02.09.2020 - 16:33 Uhr
Vilshofen bei RiedenOberpfalz

Flug in die Freiheit: LBV wildert Uhus in Vilshofen aus

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Nummer 1 startet um 19.14 Uhr zum Flug in die Freiheit. Mit gleichmäßigen Schwüngen steuert er den Steinbruch in Vilshofen an, verschwindet in den Baumkronen der Steilwand. Mission geglückt: Erster Uhu ausgewildert.

Der letzte der drei auszuwildernden Uhu verlässt seinen Transportkarton und hebt ab in Richtung Freiheit. Mit einer Größe von circa einem halben Meter und einem Gewicht von zwei Kilo sind die etwa vier Monate alten Jungtiere durchaus eine imposante Erscheinung.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat am Dienstagabend drei Uhus im Vilshofener Steinbruch ausgewildert. Die im Mai gefundenen, damals etwa drei Wochen alten Jungtiere wurden in der Vogelauffangstation des LBV in Regenstauf aufgezogen. Näher dran als Ferdinand Baer konnte man an den drei Uhus nicht sein: Er kümmerte sich intensiv um sie. Am Dienstag entlässt er sie in die Freiheit. „Einen Uhu sieht man nicht alle Tage“, sagte LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer zu den Zaungästen. „Das ist ein Erlebnis“, verspricht er ihnen .Alle waren gespannt auf die drei Hauptpersonen: ein Oberpfälzer, ein Oberfranke und ein Niederbayer. In diesen Regierungsbezirken nämlich waren die Jungvögel damals im Mai im Alter von circa drei Wochen aufgefunden worden: einer im hiesigen Lauterachtal, ein weiterer in Mitterfels im Landkreis Straubing und der dritte bei Coburg. Nach drei Monaten in der Auffangstation bringt Baer die Findelkinder am Dienstagabend von Regenstauf nach Vilshofen. Jeder Uhu sitzt in einem eigenen Karton. Fest zugepappt mit Paketklebeband, damit keiner ausbrechen kann. Baer liegt viel daran, dass seine Schützlinge keinen Stress haben. Deshalb entlässt er sie gut gefüttert und satt in die Freiheit. Sie sollen an ihrem ersten Abend in ihrer natürlichen Umgebung nicht noch unbedingt auf Beutejagd gehen müssen. Auch der Zeitpunkt für die Auswilderung ist auf die Tiere abgestimmt: Um 19 Uhr ist es noch hell genug, damit sich die Junguhus gut orientieren können. Denn tagsüber hätten Krähen oder andere Greifvögel die nachtaktiven Tiere attackiert.

Steinbruch ideal für Uhus

Erfreut, dass die Jungvögel in seinem Steinbruch ausgewildert werden, ist Besitzer Wolfgang Schatz. Er trägt zur Feier des Tages eine Bergmann-Uniform, heißt die Zuschauer mit einem „Glück auf“ willkommen. Im Steinbruch seien seit Jahrzehnten Uhus, sagt er. „Zumindest war bis vor acht Wochen einer da“, sagt er und erzählt davon, wie das verletzte Tier auf der Bruchsohle gefunden wurde. Obwohl es sofort in die Auffangstation Regenstauf kam, verendete es eine Woche später. Jetzt hofft er, dass zumindest einer der Junguhus hier bleiben wird. Ferdinand Baer weiß nicht, ob es so sein wird. Einerseits ist ein Steinbruch für einen Felsbrüter wie den Uhu ideales Terrain. Auch findet er im waldreichen Vilstal reichlich Nahrung: Mäuse, Ratten, Igel und dergleichen mehr. Andererseits: Sollte hier ein Alt-Uhu sein Revier haben, werden sich die drei männlichen Jungtiere schwer tun. Bis sie im Alter von drei Jahren geschlechtsreif sind, würden sie wohl geduldet. Danach aber sieht der Alt-Vogel sie als Konkurrenz und vertreibt sie aus seinem Revier.

Ferdinand Baer, Mitarbeiter der LBV-Vogelauffangstation in Regenstauf, mit einem seiner Schützlinge. Er zeigt den Zaungästen der Auswilderung nicht nur die Spannweite des Uhu-Flügels, sondern auch dessen intaktes Federkleid.

