neu entwickelte Mehrwegboxen für Essen to go: Der Sulzbach-Rosenberger Werbeartikelhersteller Elasto wurde für seine klimaneutrale Produktion ausgezeichnet – dafür ist viel Erfindergeist nötig.

Eine Idee, die aus der aktuellen Corona-Pandemie heraus entstanden ist: Marketing-Chefin Ellen Scheibl (links) präsentiert die Mehrwegboxen für Essen to go. Ihre Kollegin Susanne Regler, Leiterin des Qualitätsmanagements, hält einen Mehrwegbecher in der Hand, auf den viele Kaffeetrinker schon seit längerer Zeit umgeschwenkt sind.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Die Elasto GmbH mit Hauptsitz im Sulzbach-Rosenberger Ortsteil Kauerhof ist nach eigenen Angaben einer der führenden Werbeartikelhersteller – und produziert als erstes Unternehmen in der Werbemittelbranche nicht nur klimaneutral, sondern ist seit kurzem auch als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert. Auf die Auszeichnung durch das Deutsche Institut für Nachhaltigkeit und Ökologie ist der Betrieb stolz – der Weg dahin aber erforderte viel grünes Engagement.

Energieeffizienz sei schon sehr lange ein Thema im Unternehmen, sagt Susanne Regler, die bei Elasto das Qualitätsmanagement leitet. Zum einen verweist sie auf gesetzliche Vorgaben, zum anderen habe die Firma große Kunden, die „diese Punkte nachhaken“. Mit der Zertifizierung als klimaneutrales Unternehmen sei dieser Prozess auch keineswegs abgeschlossen. Vielmehr werde jährlich geschaut, was man noch verbessern könne. Dann würden entsprechende Ziele formuliert.

Intelligente App-Steuerung

Regler blickt zurück auf die Anfänge der CO2-Einsparung im Familienunternehmen. Begonnen wurde mit einer Wärme-Rückgewinnungsanlage. Andere Schritte folgten, zum Beispiel die Modernisierung des gesamten Maschinenparks in der Spritzerei und der Druckerei. Regler erwähnt auch ein effizientes Lichtmanagement. So sei die Beleuchtung nicht nur auf LED umgestellt worden, sondern auch Bewegungsmelder angebracht worden. Ellen Scheibl, die die Marketingabteilung des Unternehmens leitet, bringt ergänzend noch die App-Steuerung. "So können Mitarbeiter auch am Wochenende gucken, ob nicht doch noch irgendwo ein Licht brennt, obwohl niemand arbeitet."

Recycling sei ebenfalls ein großes Thema. Susanne Regler bringt als Beispiel dafür die Maskenproduktion, die in der Coronavirus-Pandemie begonnen und hochgefahren wurde. Die Reststücke des Vlieses würden zusammengepresst und zu Granulat verarbeitet. Gleiches gelte für die Angüsse. Da sei ein System gefunden worden, wie diese an den Maschinen geschreddert und so wieder dem Produktionskreislauf zugeführt oder aber an Verwerter verkauft werden können. Letzteres geschieht zum Beispiel mit klein geschreddertem Kunststoff-Abfall aus vielen verschiedenen Farben. Wie Ellen Scheibl erklärt, ergibt dieser Farben-Mischmasch einen Braunton. Und daraus wiederum werden Mülltonnen produziert.

Schwitzende und lätschige Pommes

Die Pandemie und der Lockdown haben angesichts geschlossener Gaststätten aber auch die Nachfrage nach to-go-Produkten gesteigert, da Essen eben aus den Gaststätten und Restaurants abgeholt wurde. Normalerweise fällt durch die Verpackungen viel Müll an. Deshalb hat die Elasto GmbH ein Mehrwegprodukt entwickelt – und zwar zusammen mit der Gastronomie. So stellte sich nämlich erst im Praxistest heraus, dass der Prototyp der Burgerbox für das Essen zu klein war. Und bei der großen Menübox war auch die Knödelgröße ausschlaggebend.

Zudem ergab der Einsatz in der Praxis, dass Lüftungsschlitze von Vorteil seien: "Sonst nämlich schwitzen die Pommes frites in der Box und werden lätschig", sagt Scheibl. Weitere Kriterien für die einfache Handhabung der Boxen: Sie müssen tauglich für Mikrowelle und Geschirrspüler sein.

Pfandsystem für Essensboxen

Ab 3. Juli dürfen Produkte aus Einwegplastik in der EU nicht mehr hergestellt werden. Doch schon vor der politischen Entscheidung hatten immer mehr Menschen Einwegplastik vermieden. So seien zum Beispiel viele Verbraucher längst auf Mehrwegbecher umgestiegen. Das Pfandsystem Recup, das es inzwischen bundesweit für Kaffeebecher gibt, kann sich Ellen Scheibl auch für die Menü- und Burgerboxen vorstellen.

