Sulzbach-Rosenberg
12.08.2026 - 13:21 Uhr

Klangmagie vor historischer Kulisse: Mahlers Neunte im Schlosshof

Ein Sommerabend im Zeichen des Abschieds und der Verklärung: Im Schlosshof in Sulzbach-Rosenberg wurde Gustav Mahlers letzte vollendete Sinfonie zu einem berührenden Erlebnis.

von mfh

Seit der Jahrtausendwende zählt das vom Lions-Club veranstaltete Sommerkonzert mit dem Bayerischen Landesjugendorchester zu den festen kulturellen Höhepunkten der Herzogstadt. Neben der Förderung klassischer Musik verfolgt die Konzertreihe einen sozialen Zweck: Die Erlöse fließen direkt in regionale Initiativen. Raphael Schmid, der Vorsitzende des Lions-Clubs Sulzbach-Rosenberg, begrüßte Landrat Richard Reisinger, den stellvertretenden Bürgermeister Günter Koller, Ulrike Waldenfels, die Gouvernorin des Lions-Distrikts Bayern-Ost, ihre Stellvertreterin Regina Kestel sowie die zahlreichen Gäste. Der in Sulzbach-Rosenberg geborene Professor Günther Kaunzinger, Kulturpreisträger der Herzogstadt im Jahr 1988, hatte sogar seinen Aufenthalt in der Stadt verlängert, um das Konzert erleben zu können.

Gustav Mahlers Neunte, sein letztes vollendetes sinfonisches Werk, wird als sein musikalischer Abschied gedeutet. Sie wirkt wie ein Rückblick auf das Leben. Die Anmerkungen im Programm hielten erklärende Worte bereit. Die spürbare Spannung des Orchesters und des Publikums erlöste die Dirigentin Ustina Dubitsky mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung des Taktstocks. Sie ließ so die ersten Töne des Eröffnungssatzes (Andante comodo) durch den Schlosshof schweben, die erst allmählich zu einer Melodie zusammenfanden. Es folgten kraftvolle Passagen und abrupte Stimmungswechsel, die die Zuhörer in die Gefühlswelt von Leben und Abschied mitnahmen. Mahlers Musik, die ständig zwischen Lebenstrieb und Todesahnung hin- und hergerissen ist, fand in der historischen Kulisse eine ganz eigene Resonanz.

Technische Stärke

Der zweite Satz begann mit dominierenden Bratschen und Celli sowie den Holzbläsern, darunter Fagotte, Oboen und Klarinetten, und öffnete einen ländlerhaften Klangraum. Ganz anders war das Rondo-Burleske im dritten Satz: Hier zeigte das Orchester technische Stärke, die auch als ein Aufbegehren gegen die Vergänglichkeit interpretiert werden kann.

Mit präzisem Taktstock führte Dirigentin Ustina Dubitsky das Orchester von leisen, kaum hörbaren Tönen zu fulminanten Passagen und wieder zurück. Schon als Kind im Chor der Bayerischen Staatsoper und als Konzertmeisterin in Jugendorchestern sammelte sie prägende Bühnenerfahrung. Nach ihrem Dirigierstudium in Weimar schloss sie 2021 ihren Master bei Professor Johannes Schlaefli in Zürich ab. Meisterkurse bei Größen wie Paavo Järvi rundeten ihre Ausbildung ab. Im März 2022 gewann sie den Orchesterpreis und erhielt ein zweijähriges Stipendium an der Academy La Maestra. Im Januar 2026 begeisterte sie bereits beim Neujahrskonzert in Sulzbach-Rosenberg mit ihrer frischen, dynamischen Art am Pult.

Warme Töne

Den Höhepunkt und emotionalen Kern des Abends bildete jedoch das abschließende Adagio. Mahlers großer Abschied vom Leben verfehlte seine Wirkung im Open-Air-Ambiente nicht. Mit warmem Ton trugen die Streicher die unendlichen Melodiebögen. Die Musik wurde immer karger, die Instrumentierung immer dünner, bis am Ende nur noch einzelne, weit auseinanderliegende Töne der Streicher übrig blieben. Der Taktstock war kaum noch in Bewegung, bis die Musiker offenbar ein sanftes Wiegen der Hand mehr erahnten als sahen. Die Dirigentin ließ die Stille nach dem letzten Ton lange stehen. Das spürbar ergriffene Publikum wagte es lange nicht, den lautlosen Bann mit Geräuschen zu brechen. In diesem Moment wurde deutlich, worum es bei Mahlers Neunter wirklich geht: um das langsame Loslassen, um einen Abschied, der keine Worte braucht, nur diese Musik und die Stille danach.

Erst zaghaft, dann zunehmend kräftiger setzte schließlich der Applaus ein. Jürgen Schleicher, Schatzmeister des Lions-Clubs, dankte der Dirigentin herzlich und überreichte ihr einen Blumenstrauß, den sie als Zeichen der Wertschätzung des Orchesters an den Ersten Geiger weitergab.

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