Behutsam nimmt Baer das erste Tier aus dem Pappkarton, präsentiert es den Zuschauern, für die es ein Erlebnis ist, einen Uhu aus nächster Nähe zu betrachten. Gerade mal vier Monate alt, aber schon circa einen halben Meter groß und zwei Kilo schwer: Das Jungtier ist zweifelsohne eine stattliche Erscheinung. Seine orange-gelben Augen sind leuchtend, sein Blick ist stechend und durchdringend, ein wenig unheimlich. Sein Federkleid erscheint seidenweich. Am liebsten würde man das Jungtier streicheln – wären da nicht seine dolchartigen Krallen...

Ferdinand Baers Leidenschaft für den Vogelschutz

Möglichst schnell und ruhig will Baer die drei Waisenkinder auswildern. Das gelingt ihm. Seelenruhig ist der Uhu, während Baer ihn in den Händen hält, um ihn dem Publikum zu präsentieren. Baer erklärt, warum der Transport in Kartons erfolgte. In Käfigen hätten sie sich an den Gitterstäben verletzen können. Baer freut sich, dass Gefieder und Flügel seiner Schützlinge total intakt sind. „Keine einzige Feder ist beschädigt“, sagt er. Das sei wichtig. Denn Eulen, zu denen der Uhu zählt, jagen lautlos. Beschädigte Federn würden Geräusche machen. „Dann fällt der Überraschungseffekt für die Beutetiere weg“, sagt der Uhu-Betreuer und nennt den Speiseplan der Jungvögel in Regenstauf: Mäuse, Ratten, Wachteln. Sogar ein überfahrener Marder stand auf dem Speiseplan. „Den mussten sie erst zerlegen. Was eine gute Übung für sie war, mit Beute umzugehen.“ Um 19.14 Uhr lockert Baer seinen Griff, der Uhu fliegt in die Freiheit, geradeaus auf die Felswand zu, verschwindet hinter den Baumkronen.

Kinder lassen die anderen Uhus frei

Kinder dürfen Nummer 2 und Nummer 3 frei lassen. Vorsichtig entfernen sie das Klebeband, schlagen die Kartondeckel zurück. Der zweite Jungvogel startet zügig, nachdem er sich kurz umgeguckt hat. Er fliegt in Richtung Vilshofen und nimmt souverän die erste Hürde der Freiheit: eine Stromleitung. Der letzte Jungvogel bleibt eine Weile im Karton sitzen, schaut sich seelenruhig um, mustert sein Publikum. Dann hebt auch er ab, dreht nach links ab und steuert den Ast einer Birke an. Später macht er sich auf in Richtung Schmidmühlen. Auch für Fledermaus-Experte Rudi Leitl ist die Auswilderung ein Erlebnis. Fledermäuse stehen übrigens ebenfalls auf dem Speiseplan der Uhus. „Eulen bauen sich keine Nester“, weiß Leitl. Felswände und Steilhänge sind für sie ideale Brutplätze. Mitunter nutzen sie verwaiste Horste von Reihern und Seeadlern. Obwohl die Krallen des Uhus scharf wie Dolche sind, ist er ein Bisstöter. Im Gegensatz zum Adler: Der erdrückt seine Beute mit den kräftigen Zehen und Krallen. „In der Regel ist es ein Nackenbiss, mit dem der Uhu seine Beute tötet.“

Hintergrund:

Vielfalt an Greifvögeln

Natur- und Fledermaus-Experte Rudi Leitl freut sich über die Vielfalt an Greifvögeln in der Region. Inzwischen gebe es im Landkreis Amberg-Sulzbach wieder Fisch- und Seeadler. Hier beheimatet sind außerdem der Mäusebussard als häufigsten Greifvogel in der Region, der Turmfalke, der Wanderfalke, der Rot- und Schwarzmilan, der Waldkauz, die Waldohreule, der Raufußkauz und der Sperlingskauz. Der Schleiereule hatte der schneereiche Winter 2013 sehr zugesetzt, "aber im vergangenen Jahr ist sie wieder bei Hirschau gesehen worden", so Leitl.

Für die Kinder ein besonderes Erlebnis: Sie dürfen die Kartons öffnen und die Uhus frei lassen.
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