17.01.2019 - 16:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Massenschlägerei: Nur einer vor Gericht

Keilerei vor einem Lokal mit geschätzt 20 Beteiligten. Nur einer steht jetzt vor dem Richter. Was man ihm vorwirft, ist fast zwei Jahre her.

von Autor HOUProfil

Sie kamen aus dem südlichen Landkreis zur Brauereibesichtigung nach Sulzbach-Rosenberg. Danach war eine Bierprobe angesagt und zu vorgerückter Stunde an diesem 5. Februar 2017 der Besuch eines Tanzlokals gleich in der Nähe. Die fröhliche Herrenrunde trat ein und ging nicht lange darauf auch wieder hinaus. Denn im Freien, "glei neba einem Busheisl" (so einer von vielen vernommenen Zeugen), tobte eine Art Massenkeilerei. Anlass bis heute unbekannt. Die Männer aus dem südlichen Landkreis wurden dann irgendwie zu Beteiligten. Doch wer nun mit wem in den Clinch ging, entzog sich von Anfang an ihrer Kenntnis. Keiner kannte den anderen.

Wie im Westernfilm: Jemand drischt zu, dann geht es rund. Seltsam danach: Nur einer, 35 Jahre alt, saß nun auf der Anklagebank. Er, ein Teilnehmer an der Brauereibesichtigung, soll zugeschlagen, sich dann gar noch auf einen Gegner gesetzt, ihn getreten und gehauen haben. Wieso kam nur er allein in die Mühlen der Justiz?

Nur Kameradenhilfe

An der Seite seines Anwalts Uwe Pohl (Burglengenfeld) bestritt das der Mann energisch. Ja, gab er zu, er habe sich in das Getümmel begeben. Aber nur, um einen in die Schlacht integrierten Kameraden herauszuholen. Dabei sei er selbst von einem Hieb getroffen worden. Nicht mehr und nicht weniger. Außerdem, so erfuhr der Amberger Amtsrichter Markus Sand: "Ich hätte mich wegen mehrfacher Beinoperationen gar nicht auf jemanden setzen können."

Die Sache war von Beginn an nebulös, und sie wurde noch schleierhafter. Denn nach und nach marschierte ein knappes Dutzend Zeugen auf. Alle an dem fraglichen Abend dabei. Keiner erkannte den mutmaßlichen Täter. Nur so viel wurde zu Protokoll gegeben: "Derjenige, der auf dem am Boden liegenden Mann saß und zuschlug, trug ein schwarzes T-Shirt". Doch war das tatsächlich der Angeklagte? Die Shirtfarbe stimmte zwar, doch zu einer Identifizierung reichte das dem Richter noch lange nicht.

Markus Sand wunderte sich. 20 Beteiligte und (wie einer der Zeugen wissen ließ) "30 Promille, die herumrannten". Er machte Ermittlungslücken bei zwei offenbar nach ihrem Eintreffen überforderten Polizeibeamten aus, die der jetzt einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigte 35-Jährige selbst über Handy verständigt hatte.

Keine Einstellung

Der Richter riet zu einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage. Vielleicht 1000 Euro zu Gunsten eines Kindergartens. "Denn zum Freispruch reicht es bis hierher nicht." Da aber mochte Staatsanwalt Wolfgang Doblinger keinesfalls mitmachen. Er verlangte unnachgiebig nach weiteren Zeugen. Die müssen nun im Februar zu einem Fortsetzungstermin kommen.

Doch es ist sehr fraglich, ob sie die Rolle des Angeklagten bei der Massenkeilerei exakt schildern können. Denn wie gesagt: Gefühlte 30 Promille auf einem Fleck beim Bushäuschen. Und vom Schlaf geweckte Nachbarn, die aus ihren Fenstern zürnend sofortige Ruhe verlangten.

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