26.03.2019 - 17:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hoffnung für Afghanistan

40 Jahre Krieg und Terror,verfolgte Minderheiten, unterdrückte Frauen, hungernde Kinder, Flüchtlingsströme - Berichte aus dem gemarterten Land Afghanistan gleichen einem Horrorszenario. Und dennoch gibt es dort auch Zeichen der Hoffnung.

Georg und Marianne Taubmann (Mitte) mit dem Team vom Rosenberger SNI-Büro: Von links Karl-Heinz Stobbe, Karin Geih und Dieter Drexler.

Organisationen wie Shelter Now International (SNI) setzen am Hindukusch seit 37 Jahren Wegmarken des Aufbruchs in eine neue, friedliche Zukunft. Die Fäden dieses weltumspannenden Netzwerks der Nächstenliebe laufen in Sulzbach-Rosenberg zusammen, genauer im Stadtteil Rosenberg, am Sitz des SNI-Büros.

Georg Taubmann, ein gebürtiger Rosenberger, ist Direktor von Shelter Now International, ein inzwischen weltweit bekannter "global player" auf dem Sektor Humanitäre Hilfe. Beim jüngsten seiner meist recht kurzen Heimataufenthalte beleuchtete er im Kreiner-Saal in Siebeneichen bei einem gut besuchten Vortrag die aktuelle Situation in Afghanistan ebenso wie die Vorgeschichte dazu, die ihren Anfang nahm mit dem Sturz des afghanischen Königs Mohammed Sahir Schah am 17. Juli 1973. Bis zu diesem Wendepunkt sei Afghanistan ein "total friedliches Land" gewesen.

Was folgte, waren Chaos und ein inzwischen vier Jahrzehnte andauernder Krieg. Erst die Besetzung durch sowjetische Truppen, dann das Regime der Mudschaheddin und schließlich von 1996 bis 2001 die noch schlimmere Schreckensherrschaft der Taliban mit Einführung des radikalen Scharia-Rechtssystems, in konsequenter Folge davon Vollverschleierung und Bildungsverbot für Frauen, Musikverbot, zunehmend öffentliche Hinrichtungen, Amputationen, Steinigungen. Verstießen Männer gegen die vorgeschrieben Bartlänge, setzte es Prügelstrafe oder Gefängnis.

Immer mehr rückte das rohstoffreiche Afghanistan nun in den Fokus der Großmächte in Ost und West. Auch seit dem Sturz der Taliban 2001 mit massiver Unterstützung durch westliche Streitkräfte ist das Land nie richtig zur Ruhe gekommen. Die Taliban beherrschen noch zahlreiche Provinzen, Scharmützel und schwere Selbstmordanschläge sind an der Tagesordnung. Aber es gibt auch Zeichen für eine langsame Neuordnung, eine demokratische Strukturierung des Landes mit eigenen Polizei- und Armeeeinheiten, mit Schulbildung auch für Mädchen, mit Frauenrechten, bilanzierte Georg Taubmann.

Mit einem breitgefächerten Angebot an Entwicklungsprojekten, aber auch mit spontanen Hilfsaktionen für Flüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen leistet Shelter Now seit fast vier Jahrzehnten Hilfe zur Selbsthilfe, weckt bei den Menschen neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ermöglicht Überleben inmitten von Tod und Zerstörung.

Büro in Kabul

1982 war Georg Taubmann erstmals in Afghanistan, baute danach von Pakistan aus eine Flüchtlingshilfe für Afghanen auf, bis Shelter Now International schließlich ab 1988 in Afghanistan selbst mit einem Büro in Kabul die Arbeit aufnahm. Schon 1990 starteten islamistische Fundamentalisten einen Generalangriff auf alle Hilfsorganisationen im Land, vor allem auf die verschiedenen Frauenprojekte.

Georg Taubmann: "Alles, was wir geschaffen hatten, wurde zerstört und ausgeplündert." Shelter Now ließ nicht locker, und die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Sie reicht von Winternothilfen in Flüchtlingslagern, die Unterstützung von Dürre- und Flutopfern über den Bau von Wasserversorgungsleitungen, Brunnen, Brücken und Betonwerken für den Bau neuer Behausungen bis hin zu landwirtschaftlichen Projekten, Waisenhäusern, Schulen, einer hochmodernen Zahnklinik in Herat, einem Gehörlosenzentrum, Frauenprojekten, Mikrokrediten für Wasserbüffel-Bauern und Berufsbildungseinrichtungen.

"Es ist erstaunlich, wie unter dem Schutzschild der US Army und der Bundeswehr dieses Land in so kurzer Zeit wieder aufgebaut werden konnte", so Taubmann. "Wir versuchen, diese Menschen vom Mittelalter in die Neuzeit zu führen." Die Arbeit von Shelter Now gründet sich nahezu ausschließlich auf westliche Spendengelder. Wer mithelfen möchte, nutzt folgendes Spendenkonto: Shelter Now Germany, Braunschweig, DE65 2505 0000 0002 5230 58.

Info:

Zahlen und Fakten:

Afghanistan, fast doppelt so groß wie Deutschland, ist eine Region der klimatischen Extreme mit Temperaturen von 58 Grad in Wüstengebieten bis zu 50 Grad minus in den Bergen. In dem Land leben 38 Millionen Menschen in 50 verschiedenen ethnischen Gruppen mit eigenen Sprachen und Kulturen. Die größten Volksgruppen sind die Paschtunen und Tadschiken.

Zwischen 10 und 30 Millionen Landminen haben die sowjetischen Truppen nach ihrem Abzug 1989 hinterlassen, seit 1979 wurden rund 1,5 Millionen Afghanen getötet, etwa 5 Millionen waren oder sind auf der Flucht.

Was Afghanistan seit vier Jahrzehnten erleidet und wie Shelter Now International den Menschen dort hilft, berichtete Georg Taubmann bei einem Vortrag in Siebeneichen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.