18.11.2020 - 17:09 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Heimatverein Birgland als internationaler Botschafter: Überzeugte Völkerfreunde gewonnen

Kulturarbeit lässt über Grenzen hinweg Freundschaften entstehen. Was das bedeutet, das haben die Birgländer seit 50 Jahren erfahren. Wenn es nach Manfred Grädler geht, werden die Beziehungen auch nach der Pandemie weiter gepflegt.

von Andreas Royer Kontakt Profil

Wenn es einen internationalen Botschafter für Oberpfälzer Brauchtum gibt, dann ist das der Heimatverein Birgland. Seine Reisen in aller Herren Länder gelten als legendär. Ziele in nahezu ganz Europa, in Japan und Amerika haben die Brauchtumsfreunde aus dem Landkreis bereits angesteuert und auch heuer wären wieder Reisen auf dem Programm gestanden. Organisator Manfred Grädler zieht mitten in der Pandemie eine Bilanz und blickt in die Zukunft.

ONETZ: Herr Grädler, was war eigentlich die Grundlage dieser doch nicht alltäglichen internationalen Arbeit der Birgländer Gruppen?

Manfred Grädler: Ein nur in der Welt Herumgefahre ist das beileibe nicht, es kann vielmehr der Schlüssel zu einer gut funktionierenden Völkerverständigung im Bereich der Kulturpflege sein.

ONETZ: Hätten Sie von Anfang an mit dieser erfolgreichen Entwicklung gerechnet und was war die Triebfeder für Ihr Engagement?

Manfred Grädler: Jetzt im Resümee der vergangen 50 Jahre bin ich erstaunt, wie sich das alles entwickelt hat und was in der ganzen Kulturarbeit alles machbar ist. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit ist auch in der heutigen Zeit immer noch gefragt. Das kann der Völkerverständigung sehr dienlich sein. Ich jedenfalls bin ein überzeugter Anhänger des internationalen Austausches geworden.

ONETZ: Können Sie sich noch an die erste Fahrt erinnern?

Manfred Grädler: Ja sicher, zur ersten Auslandsfahrt überhaupt reiste der Heimatverein Birgland mit dem Bus vom 1. bis 3. Mai 1970 mit einer großen Abordnung nach Südtirol, um beim Städte-Begegnungs-Fest zwischen Brixen und Regensburg ein Oberpfälzer Programm erstmalig in Italien auf die Beine zu stellen. Auf Vermittlung des früheren Bezirksheimatpflegers Dr. Adolf Eichenseer gestalteten Hanns Binder und die Birgländer Volkstanz- und Blasmusik- und Gesangsgruppen einen großen Heimatabend in der Stadthalle in Brixen.

ONETZ: Wie kamen die zahlreichen Besuche im Kanton Maintenon in Frankreich oder bei der Volkstanzgruppe Laukkoski in Finnland zustande?

Manfred Grädler: Öfter waren Bezugspersonen vorhanden, die solche Reisen mit unterstützten, oder sich als Mithelfer einbrachten. Hier ist an erster Stelle der frühere Birgländer Volkstumspfleger Hanns Binder zu nennen, der anfangs großen Anteil am Zustandekommen dieser Unternehmungen hatte.

ONETZ: Wie wurden die internationalen Verbindungen eigentlich organisiert und wie groß waren die Reisegruppen?

Manfred Grädler: Wir sind immer mit etwa 35 bis 40 Personen gefahren. Dass ein Ausflug in ein fernes Land mit so vielen Leuten eine längere Vorbereitungszeit braucht, versteht sich von selbst. Aber mit gutem Willen und vor allem mit positiver Einstellung der Teilnehmer läuft das prima. Viele Freundschaften sind bis heute noch vorhanden und werden leidenschaftlich gepflegt.

ONETZ: Wohin gingen die Reisen und wer kam zu Besuch?

Manfred Grädler: Wir haben ja sehr viele Ziele angesteuert und mit jeder Fahrt sind für die Teilnehmer persönlich wertvolle Erlebnisse verbunden. Aber sehr beeindruckend waren unsere Besuche im französischen Partnerkanton Maintenon, die Aufenthalte in Finnland, Japan, Spanien, Südtirol, Ungarn oder in den USA zur Steubenparade in New York.

ONETZ: Obwohl viele internationale Kontakte bestehen, wurden sicherlich auch Ziele im Inland oder in den Nachbarländern angesteuert?

Manfred Grädler: Natürlich haben wir auch in Bayern oder Deutschland sowie in Tschechien oder Österreich zahlreiche Kontakte geknüpft und viele Freundschaften geschlossen. Es gibt auch Patenvereine und Gruppierungen, die schon mehrmals bei uns auf Gegenbesuch waren. Das Altstadtfest hat hier immer eine besondere Gelegenheit geboten. Man glaubt gar nicht, wie schnell Kontakte und Freundschaften mit den Bindegliedern Musik, Tanz und Brauchtum allgemein zustande kommen.

ONETZ: Herr Grädler, wird man nach so langer Zeit als Mit- und Hauptorganisator nicht irgendwann reisemüde, oder planen Sie schon weitere Reisen?

Manfred Grädler: Momentan sind Einladungen nach Frankreich und Finnland sowie Gegenbesuche auf Eis gelegt. Die Pandemie hat auch unsere europäischen Freunde hart getroffen, sie leiden sozusagen wie wir an der Corona-verseuchten Welt. An eine Verbesserung der internationalen Reise-Lage ist in nächster Zeit meiner Meinung nach nicht zu denken. Aber so lange es gesundheitlich möglich und machbar ist, stelle ich mich weiterhin als Reise-Organisator der Birgländer zur Verfügung.

Mehr zum Heimatverein Birgland

Hintergrund:

Dokumentation

Weitere Informationen und mehr als 100 Farbbilder im Buch „Mit Volkstanz und Blasmusik um die Welt“. Kontakt per E-Mail: manfredgraedler[at]web[dot]de oder Telefon 09663/1628.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.