Susanne Regler und Ellen Scheibl kommen auf die Verpackungen zu sprechen. So werde nicht nur Wert darauf gelegt, ausschließlich Recyclingpapier zu verwenden, sondern auch bei den Kartonagen Recyclingmaterial. Auf vieles kann die Elasto GmbH eben nicht verzichten, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist. Zum Beispiel, dass jedem Artikel eine Gebrauchsanweisung beizulegen ist. Oder eben die Sicherheitshinweise. "Das ist auch nicht wenig", sagt Scheibl.

Mitunter sind auch Umverpackungen nötig, so genannte Polybeutel. Gelegentlich lassen sich diese vermeiden. Zum Beispiel, wenn Seifenflaschen zum Versand abgepackt werden. Dafür setzt die Firma passgenaue Kartonfächer ein, so dass jede Seifenflasche in ihrem eigenen Fach ist. "Wichtig ist, dass die Produkte ordentlich und nicht defekt beim Kunden ankommen", sagt Qualitätsmanagements-Chefin Susanne Regler. Einen weiteren Baustein zum Klimaschutz leistet laut Scheibl der Fuhrpark bei Elasto: Zur Firmenflotte gehören elf Elektrofahrzeuge (zwei reine Elektrofahrzeuge und neun Hybridfahrzeuge).

45.066 Bäume erhalten

Die Maßnahmen, mit denen sich CO2 im Unternehmen selbst einsparen lassen, führen zu einer Klimaneutralität von 60 Prozent. Verbleiben noch 40 Prozent, die ausgeglichen werden. Wie Ellen Scheibl berichtet, hat die Elasto dafür in ein deutsches Klimaschutz-Projekt investiert. Genauer gesagt in einen Wald im Landkreis Vorpommern-Rügen. So wird eine Waldfläche von 75,11 Hektar mit 45.066 Bäumen erhalten. Die Marketing-Leiterin spricht einen weiteren Aspekt an: Waldflächen bieten nämlich "vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Schutz und leisten somit einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität".

Dass man auf null CO2-Emissionen kommen und 100 Prozent Klimaneutralität im Unternehmen selbst erreichen könne, glauben die beiden Frauen nicht. "Das schafft man nicht, wenn man eine Produktion hat", sagt Ellen Scheibl. Es sei vielleicht in 30, 40 Jahren möglich – "wenn es ganz andere Technologien gibt". Für Susanne Regler ist wichtig, dass ein Bewusstsein geschaffen wurde – für Klimaschutz und CO2-Einsparungen. Dazu zählt für sie auch, dass eben im Winter, wenn geheizt wird, nicht den ganzen Tag die Fenster gekippt sind.

Zurück zu Präsenzmessen

Corona hat auch für Veränderungen in den Betriebsabläufen gesorgt. Vieles, was früher in Präsenz stattfand, wurde online abgehalten. Die Marketing-Chefin verhehlt nicht, dass gerade im Werbemittelbereich Messen eine große Rolle spielen. Natürlich könne man diese digital abhalten. Aber: Schnell verpasse man da vielleicht eine Tür zu einem virtuellen Showroom oder übersieht einen Icon. "Viele lechzen nach Präsenzmessen." Andererseits: Manches könne auch nach der Pandemie so beibehalten werden, findet Susanne Regler und nennt Besprechungen als Beispiel. "Da muss man nicht immer vor Ort sein, da geht vieles auch online."

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Hintergrund:

Wie wird Elasto klimaneutral?

  • Klimaneutral sind nach Angaben der Elasto GmbH Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen, wenn sie die von ihnen erzeugten Emissionen nach der Ermittlung der individuellen CO2-Bilanz zu 100 Prozent ausgleichen.
  • 60 Prozent dieser Neutralität erreicht das Familienunternehmen nach eigenen Angaben mit Einsparungen von CO2-Emissionen durch eigene Maßnahmen.
  • Zum Ausgleich des noch erforderlichen CO2-Bedarfs von 40 Prozent investiert Elasto in ein deutsches Klimaschutz-Projekt.
  • Dieses Projekt trägt zum Erhalt einer Waldfläche von 75,11 Hektar und damit von 45.066 Bäumen bei. Daneben bieten die Waldflächen vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Schutz und leisten somit einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität.
  • Der „Elasto-Wald/Revier Augustenhof" befindet sich im Landkreis Vorpommern-Rügen.

"Per App können Mitarbeiter auch am Wochenende gucken, ob nicht doch noch irgendwo ein Licht brennt, obwohl niemand arbeitet."

Ellen Scheibl, Leiterin der Abteilung Marketing und Kommunikation.

Ellen Scheibl, Leiterin der Abteilung Marketing und Kommunikation.

"Wichtig ist, dass die Produkte ordentlich und nicht defekt beim Kunden ankommen."

Susanne Regler, Leiterin des Qualitätsmanagements

Susanne Regler, Leiterin des Qualitätsmanagements

 

 

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