13.02.2019 - 17:25 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Negative Auswirkungen auf die Natur

"Schlag ins Gesicht für alle Kümmerer." Der Chef des Landesbundes für Vogelschutz, Norbert Schäffer, hat als Schüler in dem Wald bei Sulzbach-Rosenberg schon Artenschutz betrieben, wo der Fahrübungsplatz der BePo entstehen soll.

Blick ins Laichgewässer: Auch diese Erdkröte wird in der früheren Amphibien-Hochburg südlich des Standorts der Bereitschaftspolizei wohl keine Gelegenheit zur Eiablage finden, wenn der Übungsplatz gebaut wird, befürchten Naturschützer.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Der gebürtige Sulzbach-Rosenberger Norbert Schäffer macht seinen Standpunkt klar zu dem Vorhaben, das die Naturschützer in Sulzbach-Rosenberg sehr beschäftigt. "Damals vor 35 Jahren war das eine typische Stelle für Amphibien ein echter Hotspot, wie man heute sagt", erinnert sich der promovierte Biologe an seine Schulzeit.

"Ein spektakulärer flacher Teich ohne Fische, mit bis zu 1000 Molchen darin", so beschreibt Norbert Schäffer die damalige Situation in der Gegend westlich der Bundesstraße und südlich des Autobahnzubringers. Er hat seine Facharbeit im Abiturjahr 1984 am Sulzbach-Rosenberger Gymnasium noch vorliegen: "Vorkommen, Gefährdung und Schutz von Amphibien im Raum Sulzbach-Rosenberg" heißt sie, und sie ist 2018 noch einmal nachvollzogen worden: "Effizienz von Amphibienschutzmaßnahmen im Landkreis Amberg-Sulzbach" ist die Bachelor-Arbeit von Anne Bannewitz betitelt, die sie an der Hochschule Weihenstephan verfasst hat. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: "Die Vergleichsergebnisse sind verheerend", bilanziert der Vorsitzende des LBV nüchtern. "Rund die Hälfte der im Raum Sulzbach-Rosenberg ehemals nachgewiesenen Arten sind inzwischen in Teilen verschwunden, bei den noch vorhandenen Arten ist ein deutlicher Rückgang der Einzeltiere zu beobachten."

Rund die Hälfte der im Raum Sulzbach-Rosenberg ehemals nachgewiesenen Amphibien-Arten seien inzwischen in Teilen verschwunden, beklagt LBV-Chef Norbert Schäffer.

Erheblicher Eingriff

Das lasse sich auch auf dem Areal der Bereitschaftspolizei (Bepo) im Westen der Stadt beobachten, wo die Zahl der umgesetzten Amphibien um über 90 Prozent zurückging. Der Verlust von 40 000 Quadratmeter Vegetationsfläche (Wald, Feldgehölz und Grünland) für den geplanten Fahrübungsplatz stelle einen erheblichen Eingriff in den Sommerlebensraum der Amphibien dar.

Der Bau einer fast 30 000 Quadratmeter großen voll versiegelten Fahrübungsfläche und die Dauerbelastungen mit Lärm und Abgasen durch den Übungsbetrieb würden sich zusätzlich negativ auf den vorhandenen Tierbestand auswirken. Über 30 Jahr lang hätten Freiwillige Hunderte von Stunden aufgebracht, um Amphibienrückhaltezäune an der B 85, an der Staatsstraße 2164 (Autobahnzubringer) und am Bepo-Zaun zu betreuen. Dieser Artenschutz im Mikrokosmos werde jetzt konterkariert durch den Staat mit seinen Plänen. "Dabei sollte gerade er mit gutem Beispiel vorangehen", appelliert der LBV-Chef. Kritik am Bauvorhaben werde zurückgewiesen mit dem Argument, man sei gegen die Polizei - doch das treffe überhaupt nicht zu.

Der Flächenverbrauch spiele da maßgeblich mit hinein: "Wir verlieren jeden Tag ein riesiges Stück Natur in Bayern." Die Koalitionsregierung habe sich vorgenommen, den Flächenverbrauch auf maximal fünf Hektar pro Tag zu reduzieren, tatsächlich sei der Flächenverbrauch von neun Hektar im Jahr 2016 auf elf Hektar im Jahr 2017 sprunghaft angestiegen. "Es ist halt einfacher und billiger, Natur kaputt zu machen als Alternativen zu suchen." Dabei gäbe es etwa auf dem alten Maxhütten-Gelände sicher auch geeignete Areale für einen solchen Platz. Wenn festgeschriebene Ziele nicht erreicht würden, dann müsse eben notfalls auch das Ordnungsrecht ins Spiel gebracht werden. Schäffer meint damit zum Beispiel die Gewässer-Randstreifen, die nur in Bayern auf freiwilliger Basis angelegt werden sollen, anderswo dagegen gesetzlich verankert sind.

"Eine Katastrophe"

Der LBV hat die Situation stichprobenartig in ganz Bayern untersucht: Demnach befinden sich nur an 15 Prozent von Gewässern dritter Ordnung, also kleinen Fließgewässern, beidseitig Gewässerrandstreifen, an lediglich 25 Prozent ist ein Gewässerrandstreifen zumindest auf einer Seite vorhanden. An Gewässerabschnitten ohne Randstreifen können so, insbesondere bei Starkregen, Erdreich, Dünger und Gülle ungebremst in die Bäche gelangen.

Fazit: Der Naturschützer sieht die Schädigung und Zerstörung des Lebensraumes für den Bepo-Übungsplatz als Katastrophe für die Reste der einstigen Flora und Fauna. Und er ist enttäuscht darüber, dass sich die Politik so gar nicht um Alternativen bemüht. "Das hat die Natur nicht verdient."

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