16.12.2018 - 16:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Festes Band der Freundschaft zwischen Bergknappen und Stiber-Fähnlein

Auch wenn in der Bergstadt heute keine Erzförderung mehr stattfindet, die Bergbaugeschichte lebt weiter, wie die Zusammenarbeit zwischen dem Knappenverein und dem Stiber-Fähnlein beweist.

Ohne den Festzug, der dem Gottesdienst und der Barbarafeier voraus ging, wäre das Fest der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute um einiges ärmer.
von Wolfgang BerndtProfil

Mit einem Novum wartete der Bergknappenverein bei der Barbarafeier im Wagnersaal auf, denn zum ersten Mal hielt mit der Vorsitzenden der Historischen Gruppe Stiber-Fähnlein Tanja Weiß eine Frau die Festrede. Und wie die Aufmerksamkeit und der Beifall bewies, hatten die Knappen bei ihrer Entscheidung eine gute Wahl getroffen. Der Feier ging ein Festzug und ein Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Marien voraus.

Nicht nur viele Bergleute, sondern auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Abordnungen von Vereinen hieß Vorsitzender Armin Kraus willkommen. Am weitesten war Pavel David als Vertreter der Europäischen Bergmanns-, Knappen und Hüttenmännischen Vereine aus Tschechien angereist. Dank und Anerkennung für die Tätigkeit des Bergknappenvereins zollten die Bürgermeister Michael Göth und Winfried Franz aus Neukirchen und vom Landesverband Andreas Wilhelm.

"Das was Sulzbach-Rosenberg ausmacht, haben Bergleute über Jahrhunderte geschaffen", betonte Festrednerin Tanja Weiß. Auf diesem Fundament baue die Freundschaft auf, die zwischen dem Stiber-Fähnlein und dem Bergknappenverein seit vielen Jahren bestehe. Als Grundpfeiler der Sulzbacher Bergbaugeschichte, auf der die Stadtgeschichte aufbaue, nannte die Rednerin, dass mit dem Beginn des Bergbaus ab dem 8. Jahrhundert die Bevölkerung rasch zunahm, Eisen und Herrschaft ergaben eine Einheit und wichtige zentrale Burgorte wie Sulzbach etablierten sich im Vergleich zu anderen Orten.

Ebenfalls gehöre das sogenannte Diedenhofer Kapitular dazu, in dem Karl der Große 805 das Ausfuhrverbot für Schwerter und Kettenhemden in slawische Herrschaftsgebiete verfügte. "Macht und Herrschertum durch Waffen aus Eisen und Salz, dem Gold des Mittelalters, das Graf Berengar durch die Morgengabe der Adelheid von Wolfratshausen, ein Salzbergwerk in Berchtesgaden bekam, und das Recht jedes Bürgers der Stadt aus dem 14. Jahrhundert, allein oder in Kooperation mit anderen Bürgern an einer Erzlagerstätte bis zu drei Gruben anlegen zu dürfen, fügen sich in die Historie ein." 1353 rief Kaiser Karl IV. die Bergwerksfreiheit aus, danach durfte nicht nur mehr am Eichelberg, sondern im gesamten Stadtgebiet geschürft werden.

Dies mit der Folge, dass die Stadt größer wurde, der Reichtum der Bevölkerung zunahm, die Stadtmauer erweitert und die Zollfreiheit eingeführt wurde. "All dass und vieles mehr wäre ohne die Bergleute und ihre Geschichte nicht möglich gewesen, lobte Tanja Weiß. Auch wenn es keinen Bergbau mehr in Sulzbach-Rosenberg gibt, schreiben der Bergknappenverein und das Stiber-Fähnlein seit der Gründung die Bergbaugeschichte fort. So hätte es ohne diese Zusammenarbeit kein Pflasterzollhaus, kein Stiber und keinen Grünthaler-Turm oder den Hunt vor dem Amtsgericht, dem jetzigen Literaturarchiv, gegeben. Da der Bergknappenverein sich nicht mehr in der Lage sah, das Schaustollenfest bei der Villa Max auszurichten, war es für Stiber selbstverständlich, einzuspringen. "Die entstandene Freundschaft zwischen beiden Vereinen sei dabei das Wichtigste und wird sicherlich noch lange anhalten", versprach Tanja Weiß. Zum Thema

Die Gratulation für 60-jährige Mitgliedsschaft im Bergknappenverein nahmen Wolfgang Wismeth und Johann Götz (Mitte) gerne von Georg Rubenbauer, Hans-Jürgen Reitzenstein, Bürgermeister Michael Göth und Andreas Wilhelm entgegen (von links).

Info:

25 Jahre gehören Elfriede Pirner und Wolfgang Goslar sowie 60 Jahre Johann Götz, Leonhard Dehling, Erwin Schleicher und Wolfgang Wismeth dem Bergknappenverein an. Auf stolze 70 Jahre Treue kann Josef Sippl zurückblicken. Weil eine solche Auszeichnung selten vorkommt, musste die Ehrennadel in Gold mit der Zahl 70 extra angefertigt werden, betonte der Vorsitzende Armin Kraus.

Unter Leitung von Stadtkapellmeister Johannes Mühldorfer bot die Bergknappenkapelle wieder einen künstlerischen Genuss. Mit Modern Time (Willy Lange), Klang der Stille (Paul Simon), Promenade I (Modest Petrowitsch Mussorgskij, Frühlings-Ouvertüre (W. Böhme), Alte Kameraden (C. Teike) und dem Bergmannslied "Glück auf" bereicherte die in voller Besetzung spielende Kapelle den Festabend.

Ohne den Bergbau und die Bergleute sähe die Stadthistorie wesentlich anders aus, so Tanja Weiß.

Vorsitzender Armin Kraus gratulierte Josef Sippl zu seiner 70-jährigen Mitgliedschaft.

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