08.10.2019 - 14:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Die Freude am Kochen vorleben

Selbst Zubereitetes weckt bei Kindern die Lust auf frische Zutaten und gesundes Essen. Die Hauswirtschafterin Manuela Hollweck hat die besten Tipps, damit das Kochen mit dem Nachwuchs auch Zuhause klappt.

Wenn die klare Gemüsesuppe beim Nachwuchs nicht ankommt, macht der Pürierstab im Handumdrehen eine „Zaubersuppe“ daraus.
von Adele SchützProfil

Gerade in Zeiten, in denen Tiefkühlkost, Fertigprodukte und Fastfood in den Familien das Essen prägen, ist es enorm wichtig, Kinder an das Kochen heranzuführen und ihnen damit eine gesunde Ernährung zu vermitteln. "Da die Ernährung in Kindertagen besonders prägend ist, kann man nicht früh genug damit anfangen", weiß die Hauswirtschaftsmeisterin und Lehrerin für Praxis an den Staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Sozialpflege in Sulzbach-Rosenberg, Manuela Hollweck. Sie setzt dabei auf die Neugierde der Kinder. Erfahrungsgemäß wecke selbst Gekochtes die Lust auf frische Zutaten. "Zudem ist Kochen mit Kindern für diese immer ein Erlebnis für alle Sinne, bei dem sie Lebensmittel begreifen lernen."

Studiendirektorin Angelika Aures aus der erweiterten Leitung der Staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Sozialpflege in Sulzbach-Rosenberg erklärt, dass die Speisenzubereitung mit und für Menschen in allen drei Ausbildungsrichtungen der Staatlichen Berufsfachschulen einen hohen Stellenwert genieße und Kochen und Backen bei allen Klassen auf dem Unterrichtsplan stehe. Den Berufsschülern werde die Bedeutung der Ernährung nähergebracht. Stets werde auf die Verwendung von nachhaltigen, saisonalen und regionalen Lebensmitteln beim Kochen und Backen geachtet.

Eine abwechslungsreiche Ernährung fördere laut Aures nachhaltig die Gesundheit des Menschen, insbesondere die der Kinder in der Entwicklungs- und Wachstumsphase. Sie versichert: "Selbst frisch kochen zu können macht eine Menge Spaß und ist eine wichtige Alltagskompetenz sowie ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Ernährung. Gerade durch einen genussvollen Umgang mit Essen lernen Kinder ihrem eigenen Körper und Geschmack zu vertrauen und ein Gespür für das Essen zu entwickeln, das ihnen gut tut."

Wissen geht verloren

Sie bedauert, dass immer weniger Kinder die Erfahrung von Kochen und Backen zu Hause und in der Kindertagesstätte oder später Schule machen, denn meist bekämen sie fertiges Essen serviert. Dadurch gehe das Wissen über frische Lebensmittel, ihre Herkunft und Zubereitung verloren. Gleichzeitig würden Krankheiten wie Übergewicht, Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien ansteigen. "Wir versuchen unsere angehenden Kinderpflegerinnen davon zu begeistern, mit Kindern das Essen selbst und frisch zuzubereiten. Die Kids entdecken den ausgezeichneten Geschmack des selbst Gekochten und werden dadurch neugierig auf frische Lebensmittel." Beim Kochen lernten Kinder, ihr Essen mehr zu genießen und wert zu schätzen. Darüber hinaus unterstütze gemeinsames Kochen soziale und motorische Fertigkeiten und fördere die sprachliche Entwicklung.

Die Hauswirtschafterin Manuela Hollweck versteht es blendend, die angehenden Kinderpflegerinnen vom Kochen und Backen mit Kindern zu begeistern. Sie macht bewusst: "Nur wovon ich selbst begeistert bin, kann ich andere begeistern." Ihr Devise lautet: "Kochen mit Kindern ist Kochen mit allen Sinnen." Die Augen spielen dabei eine wichtige Rolle, wenn die Kinder erst einmal das Lebensmittel im Ursprung vor der Verarbeitung anschauen. Dann würden die Kinder angeleitet, zu beobachten, wie sich die Zutaten bei der Verarbeitung in ihrem Aussehen verändern.

Kindgerechte Dekoration

Beim fertigen Essen trifft das altbekannte Motto "Das Auge isst mit" eine zentrale Rolle. Sie rät zu einer kindgerechten Dekoration der Speisen mit Gesichtern und ansprechenden Farbkombinationen. Riechen und schmecken spiele laut Hollweck eine weitere entscheidende Rolle beim Kochen. Kinder würden lernen, dass Lebensmittel unterschiedlich riechen und schmecken. Die Kinder dürften dabei beispielsweise an frischen, duftenden Kräutern und Gewürzen riechen und die Lebensmittel probieren. "Probieren ist das A und O für Kinder beim Kochen", verrät Hollweck. Die Kinder würden die unterschiedlichen Konsistenzen eines Lebensmittels und deren Veränderung bei der Zubereitung kennenlernen. Die Kinder arbeiten aktiv bei der Zubereitung von Gerichten mit, dadurch würden sie Kochvorgänge ganz praktisch begreifen.

"Kochen mit Kindern ist Kochen mit Spaß und Freude", garantiert die Hauswirtschaftsmeisterin. Sie rät, die Freude am Kochen vorzuleben. Wichtig sei, den Arbeitsplatz für den Kocheinsatz mit Kindern gut vorzubereiten, um ein strukturiertes Arbeiten zu ermöglichen und mehr Raum für Freude und Spaß zu schaffen. "Kochen mit Kindern ist ein Abenteuer. Aber Vorsicht", sagt Manuela Hollweck. Sie rät, die Gefahrenquellen in der eigenen Küche zu erkennen und auszuschalten sowie die Kinder darauf hinzuweisen.

Flexibel sein

Manuela Hollweck empfiehlt den Kindern beim Kochen auch zu vermitteln, welche Lebensmittel gut und gesund sind und nur frische Lebensmittel zu verwenden. Dem Nachwuchs sollte bewusst gemacht werden, woher das Lebensmittel komme, ob es bei uns und zu welcher Jahreszeit es wachse.

Als Grundlage für eine gesunde Ernährung dient Manuela Hollweck die Ernährungspyramide. Sie spricht sich gegen Verbote aus und favorisiert das Gespür der Kinder für gesunde Lebensmittel und die Begeisterungsfähigkeit für frische Lebensmittel. Um den Geschmack der Kinder beim Essen zu treffen, müsse man sich flexibel zeigen, denn wenn eine klare Gemüsesuppe nicht der Vorstellung der Kinder entspreche, müsste man daraus eben im Handumdrehen eine "Zaubersuppe" mit dem Pürierstab machen.

Die Hauswirtschaftsmeisterin und Lehrerin für Praxis an den Staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Sozialpflege in Sulzbach-Rosenberg, Manuela Hollweck (rechts), gibt ihr Wissen gerne weiter.
Beim Kochen mit Kindern sind alle Sinne wichtig. Man sollte sie die Lebensmittel schmecken und riechen lassen – und schön anrichten. Denn: „Das Auge isst mit.“
Den Berufsschülern wird die Bedeutung der Ernährung nähergebracht.

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