10.07.2020 - 13:37 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Enges Korsett für "Monte Schlacko"

Zu einer Nutzung des Schlackenbergs gibt es die viele Vorschläge. Jetzt sucht sogar ein Verein nach solchen Möglichkeiten. Doch was ist wirklich realisierbar? Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn hat die Antworten.

Wie der Schlackenberg künftig genutzt werden kann, ist noch nicht klar ersichtlich – aus Naturschutzgründen könnten Vorschläge auch abgelehnt werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

"Schon kurz nach dem die Sanierungarbeiten am Schlackenberg begonnen wurden, tauchten im Jahr 2006 erste Nutzungskonzepte auf", weiß Peter Zahn. Anregungen aus dem breiten Wunschspektrum reichten beispielsweise von Nutzung als Energieberg mit Photovoltaik, Windrädern und Energiepflanzenanbau, Veranstaltungsort, Rodelbahn, Motocross-Strecke bis hin zu einem Drehcafé oder Kiosk mit Sitzplätzen oder Nutzung als Weinberg.

"Die Kreativität ist kaum zu bremsen. Doch was ist möglich? Ansprechpartner für alle angedachten Vorschlägen ist die Regierung der Oberpfalz mit der Baudienststelle Schlackenberg. Entscheidend für jede vorgeschlagene Nutzung sind die Festsetzungen im Genehmigungsbescheid", sagt Zahn im Pressegespräch.

Bleibt eine Deponie

Eine Aussage in früheren Diskussionen: "Der Schlackenberg ist eine Deponie und wird eine solche bleiben", zeige deutlich die Nutzungsgrenzen auf. Der Zweck des Berges sei die dauerhafte Sicherung der abgelagerten Produktionsrückstände aus der Eisen- und Stahlproduktion und der Schutz der Oberflächengewässer sowie des Grundwassers. Hierzu seien die Vorschriften des Umweltrechtes zu beachten. Im Rahmen der "sanften touristischen Nutzung" seien etwa 4 km Wanderwege und das Infozentrum Aussichtspunkt am Gipfel des Berges errichtet worden. Im Jahr 2020 werde der Berg an 78 Tagen von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen sein. Einzelheiten dazu stünden im Internet.

Für Erholungssuchende, Wanderer
oder Naturfreunde ist die Deponie
nicht das erste Ziel.

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn

Wie Zahn weiter erläutert, sei die Folienoberflächenabdichtung von entscheidender Bedeutung. "Alle Bauvorhaben, die dies Hülle beschädigen oder durchdringen würden, scheiden daher von vornherein aus. Fundamente für Türme, Gebäude und Bahnen oder technische Anlagen sind somit nicht realisierbar. Die Nutzung freier Flächen für Veranstaltungen ist sehr eingeschränkt." Große Gebiete seien nicht betretbar: Über 6 Hektar Sand-Standorte als Lebensräume für die Heuschrecken und ausgedehnte extensiv genutzte Grünlandflächen, die als Ausgleich angelegt wurden und zusätzlich der Oberflächenbefestigung dienen. Aus Sicherheitsgründen seien Bereiche mit Steilabstürzen und Gabionen-Stützwänden sowie die Bereiche der Betriebspunkte (Pumpen) gesperrt.

Genehmigung erforderlich

"Wenn die verbleibenden Flächen genutzt werden sollen, ist eine Genehmigung durch die Regierung der Oberpfalz erforderlich. Zusätzlich muss die Betreuung bei den Veranstaltungen gesichert sein. Das bedeutet, es muss Personal für die Einlasskontrollen, für den Betrieb, die Sicherheit und die Sauberkeit sowie für die Abschlusskontrollen bereitstehen. Vor jeder Veranstaltung muss geklärt werden, wer diese Kosten trägt", weiß Peter Zahn.

Zu berücksichtigen sei nach Ansicht des Umweltschutzbeauftragten auch, dass auf dem gesamten Gelände ein Rauchverbot bestehe. Wenn man die Wünsche für mögliche Freizeitaktivitäten auf dem Schlackenberg durchgehe, ergäben sich dazu Fragen: Gibt es in Sulzbach-Rosenberg außer einer Deponie-Halde keinen geeigneten Ort für kreative Freizeitaktivitäten? Besteht hier vor Ort ein breites öffentliches Interesse für solche Angebote? Oder geht es nur um Fun- Events auf einer mega-geilen Location?

Auch bei der sanften Nutzung durch Fußgänger würden sich nach Ansicht des Umweltschutzbeauftragten Probleme ergeben. Das technische Bauwerk gebe den Rahmen für jede Nutzung vor. Der Schwerpunkt liege dabei nicht auf einer optimalen Nutzermöglichkeit für alle möglichen Besucher, sondern auf der sicheren Funktionsfähigkeit einer Deponie. Der Schlackenberg sei optimal als Aussichtspunkt mit einer phänomenalen Rundumsicht. Diese Nutzungsmöglichkeit sei aktuell gegeben.

Die Nutzung freier Flächen für Veranstaltungen ist sehr eingeschränkt.

Peter Zahn

"Für Erholungssuchende, Wanderer oder Naturfreunde ist die Deponie nicht das erste Ziel. Der gegenüberliegende Annaberg, die ausgedehnten Waldgebiete um die Stadt und die angrenzenden Naturparkbereiche sind für sie die wesentlich besseren Alternativen. Bei so hochwertigen Alternativen ist die Halde als notwendiges Erholungsangebot völlig überflüssig. Alle weiteren genannten Nutzungsvorschläge müssen vor dem Hintergrund ,Gesicherte Deponie' bewertet werden."

Bei Genehmigungen seien vorrangig die Festsetzungen des Umwelt- und des Naturschutzrechts zu berücksichtigen. In diesem Rahmen könnten mögliche Einzelfallentscheidungen und darüber hinaus Regelungen zur Übernahme anfallender Kosten getroffen werden. Mit zu berücksichtigen seien auch die Planungen der Stadt Sulzbach- Rosenberg für den Schlackenberg.

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