24.01.2021 - 16:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hans Watzlik mit Nazi-Vergangenheit

Nach Hans Watzlik, dem Nazi-Gesinnung nachgesagt wird, ist in Sulzbach-Rosenberg eine Straße benannt. SURO2030 hat im Stadtrat einen Antrag auf Umbenennung gestellt.

Im Flüchtlingslager Schlackenberg – vormals Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter der Maxhütte – fanden auch viele Sudetendeutsche eine notdürftige Bleibe. In ihrer alten Heimat war Hans Watzlik als Schriftsteller und Sammler von böhmischen Sagen und Märchen sehr bekannt.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Straßen, Plätze und Gebäude tragen in Deutschland vielerorts auch Namen von Menschen, die in verschiedenen Formen mit dem menschenverachtendem Regime der Nationalsozialisten verbunden waren. Deren Beziehungen reichen von aktiver Mitwirkung an Nazi-Verbrechen über Finanzierung der braunen Machthaber bis hin zu kultureller Arbeit. Letztere diente Hilter und seinen Schergen in aller Regel auch als Deckmantel für Mord, Rassismus, Diskriminierung und letztlich Völkermord.

Geradlinige NS-Hinwendung

Während vor allem die Bewohner Böhmens oder des Sudetenlandes in Hans Watzlik nach wissenschaftlichen Bewertungen einen identitätsstiftenden Landsmann sehen, die Nazis ihn als völkisch-nationalen Autor vereinnahmen, sehen Kritiker bei dem im Jahr 1879 in Unterhaid im Böhmerwald geborenen Watzlik nach einer umfassenden heimatlich geprägten schriftstellerischen Tätigkeit, darunter 285 Sagen und Kunstmärchen, eine geradlinige Hinwendung zum Nationalsozialismus.

Gemäß dem Internet-Lexikon Wikipedia gab Hans Watzlik die völkische Zeitschrift "Der Ackermann aus Böhmen" heraus, er publizierte regelmäßig im Völkischen Beobachter und wurde Amtswalter der Sudetendeutschen Partei. Während der Sudetenkrise 1938 flüchtete er vorübergehend nach Deutschland. Und seit 1938 war Watzlik auch Mitglied der NSDAP und der Reichsschrifttumskammer.

„Ein Umbenennung der Straße wäre deshalb sicher die sauberste Lösung, auch ein Zusatzschild, das Hintergründe zur Person erklärt, wäre, wie etwa in Augsburg geschehen, eine Möglichkeit.“

Stadtheimatpfleger Markus Lommer

Stadtheimatpfleger Markus Lommer

Im Bericht der von der Stadt Augsburg eingerichteten Kommission für Erinnerungskultur, die sich in der Schwabenmetropole auch mit den strittigen Straßennamen auseinandersetzt, heißt es unter anderem, dass Watzlik als Regional- und Heimatschriftsteller schon früh Bekanntheit erlangte. Seine Romane schilderten vor allem das Leben im Böhmerwald, würden aber auch antitschechische Ressentiments beinhalten. Die ausgeprägte volkstumsbezogene Heimat-Thematik in Watzliks Werken hätte deren Instrumentalisierung im Sinne der NS-Ideologie nahe liegend gemacht.

Hochdotierte Literaturpreise

Die Augsburger Untersuchung verweist auch auf den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und die Annexion des Sudetenlandes, die von Watzlik begrüßt wurden. Er habe sich darüber hinaus offenbar mit einem Teil seiner Werke in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda gestellt. Watzliks Werk, in dem er bewusst nationalistische und rassische Themen aufgegriffen hätte, sei wiederholt durch von NS-zugehörigen Institutionen ausgelobte hochdotierte Literaturpreise ausgezeichnet und auf offizielle Empfehlungslisten gesetzt worden.

Dies hätte ihm laut Kommissionsbericht zusammen mit Vortrags- und Lesereisen ein ausgezeichnetes Auskommen in der NS-Zeit gesichert. Nach dem Krieg seien zahlreiche seiner Werke als "eindeutig nationalsozialistisch" eingestuft und zum Teil verboten worden. Berüchtigt seien etwa Beiträge aus der Gedichtsammlung "...ackert tiefer ins umstrittne Land" oder in "Sudetendeutsche Reden und Aufrufe". Hier fänden sich nach Expertenmeinung, wie beispielsweise auch im Jugendbuch "Roswitha oder die Flucht aus Böhmen", unzweideutige Verherrlichungen der Person Adolf Hitlers.

41 Straßen in Bayern

In Bayern tragen derzeit nach einem Aufsatz von Walter Koschmal für den Oberpfälzer Nordgautag 2012 in Lappersorf 41 Straßen den Namen von Hans Watzlik, dazu gehört auch Sulzbach-Rosenberg, wo im Stadtteil Loderhof eine Hans-Watzlik-Straße zu finden ist. Diese soll nun nach einem Antrag der SURO2030-Stadtratsfraktion umbenannt werden. Derartige Initiativen habe es auch schon in früheren Jahren im Ratsgremium unter anderem von Stadtrat Manfred Weiß gegeben. Eine Mehrheit für eine Änderung fand sich damals nicht. Wie auf Nachfrage zu erfahren war, spricht sich auf das DGB-Ortskartell und der Verdi-Ortsverein für eine Umbenennung aus.

Die Hans-Watzlik-Straße wurde nach Angaben von Stadtarchivar Johannes Hartmann im Stadtrat am 29. Oktober 1953 von Gustav Steberl (Block der Heimatvertriebenen), der aus dem Kreis Eger/Sudetenland stammte, beantragt. Hierzu gab es eine Gegenstimme von Kurt Zeidler (Leiter Flüchtlingslager Waisenhaus, Landsmannschaft Ostlandbund, 1948 bis 1952 CSU, dann Sprecher des Wahlblocks der Heimatvertriebenen).

Wie Stadtheimatpfleger Markus Lommer im Gespräch mit der Sulzbach-Rosenberger Zeitung betont, sei es durch den starken Zustrom von Flüchtlingen, darunter auch fast 3000 aus dem Sudetenland, nicht verwunderlich, dass sich viele an den böhmischen Dichter erinnerten, der sich ja auch schon vor der Nazizeit unter anderem als Sammler von Sagen und Märchen einen Namen machte.

"Hans Watzlik war während der NS-Diktatur bei den Nazis keine kleine Nummer. Er ließ sich stramm vom Regime protegieren, was natürlich auch auf sein ganzes übriges Werk viele Schatten wirft. Ein Umbenennung der Straße wäre deshalb sicher die sauberste Lösung, auch ein Zusatzschild, das Hintergründe zur Person erklärt, wäre, wie etwa in Augsburg geschehen, eine Möglichkeit", so Lommer.

Gespräche mit Anliegern

Seiner Ansicht nach dürfe hier nichts unter den Teppich gekehrt werden, denn die Person Hans Watzlik verlange sicher einen kritischen Umgang. "Wir müssen bei diesen Verbindungen zum Nationalsozialismus immer hellwach sein, um weiter dazuzulernen", resümiert der Stadtheimatpfleger, der auch Gespräche mit den Anliegern der Hans-Watzlik-Straße empfahl.

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Grubenleiter und Stadtrat Gustav Steberl beantragte 1953 die Benennung der Hans-Watzlik-Straße.

 

 

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