07.10.2019 - 13:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Von der Kirche zum Tierarzt

Welcher Weg durch Rosenberg ist strategisch günstig und bietet mir den meisten Spaß bei der 2. Rosenberger Sofanacht? Kultur pur an zehn ungewöhnlichen Orten, von denen aber nur sieben im Laufe des Abends besucht werden können.

In der Johanniskirche begeisterte das internationale besetzte A-Capella-Ensemble "Stimmkreis" die Zuhörer.
von Redaktion ONETZProfil

Und so wählte mancher Gast die goldene Mitte als Startpunkt und saß in der Zahnarztpraxis, wo Dr. Stefan Morgenschweis Gedichte von Fritz Morgenschweis rezitierte. Die Zeilen des katholischen Priesters, Senatsmitglieds (von 1990 bis 1993) und Mundartdichters sind immer wieder ein Genuss, heute so aktuell und wahrhaftig wie gestern.

Nur einen Katzensprung entfernt, im altehrwürdigen Taubmann-Stodl, referierte Andreas „Hobbo“ Royer in geschmackvollem bayerischem Ambiente über völkerkundliche Erkenntnisse über die „Spezies Bayer“. So vermittelte der Erzähler unter anderem viel Wissenswertes über Aussehen, Liebesleben, Trinksitten oder die Sprache der Bayern. Letztere soll ja durch übermäßigen Gebrauch von Vokalen mehr einem Jodeln als einer Sprache gleichen. Übermäßiger Alkoholkonsum könne diesen Eindruck noch verstärken.

Gewaltige Stimmen hörte man aus der Johanniskirche. Unter dem Namen Stimmkreis haben sich sieben Sänger aus Deutschland und der Schweiz zusammengetan. Ihre Stimmen garantierten ein starkes musikalisches Erlebnis. Dass man dennoch den Eindruck hatte, ein ganzes Orchester begleite das Ensemble bei dieser Premiere, ist dem Wirken von Artur Sobolewski zu verdanken. Er ist ein absoluter Meister des Beatboxens, wobei er Instrumente und Geräusche mit seinem Mund und seinem Kehlkopf imitiert.

Wie macht man aus einem Stoffhasen einen leckeren Braten? Die beiden jungen Burschen, Luka Thar und Moritz Bittner, kennen das Geheimnis und zeigten es in der Tierarzt-Gemeinschaftspraxis Dr. Konrad Gradl, Dr. Klaus Jäger und Johannes Schmidt.

Der Geist schwang noch im Gospel-Rhythmus auf dem Weg zur Gärtnerei Pürzer. Dort erklärte Stefan Thar, warum es zwischen Mann und Frau oft zu Missverständnissen kommt, warum die Kluft zwischen sagen und meinen manchmal unüberwindlich ist. Dieses Wissen war eine gute Begleitung in Richtung Schlosserei Kalkbrenner. Spärlich beleuchtet ließ dort der bekannte Oberpfälzer Autor Fabian Borkner den Rosenberger Bräu sterben. Es ist nur ein Gerücht, dass der Leichtrunk bis spät in die Nacht dauerte.

Tod als Kontrolleur

Im Keller der Feuerwehr kontrollierte der Tod die Eintrittsbänder. Wer weiß, was er mit seiner Sense beim Fehlen des Bändchens angestellt hätte? Autorin Mary T. Joseph hatte eigens für die Sofanacht eine Horrorgeschichte kreiert. „Die Übriggebliebenen“ heißt das Werk. Der Schluss der blieb an diesem Abend offen. „Es wird ja hoffentlich noch mehr Sofa-Nächte geben“, so Mary T. Joseph. Dass in dieser Nacht ein Monster durch Rosenberg lief, kann nicht nur der Fantasie zugeschrieben werden. Aber viele Gäste haben es gesehen. Manche berichteten sogar, es habe ein Bier getrunken.

Wohlige Gitarrenklänge ließen schaurige Bilder wieder in den Hintergrund treten. Gerald Herbst entführte die Zuhörer beim Heidtmann mit seinen Gitarren in europäische Gefilde, frönte musikalisch dem Dolce Vita in Italien oder der Guiness-Kultur in Irland. Das Backstuben-Theater in der Bäckerei Fischer ist seit der ersten Sofanacht nicht mehr wegzudenken. Gespielt wurde das Stück „Das Handy“. Es geht um die Tücken moderner Kommunikation. Eine elektronische Nachricht sollte mit einem neuen Smartphone verschickt werden. Tja, Parallelen zur Realität gab es zuhauf.

Zauber um Hasenbraten

Im Vorraum der Tierarztpraxis Dr. Konrad Gradl, Dr. Klaus Jäger und Johannes Schmidt lag Magie in der Luft. Luka Thar und Moritz Bittner, zwei gewiefte junge Burschen, entführten die Zuschauer mit Kartentricks in die phantastische Welt der Zauberei. Wie man allerdings aus einem Stoffhasen in Sekundenschnelle einen leckeren Hasenbraten macht, das ist echte Zauberei. Die beiden Jungs ernteten tosenden Beifall.

„Der Lösch beim Rösch“, hieß es in der Ankündigung. Immer wieder hörte man schallendes Gelächter beim „Bloicher“. Nicht-Rosenbergern sei verraten, das ist die exakte Adresse der Schreiner Rösch. Aus himmlischen Gefilden fuhr Sepp Lösch im kunstvoll dekorierten Lift zu den Zuschauern herab. Mit Stimmengewalt und Gestik trug er Anekdoten und Gedichte aus seinem Buch „G´schichtn und Gedichte aas´m Storchbeidl“ vor. Der Abschluss war das Gedicht „da Chef, da Oasch“. Fazit der Lesung: Jetzad weiß a jeda Mann, warum a Orsch aa Chef werden kann.

Die 2. Rosenberger Sofanacht, die dieses Jahr auch Künstler aus Schwandorf, Nürnberg, Berlin und sogar aus der Schweiz unterstützten, geriet durch die enorme Vielfalt der Einzeldarbietungen wieder zu einem vollen Erfolg. Viele Besucher werteten das kulturelle Großereignis als Spiegelbild des Engagements für eine intakte Dorfgemeinschaft.

Mary T. Joseph, Autorin zahlreicher Horrorgeschichten, hatte mit dem Tod den richtigen Kontrolleur am Eingang.
Info:

2. Rosenberger Sofanacht

Es sind 10 Veranstaltungsräume, aber nur sieben Aufführungen lassen sich während der Veranstaltungsdauer besuchen. Es gehört zum Wesen der Sofanacht, dass man sich bereits im Vorfeld entscheiden muss, welches kulturelle Ereignis besucht werden soll. Die Vielfalt der Darbietungen und die begrenzte Zeit machen die Wahl fast zur Qual. Das schürt allerdings auch die Vorfreude auf die 3. Rosenberger Sofanacht in zwei Jahren.

Bildergalerie zur 2. Rosenberger Sofanacht

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