17.01.2021 - 09:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neuer Sound soll im Capitol Kultur-Motor zünden

Das Capitol in Sulzbach-Rosenberg hat sich durch seine Größe zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte gemausert. Momentan steht aber auch dort erneut alles still, doch es gibt es einen Lichtblick.

Die Corona-Bundeshilfe „Neustart Kultur“ machte fürs Capitol im Saal die Optimierung der Soundanlage möglich. Außerdem setzte Thilo Hierstetter in Eigeninitiative die Vergrößerung der Bühne und die Erweiterung der Lichttechnik um.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Den Kulturschaffenden der Stadt hat die Corona-Pandemie buchstäblich die Hände gebunden. Kleinkunst, Kabarett, Lesungen und zahlreiche Musikveranstaltungen fielen dem Virus im letzten Jahr zum Opfer. Zögerlich konnte im vergangenen Frühjahr der Kulturbetrieb wieder aufgenommen werden, von Rentabilität konnte dabei aber noch niemand sprechen.

"Wir haben im Capitol im Mai wieder mit einem kleinen Programm angefangen. Zum Musik-Film über das AC/DC-Konzert in München waren dann etwa 50 Gäste anwesend. Bei anderen Veranstaltungen haben wir je nach Haushalt bis zu 85 Personen unter Berücksichtigung aller geltenden Vorschriften einlassen können. Das war natürlich nur möglich, weil das Capitol mit der entsprechenden Fläche aufwarten kann", erklärt Inhaber Thilo Hierstetter.

„Wir haben hier in der Region aufgrund der Abmessungen im Capitol schon ein Alleinstellungsmerkmal, was Kultur auch rein von der Besucherzahl her wieder einigermaßen sinnvoll möglich macht.“

Thilo Hierstetter

Thilo Hierstetter

Momentan herrsche für ihn allerdings wieder Stillstand, seitdem der zweite Lockdown auch das kurze Wieder-Anspringen des Kultur-Motors erneut Absterben ließ. Es gebe derzeit keinerlei Einnahmen, konstatiert Hierstetter, der für die Branche genauso wie Kultopf-Kollege und Buchhändler Ralf Volkert schon stockdunkle Gewitterwolken aufziehen sieht. Ohne Hilfen von außen, sei hier wahrscheinlich von vielen Pleiten auszugehen, führen die beiden Kulturfreunde im Gespräch mit der Sulzbach-Rosenberger Zeitung an.

Mehrere Fördertöpfe

Etwas besser gestimmt hätte den Capitol-Betreiber dann ein Hinweis des Schnaittenbachers Horst Enderer, der sich im Capitol auch um den guten Ton - also die Akustik - kümmert. Seinen Infos nach, gebe es für kulturelle Einrichtungen staatliche Hilfen über das Förderprogramm "Neustart Kultur", das mit etwa 25 Millionen Euro an Finanzmittel in einem Teilbereich ausgestattet sei. Je nach Branchenzweig könnten auch andere Fördertöpfe infrage kommen.

"Bei näherer Betrachtung dieser Möglichkeit und im Hinblick auf die Bestimmungen bei Veranstaltungen wegen des Infektionsgeschehens, habe ich mich entschlossen, die Soundanlage im Capitol zu modernisieren, um auch bei großen Abständen und im hinteren Saalbereich für gute Klangverhältnisse zu sorgen", sagt Thilo Hierstetter.

Förderung des Bundes

Im Oktober habe er den Antrag mit Bedarfsermittlung, Konzept, Beschallungsplan und allen nötigen Unterlagen eingereicht. Schon wenige Wochen danach habe es grünes Licht für sein Vorhaben "Erneuerung der Soundanlage" gegeben. Förderungen sieht der Bund zwischen 5000 und 100 000 Euro vor, zehn Prozent der Kosten müssten pro Vorhaben als Eigenanteil übernommen werden. Für das Capitol habe sich so ein zweckgebundener Zuschuss im unteren fünfstelligen Euro-Bereich ergeben. Thilo Hierstetter weiß von etwa 1500 gestellten Anträgen, wovon letztlich 650 genehmigt worden seien. "Wir haben hier in der Region aufgrund der Abmessungen im Capitol schon ein Alleinstellungsmerkmal, was Kultur auch rein von der Besucherzahl her, wieder einigermaßen sinnvoll möglich macht." Dies hätte während des letztjährigen Neustarts auch die Kulturwerkstatt der Stadt Sulzbach-Rosenberg erkannt, und einige ihrer Veranstaltungen als Doppel-Termine an jeweils einem Tag im Capitol über die Bühne gehen lassen. Knapp 15 Termine gab es bis zum zweiten Lockdown im Capitol, wobei das Jahresprogramm 2020 natürlich viel inhalts- und abwechslungsreicher gewesen wäre.

„Wir können hier auf Unterstützung bei Fortbildung für unser Personal, wie etwa bei der Nutzung von Social Media oder anderen digitalen Kommunikationsformen und Vertriebs-
möglichkeiten hoffen.“

Ralf Volkert

Ralf Volkert

Für Hierstetter war die Deutsche theatertechnische Gesellschaft zuständig, die im Auftrag des Bundes neben anderen Institutionen das Förderprogramm für pandemiebedingte Investitionen betreut. Sie will den Neustart des kulturellen Lebens in Deutschland erleichtern. Etwas anders sieht es für Buchhändler Ralf Volkert aus, der für seinen Berufszweig auch einen Förderantrag gestellt hat. "Wir können hier auf Unterstützung bei Fortbildung für unser Personal, wie etwa bei der Nutzung von Social Media oder anderen digitalen Kommunikationsformen und Vertriebsmöglichkeiten hoffen", sagt Volkert. Auch diese Hilfen laufen unter dem Programm "Neustart Kultur" und sollen die Buchhandlungen fit für alle Anforderungen des Digital-Zeitalters machen.

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Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Förderungen (Auswahl)

Investive Umbau-, Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen von Kultureinrichtungen, die zur nachhaltigen Reduktion von Ansteckungsgefahren (insbesondere mit dem Coronavirus) beitragen.

  • Einbau von Schutzvorrichtungen.
  • Optimierung der Besuchersteuerung.
  • Anschaffung von Technik und Ausstattung.
Ralf Volkert (rechts) und Thilo Hierstetter setzen auf staatliche Hilfen, um in der Corona-Krise Kultur zu ermöglichen.

 

 

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