02.09.2021 - 15:41 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gewerkschaften kritisieren am Antikriegstag stetes Wachstum der deutschen Rüstungsausgaben

Ins Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 82 Jahren mischen sich heuer die aktuellen Bilder aus Afghanistan. Dazu gibt es bei den Gewerkschaften eine klare Position.

von Heidi FranitzaProfil

Die Botschaft des Antikriegstages stand dieses Mal vor einem aktuellen Hintergrund. Sabrina Feige, Fachsekretärin der IG Metall in Amberg, sprach es in ihrer Rede deutlich aus: "Krieg schafft keinen Frieden. Viele Beobachter bewerten den internationalen Einsatz am Hindukusch als Fehlschlag und sehen die Strategie eines militärisch gestützten Aufbaus demokratischer Staatlichkeit in Afghanistan als gescheitert an."

Am Antikriegstag erinnern die Gewerkschaften alljährlich an den deutschen Überfall auf Polen, der vor 82 Jahren den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Treffpunkt war am Mittwochnachmittag das Ehrenmal auf dem Friedhofsberg.

Manuel Stöbig, freigestellter IG Metall-Betriebsrat bei der Siemens AG in Amberg, erinnerte in der Gedenkansprache an die vielen Toten der Kriege und richtete deutliche Worte an die Politik: "Die Militärausgaben in Deutschland steigen kontinuierlich an. So liegt Deutschland inzwischen bereits wieder auf Platz 7 der Länder mit den größten Rüstungsausgaben." 44,7 Milliarden Euro seien es 2020 gewesen. Damit sei die Bundesrepublik Spitzenreiter in Europa. Der bereits seit 2005 jährlich steigende Trend werde sich sehr wahrscheinlich künftig fortsetzen, nachdem sich die Bundesregierung freiwillig auf eine Mindestquote von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes verpflichtet habe. Aktuell liege sie bei 1,4 Prozent.

Auch die Exportbereitschaft der Rüstungsbetriebe prangerte Stöbig an. "Bei den Exporten konventioneller Waffen gehört Deutschland auf Platz 4 zur Weltspitze. Inzwischen verkaufen deutsche Unternehmen zum Beispiel keine Panzer mehr, sondern gleich eine ganze Panzerfabrik."

Mit mahnenden Worten beendete der Betriebsrat seine Rede: "Letztlich liegt es auch an uns allen selbst, sich nicht von kriegerischer Propaganda anstecken zu lassen, nicht still zu schweigen, wenn einem Spaltungs-, Hass- oder Hetzparolen begegnen und wachsam zu sein, um Frieden herzustellen.“

Zum Gedenken an die unzähligen Toten von Krieg und Gewalt legten Sabrina Feige und Judith Uhlmann einen Kranz nieder. Das Amberger Musikerehepaar Tanja und Michael Dandorfer hatte der Zusammenkunft einen würdigen Rahmen gegeben. Eindringliche Worte gab Sabrina Feige am Ende der Veranstaltung den Anwesenden mit auf den Heimweg: „Wir setzen uns ein für Abrüstung, Entspannung und Frieden. Nicht nur heute, sondern jeden Tag, im Betrieb und in der Gesellschaft. Eine bessere Welt ist möglich. Lasst sie uns jeden Tag Stück für Stück angehen!"

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