22.09.2020 - 15:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hermann Hesses Glasperlenspiel in einem neuen Licht

Für viele ist Hermann Hesses Roman "Das Glasperlenspiel" ein Buch mit sieben Siegeln. Bei der Entschlüsselung hilft jetzt das Literaturhaus Oberpfalz.

Originale aus dem Walter-Höllerer-Archiv erweitern den Blickwinkel der Hesse-Sonderausstellung im Literaturhaus Oberpfalz.
von Anke SchäferProfil

Insgesamt rund 130 Exponate hat Kurator Lutz Dittrich unter dem Titel "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" zusammengestellt, die den komplexen Roman vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit im Dritten Reich über neun Stationen in ein neues, politisches Licht rücken. Sie sind jetzt bis ins neue Jahr hinein im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg zu sehen.

Eigene Schmankerl als Beilage

Und anders als bei den vorigen Ausstellungsstationen Berlin, Hesse-Museum Gaienhofen, Bremen und Oldenburg wartet im Literaturhaus ein zusätzliches Schmankerl aus dem eigenen Archiv: In Walter Höllerers Beständen ließen sich zu diesem Thema sehenswerte Original-Dokumente finden.

Über Fotos, Zeitungsausschnitte, Briefe, Filmausschnitte, Tondokumente und Bücher nähern sich die Besucher der finsteren Zeit an, in der dem "Glasperlenspiel" in Deutschland die Druckgenehmigung verweigert wurde, in der der S. Fischer Verlag mit Teilen des Unternehmens ins Exil gehen musste und Verleger Peter Suhrkamp mit dem verbliebenen Rest den Kompromiss-Spagat zwischen Anpassung und Widerstand wagte.

Besuch von Thomas Mann

Beleuchtet wird zudem Hesses Verhältnis zum anderen Nobelpreisträger Thomas Mann, der mit Frau Katja bereits kurz nach der Ankunft im Schweizer Exil dem schon länger in Montagnola lebenden Ehepaar Hesse einen Besuch abstattete. Die Ausstellung spart aber auch die Musik nicht aus, die ja im Roman eine wesentliche Rolle spielt und schlägt den assoziativen Bogen vom begeisterten Boccia-Spieler Hesse zum "Glasperlenspiel".

Zur zusätzlichen Bereicherung der Sonderschau förderten die Gastgeber Patricia Preuß und Michael Peter Hehl einige Originale aus dem Hausarchiv zutage, die sich thematisch an die Ausstellung anschließen: Von Hesse eigens mit Aquarellen dekorierte Textbeiträge für Walter Höllerers und Hans Benders Zeitschrift "Akzente" sind ebenso zu bestaunen wie Höllerers Manuskript zur Verleihung des Nordgau-Preises 1994, in dem er in einer Passage auch seinen Besuch bei Hermann Hesse und Thomas Mann memoriert.

Hesse-Ausstellung im Literaturhaus:

Öffnungszeiten und Führungen

Die von Lutz Dittrich kuratierte Sonderausstellung "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit - Hermann Hesses "Glassperlenspiel" im Dritten Reich" ist ab sofort bis 26. Februar 2021, Dienstag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr (außer an Feiertagen), Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Literaturhaus Oberpfalz zu sehen. Vom 19. Dezember bis 11. Januar ist das Literaturhaus geschlossen. Der Eintritt kostet 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Am 4. Oktober, 25. Oktober, 15. November und 6. Dezember, jeweils um 14.30 Uhr, gibt es 30-minütige Kurzführungen mit begrenzter Teilnehmerzahl, Dazu sind Anmeldungen zwingend erforderlich unter 09661/9 15 95 90 oder info[at]literaturarchiv[dot]de. (aks)

Wie sich das Literaturarchiv auf den Corona-Betrieb einstellt

Sulzbach-Rosenberg
Mit rund 130 Exponaten geht die Sonderausstellung im Literaturhaus Oberpfalz den Rätseln um Hermann Hesses "Glasperlenspiel" auf den Grund.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.