Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ist Thilo Rinkenburger sichtlich bemüht, sich möglichst diplomatisch auszudrücken. Doch je länger das Telefonat dauert, umso mehr wird klar, wie groß der Unmut über das gescheiterte Vorhaben, den Sulzbach-Rosenberger Bahnhofsbau zu sanieren, doch ist.
Der 38-Jährige spricht für die Bauunternehmer-Familie Rinkenburger aus Dillingen an der Donau, die sich in Sulzbach-Rosenberg ab 2019 einen Namen machte, als sie ihre Pläne vorstellte, das ehemalige Storg-Kaufhaus zu entwickeln. Das ist mittlerweile abgeschlossen, im Oktober 2023 zogen die ersten Mieter in die frühere Betonruine ein, die sich nun als schön anzusehendes Wohn- und Geschäftshaus am Rande der Sulzbacher Altstadt präsentiert.
Vier Sozialwohnungen geplant
Ähnliches hatten die Rinkenburgers auch mit dem leerstehenden Bahnhof vor, der sich seit 2015 im städtischen Besitz befindet. Sie wollten ihn kaufen, 1,5 Millionen Euro in die Generalsanierung des historischen Gebäudes von 1883 investieren und vier moderne Sozialwohnungen in den oberen beiden Stockwerken einrichten. Doch Anfang Mai warfen die schwäbischen Unternehmer hin – sie konnten sich trotz mehrjähriger Verhandlungen mit der Stadt nicht einigen.
"Wir mussten die Reißleine ziehen und schweren Herzens eine Entscheidung treffen", erklärt Thilo Rinkenburger. "Die Zeitspanne wurde für uns einfach zu lange." Bereits im Jahr 2021 hatte seine Familie den Bahnhof erwerben wollen, doch der Verkauf wurde damals nicht gestattet, es gab Vorbehalte im Stadtrat und Stimmen, die forderten, ein solch bedeutendes Gebäude dürfe man nicht an einen Privatinvestor aus der Hand geben.
Ganze Planung war umsonst
Das änderte sich, die Stadt war später doch zum Verkauf bereit – und die Rinkenburgers machten sich an die Planung, traten mit zahlreichen Behörden wie dem Landratsamt und der Regierung der Oberpfalz in Kontakt. Es ging um die Beantragung von Zuschüssen für den geförderten Wohnungsbau, um Schall- und Erschütterungsgutachten wegen des Zugverkehrs, die Raumplanung und vieles mehr.
"Unsere Pläne sind komplett fertig, wir hätten schon längst anfangen können. All diese Arbeit war nun für die Katz'. Das ist durchaus ärgerlich, wenn man sieht, wie viel Arbeit wir da reingesteckt haben. Allein ich persönlich habe 500 Stunden investiert – und da sind meine Mitarbeiter noch nicht mitgerechnet."
Kiosk-Nutzung unklar
Während bei den Wohnungen im 1. und 2. Stock Einvernehmen bestand, war unklar, wie der frühere Kiosk im Erdgeschoss künftig genutzt werden soll. Die Auflage der Stadt war, auch einen Warteraum für Zugreisende, ein öffentliches WC und einen Raum für ein Geschäft oder einen Kiosk, Buchhandlung, Gastronomie oder Ähnliches einzurichten. Rinkenburger hätte im Zuge der Arbeiten das Erdgeschoss mitsaniert und dann an die Stadt vermietet. Doch man konnte sich beim Mietpreis nicht einigen, die Stadt wollte die geforderte Summe nicht zahlen.
Und: "Herr Strehl [Hans-Jürgen Strehl, Leiter des Referates für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Anm.d.Red.] gab sein Bestes, das ist schon richtig. Aber der muss alles mit dem Bauamt und anderen absprechen. Und dann hieß es: Warteraum passt nicht. Also wurde alles neu berechnet. Dann hieß es: Ne, ist zu teuer. Also wieder neu geplant. Ne, immer noch zu teuer. Und so vergeht eine Woche nach der anderen. Ein Privater würde das viel schneller entscheiden, weil der arbeitet mit seinem eigenen Geld", äußerst sich Rinkenburger kritisch über die langsamen Entscheidungsprozesse.
Dillingen zu weit weg
Als Knackpunkt, warum der Deal nun platzte, nennt der Unternehmer den Faktor Zeit: "Selbst wenn wir die Verträge jetzt unterschreiben würden, wird es Herbst, bis die Bauarbeiten richtig losgehen könnten. Dann wäre das Dach, mit dem müssten wir beginnen, im Winter offen. Und außerdem würden die Arbeiten dann erst Ende 2025 fertig." Genau das aber sei für die Rinkenburger Objektbau GmbH ein großes Problem, da für 2025 bereits andere Bauvorhaben fest eingeplant sind, die noch dazu wirtschaftlicher seien.
Eigentlich hätte Rinkenburger den Storg und den Bahnhof in Sulzbach-Rosenberg gerne zeitgleich saniert – die Mitarbeiter der Firma aus dem rund 170 Kilometer entfernten Dillingen in Schwaben wären dann schon in der Stadt gewesen, sie hätten sich parallel um beide Gebäude kümmern können. Das hätte Kosten gespart, zum Beispiel für die Unterbringung oder die Fahrtstrecken.
Kiosk-Nutzung als Problem
Doch der Storg war Ende 2023 abgeschlossen, letzte Restarbeiten zogen sich bis ins Frühjahr 2024, nun gibt es für die Rinkenburgers am Storg endgültig nichts mehr zu tun. "Ich müsste jetzt extra wegen dem Bahnhof immer einen Bauleiter nach Sulzbach-Rosenberg schicken. Und dann ziehen sich die Arbeiten ins Jahr 2025 hinein, das Zeitfenster hat sich jetzt einfach geschlossen."
Hinzu kommt der Ärger mit dem Kiosk: "Ich kann das Erdgeschoss nur sanieren, wenn ich weiß, was für ein Geschäft dort hinein soll." Doch weil es noch immer keine Interessenten gibt und die Nachfolgenutzung insgesamt unklar ist, seien auch die Anforderungen des künftigen Mieters nicht bekannt. "Müssen noch Wände eingezogen werden? Müssen Türen oder die Decke anders sein? All das wissen wir nicht."
Zu hohe Mietpreise?
Natürlich ist dies die einseitige Sicht eines Investors. Hat die Stadt also womöglich eine andere Meinung zu dem Vorgang? Auf Nachfrage bei Bürgermeister Stefan Frank zeigt sich dieser betrübt: "Ich bedauere es, dass die Reißleine gezogen wurde und nun nichts mehr vorangeht." Frank sagt, er sei von der Absage überrascht worden. "Ich habe mich erst im März mit Rinkenburger für eine Storg-Besichtigung getroffen. Da wurden die Probleme mit keiner Silbe erwähnt, das hätte er mir gegenüber auch ansprechen können. Für mich war die Sache mit dem Bahnhof in trockenen Tüchern."
Der Bürgermeister zu den Mietpreisverhandlungen für das Erdgeschoss: "Ich kenne die genaue Summe aktuell nicht, aber es wurde da sehr viel verlangt. Wir als Stadt machen mit einem WC und einem Warteraum ja auch keinen Gewinn, da war uns der Preis zu hoch, aber wir haben versucht, zusammenzukommen." Als das Absage-Schreiben vor vier Wochen eintraf, wollte die Stadt den Deal noch retten. Aber: "Er hat sich nicht mehr umstimmen lassen."



























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