27.11.2020 - 17:42 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Herzog-Christian-August-Gymnasium: P-Seminar auf Spurensuche in der Vergangenheit

Wie kamen Sulzbach und Rosenberg zusammen? Welchen Geschmack hatte das Fuchsbeck-Bier vor 100 Jahren oder wie lief damals in der Stadt der Schulbetrieb? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben sich Schüler auf Spurensuche begeben.

Artikel in der Sulzbacher Zeitung vom 8. März 1933 über die Auseinandersetzungen im Rathaus am 7. März 1933.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Über allem stand zunächst einmal Freude und der Wille, manchen Schleier der Geschichte zu lüften. So gingen die Schüler des P-Seminars im Fach Geschichte am Herzog-Christian-August-Gymnasium ans monatelange Werk und können nun die Serie „Sulzbach und Rosenberg vor 100 Jahren“ in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung und auf dem Instagram-Kanal „su_ro_1900“ präsentieren. Das Seminar leitet Studienrat Tobias Grieb, der mit seinem Team besonders Stadtarchivar Johannes Hartmann für die Unterstützung dankt.

Fortschrittlicher als Amberg

"Erstaunlich fand ich, dass Sulzbach in vielen Bereichen wie Strom, Kanalisation deutlich fortschrittlicher war als Amberg", gab Sven Thümmler, der zur Stadtentwicklung forschte, bei der Projekt-Vorstellung an. Andreas Falk fand besonders das Blättern in den alten Ausgaben der Sulzbacher Zeitung sehr interessant, wo er viele alte Anzeigen von Geschäften fand, die es heute noch gibt. "Die Abklärung vor allem rechtlicher Fragen war die anstrengendste Arbeit. Neben den historischen Inhalten habe ich da am meisten gelernt", so der Seminar-Teilnehmer. Themen waren unter anderem auch das Postwesen, Vereine und das Druckwesen in der Stadt oder die Brauerei Fuchsbeck.

Wie die Schüler deutlich machten, wollen sie das Wichtigste zur Sulzbacher und Rosenberger Geschichte aus der Zeit von etwa 1900 bis 1934 auf unterhaltsame und interaktive Weise näherbringen. Um insbesondere auch Jüngere für die Lokalgeschichte zu begeistern, habe sich das Seminar für Instagram als zusätzliche Plattform entschieden.

Die Schüler hätten Lokale, Vereine, Museen und Archive aufgesucht und das Interessanteste in Form von Text-Bild-Beiträgen, Videos oder als Quiz aufbereitet. Ab heute sollen die Ergebnisse in einer losen Folge in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung veröffentlicht und ab 1. Dezember auf Instagram unter dem Namen "su_ro_1900"gepostet werden. Die Seite könne auch ohne App und Instagram-Mitgliedschaft aufgerufen werden.

Start der Serie: Wie die Nationalsozialisten in Sulzbach die Macht übernahmen

Bekanntermaßen kam es nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zur Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich. Ebenfalls bekannt ist, dass die Regierung Bayerns dann am 9. März 1933 übernommen wurde. Aber in ganz Bayern? Nein, denn in Sulzbach begann der Umsturz schon zwei Tage zuvor.

Erster Versuch

Hauptverantwortlicher war NSDAP-Kreisleiter Paul Arendt (der Name wird uns noch öfter begegnen). Am 7. März 1933 marschierte er mit etwa 35 SA-Leuten vor das Rathaus und forderte dessen Schlüssel. Als er diese nicht ausgehändigt bekam, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Hakenkreuzfahne und die Schwarz-Weiß-Rote Flagge wurden gehisst. Arendts nächster Schritt war, mit seinem Trupp zum Bezirksamt zu marschieren und denselben Ablauf zu wiederholen.

Zweiter Versuch

Am Morgen des 8. März wurden die Flaggen von der Polizei entfernt, jedoch am 9. März direkt wieder gehisst, nachdem Arendt seine Aktion zum zweiten Mal durchführte und die Macht in Bayern offiziell von der NSDAP übernommen worden war. Am 10. März befand sich auf der Titelseite der Sulzbacher Zeitung ein Rundschreiben Paul Arendts, in dem er das weitere Vorgehen erläutert und gleich drei Mal "Ruhe und Ordnung" beschwört. SA, SS und Stahlhelm werden zu Hilfspolizisten ernannt und sollen - Trommelwirbel - für "Ruhe und Ordnung" sorgen.

Was Paul Arendt darunter versteht, wird deutlich, als er die Verhaftung von 14 "Kommunisten" als "Säuberungen" verharmlost. An den Vorgängen in Sulzbach und Deutschland im Frühjahr 1933 lässt sich gut erkennen, wie skrupellos die Nationalsozialisten ihre Diktatur errichteten und wie schnell Demokratien zerbrechen können.

Wie Sulzbach und Rosenberg zu Sulzbach-Rosenberg vereinigt wurden, können Sie im nächsten Teil unserer Serie lesen.

Mehr zum Herzog-Christian-August-Gymnasium

Amberg
Hintergrund:

P-Seminar

Das P-Seminar (Projektseminar zur Studien- und Berufsorientierung) ist Teil der gymnasialen Oberstufe.

  • Idee
    Unterstützung der Schüler bei Studien- und Berufswahl.
  • Ziel
    Vorbereitung auf Anforderungen von Hochschule und Berufswelt.
  • Umsetzung
    Schüler arbeiten ein Jahr lang mit außerschulischen Partnern in einem Projekt mit.
  • Ergebnis
    Erfahrungen sammeln in Methoden-, Sozial-, Selbst- und Fachkompetenz.
Paul Arendt, dominierende Figur in den ersten Jahren der NS-Diktatur in Sulzbach und Erster Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg.

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