25.09.2020 - 09:24 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Jäger zähmt Steinadler für die Beizjagd

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Kattl ist beleidigt. Sie dreht das Gesicht weg, wenn sich ihr Ausbilder nähern will. Er war im Urlaub und konnte sich nicht um das Adlerweibchen kümmern. Jetzt muss er erst wieder ihre Gunst gewinnen. Also trägt er sie täglich spazieren.

Sie sind ein eingeschworenes Paar – Claus Luber und seine Kattl, das derzeit schmollende Steinadlerweibchen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es ist ein wahrhaft seltenes Hobby, und nur wenige bringen es zur Meisterschaft: Die Falknerei ist eine uralte Form der Jagd, eine Gemeinschaft zwischen Mensch und Greifvogel zum Zwecke der Nahrungsbeschaffung. Die Beizjagd ist auch das Fernziel von Claus Luber: Der 45-jährige Sulzbach-Rosenberger ist seit 2010 Jäger und hat im Januar 2019 zusätzlich die Falknerprüfung abgelegt. Greifvögel sind sein absolutes Hobby, und deswegen stand ein eigener Adler ganz oben auf der Liste.

In Tschechien erfüllte sich schließlich sein Herzenswunsch: Von einem renommierten Züchter erwarb er offiziell das Steinadlerweibchen, das er „Kattl“ taufte. Schon lange arbeitete Luber bei Hans Weiß in Kümmersbuch in der Tierauffangstation mit, dort wurde auch der Adler in einer geräumigen Voliere einquartiert. Ebenfalls als potenzielle Beizvögel leben dort schon ein Ger-Lanner-Falke und ein Rotschwanzbussard. Nebenan wohnt ein Sibirischer Uhu, der oft auch auf Mittelalter-Festen und sonstigen Anlässen zu sehen ist.

Lange Gewöhnungsphase

Mit einheimischen Greifvögeln darf in Deutschland nur mit Habicht, Sperber, Wanderfalke und Steinadler gejagt werden. Ziel von Claus Luber ist, dass das Steinadler-Weibchen einmal zur Beizjagd auf Rehe eingesetzt werden kann. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn das Vertrauen zwischen Adler und Mensch muss total sein. Schließlich fliegt der Vogel einmal völlig frei und muss auch aus freien Stücken wieder zurückkommen.

Eine lange Gewöhnungsphase geht dem voraus. Tragen, streicheln, füttern und immer wieder ein bisschen trainieren: Der Mensch lernt, den Vogel zu lesen. Der immerhin fünfeinhalb Kilo schwere Adler muss sich auf der lederbewehrten Faust des Falkners komplett wohlfühlen und sie akzeptieren. Das Geschüh, Lederriemen an jedem Fuß des Vogels, hat Claus Luber jederzeit fest im Griff, denn Kattl breitet öfter mal die Schwingen zum Abflug aus.

Mit ihren Krallen ist nicht zu spaßen: Die Druckkraft der acht nadelspitzen Krummsäbel summiert sich auf eine Tonne. Schließlich erlegt der Adler seine Beute mit einem sofort tödlichen Griff in den Kopf. Aber auch der Schnabel ist nicht zu verachten. Deswegen würde Claus Luber niemandem raten, die Voliere zu betreten oder dem Vogel sonst zu nahe zu kommen: Nur er und Hans Weiß dürfen Futter und Wasser reichen. Von Haus aus aggressiv seien die Vögel aber nicht, betonen beide.

Training in der Halle

Das Fliegen und Wiederkommen trainieren Kathl und Claus derzeit noch in der großen Halle von Hans Weiß. „So ein Greifvogel fliegt nicht viel“, erklärt Claus Luber. Meist sitzt er nur und beobachten. Aber wenn es dann ums Futter geht, wird der Vogel schnell und effektiv. An der 60 Meter langen Lockschnur kann man das schon beobachten.

Kathl bekommt aufgetaute Eintagsküken, aber auch schon mal Wild, das im Straßenverkehr zu Tode gekommen ist: „So eine Rehkeule wird fein säuberlich abgenagt, da lässt sie keinen ran!“

Meist kommen sie wieder

Irgendwann wird das Vertrauensverhältnis wieder so sein wie früher, und dann rückt auch für Kattl der Moment des ersten Freifluges näher. Was ist, wenn sie nicht wieder zurückkommt? Claus Luber lacht: „In 90 Prozent der Fälle kommen die Vögel wieder. Wenn nicht, legt man eben seine Jacke oder etwas Ähnliches an den Abflugort und hofft auf die Rückkehr. Gesucht wird selbstverständlich auch.“

Aber bis dahin wird noch ein wenig geschmollt in Kümmersbuch. Immerhin, den Schnabel legt Kattl schon wieder an die Wange ihres Herrn. Das könnte noch was werden mit den beiden.

Drei Uhus auf dem Abflug in die Freiheit

Vilshofen bei Rieden
Zahlen und Fakten:

Der Steinadler

  • Größe: 80 - 100 cm
  • Spannweite: 190 - 210 cm
  • Gewicht: 2,8 - 6,7 Kilo
  • Hauptbeute: kleine bis mittelgroße bodenbewohnende Säugetiere
  • Beutegewicht: bis 15 Kilo
  • Vorkommen: in Mitteleuropa, meist in den Alpen und Karpaten
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