22.07.2020 - 15:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neues Buskonzept erfordert Wendeschleife

Das Nahverkehrs-Konzept ist fertig: Jetzt gilt es für die Stadt, planerisch den Weg frei zu machen. Die Hausaufgaben sollten bald erledigt sein, denn bis Sommer 2021 muss die Planung stehen. Sonst schaut die Stadt komplett in die Röhre.

Hier am Bahnhof können derzeit zwei Standardbusse halten. Fürs neue Konzept braucht es aber drei weitere Bussteige, natürlich alle barrierefrei.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es ging um ein neues Stadtbus-Konzept für Sulzbach-Rosenberg: "Nicht überall, wo Bus draufsteht, ist ÖPNV drin!" Hans-Jürgen Haas vom Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach erläuterte in der Stadtratssitzung den öffentlichen Personennahverkehr im Stadtgebiet. So seien etwa Eltern und Schulaufwandsträger (Gemeinden, Landkreise) für die Schülerbeförderung zuständig. Der Schienen-Personenverkehr obliege dem Freistaat.

Konzessionen laufen aus

Es gebe kommerzielle Buslinien, bei denen der Unternehmer über die Route entscheide, im sogenannten "privatisierten Nahverkehr", wie er auf 40 Prozent der Linien im Verbandsgebiet erfolge, und gemeinwirtschaftliche Linien, bei denen Angebot und Qualität definiert und europaweit ausgeschrieben würden.

Das neue Konzept für Sulzbach-Rosenberg würde statt 560 000 Euro Aufwand für die bisher meist unternehmerorgansisierten Linien künftig rund 400 000 Euro mehr pro Jahr kosten. Die Konzessionen aller sieben Stadtbuslinien liefen 2023 aus. "Das Linienbündel Stadtverkehr Sulzbach-Rosenberg soll auf Basis eines neuen, attraktiven und fahrgastorientierten Konzeptes zum 1. Januar 2024 den Betrieb aufnehmen", erklärte Haas, der allerdings auch die bisher mangelnde Kommunikation mit der Stadt kritisierte.

Vorab-Info erforderlich

Wegen der europaweiten Ausschreibung sei aber eine Vorabinformation erforderlich, die in etwa einem Jahr veröffentlicht werden müsse. Dabei seien detaillierte Angaben zu machen. Deswegen sei auch eine im Konzept beschriebene künftige Wendeschleife auf dem ehemaligen BayWa-Gelände unbedingt vorher festzuzurren.

Bürgermeister Michael Göth verwies auf umfangreiche Anträge zum Thema und darauf, dass das Gelände erst im März zur Überplanung freigegeben worden sei. Im nichtöffentlichen Teil gehe es um genau diese Planungsvergabe. Joachim Bender (SPD) forderte deswegen, mit der eingeplanten Wendemöglichkeit sicher den Zeitrahmen der Veröffentlichung einzuhalten.

Neuer erster Knoten

Auf dem alten BayWa-Gelände soll eine Menge entstehen: Parkplätze für Autos, Reisebusse und Räder und nun auch eine Wendeschleife für Busse.

Dem pflichteten einige andere Stadträte bei, die auch an die drei neuen Bussteige erinnerten. Martin Pöllath etwa sah den Bahnhof als künftigen ersten Verkehrsknotenpunkt der Stadt und mahnte, jetzt keine Fehler zu machen, genauso wie Wolfgang Berndt (Linke).

Die angesetzten Kosten zwischen 0,8 und einer Million Euro jährlich würden aus dem Haushalt des Zweckverbandes finanziert, auch durch ÖPNV-Zuweisungen vom Freistaat. Bürgermeister Michael Göth meinte schließlich, man solle nun die Ergebnisse des Planungsbüros abwarten und dann entscheiden. Dies könne im Herbst erfolgen.

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Bessere Taktung und Anschluss an die Schiene

Der Stadtverkehr in Sulzbach-Rosenberg wird neu gestaltet: Die Verbundgesellschaft VGN hat vom Zweckverband Nahverkehr den Auftrag dazu erhalten. In seinem Konzept stellte Jonas Hüsam dem Stadtrat einige Neuerungen vor. Ziel solle zum einen die bessere Anbindung aller Linien an den Bahnhof und damit die Sicherstellung der Abschlüsse nach Nürnberg und Amberg sein, zum anderen aber auch die bessere Anbindung der großen Arbeitgeber. Sinnvolle konzeptionelle Änderungen der Linienwege gehören auch dazu.

Der Stadtverkehr bestehe aus sechs Linien: 421 bis 423, 425 bis 427. Vier verkehrten durchgehend im Stundentakt, zwei nur zu vereinzelten Zeiten. Bei der Linie 421 könne es eine Fahrzeitverkürzung geben zur Sicherstellung Bus-Zug-Verknüpfungen. Geprüft werde ein 30-Minuten-Takt im Wechsel über Obersdorf bzw. Industriestraße/TÜV. Die letzte Fahrt sei gegen 22 Uhr, so dass dann auch Mitarbeiter der Spät-oder Nachtschicht diese Linie nutzen könnten.

Drei neue Bussteige

Die Linie 423 beispielsweise fahre weitestgehend auf dem Verlauf der 425er, dann von Gallmünz kommend direkt in die Stadt und zum Bahnhof, im stunden- oder Halbstunden-Takt. An Wochenenden sollen an Samstagen bis zum frühen Nachmittag ein Busverkehr auf den meisten Linien gefahren werden, im Anschluss und an Sonn- und Feiertagen Bedarfsverkehr im Stundentakt. Zwei Steige gebe es am Bahnhof, Nr. 1 auf der Bürgerpark-Seite biete Haltemöglichkeiten für zwei Standardbusse und könne so bleiben. Nr. 2 mit zwei Plätzen liegt am Bahnhof und ist wie Nr. 1 auch nicht barrierefrei. Hier sei künftig entsprechender Platz für drei weitere Standardbusse nötig. Da Regionalbusse nur kurz halten, wäre auch ein Bussteig direkt am Fahrbahnrand denkbar.

Da neben Schulen die Innenstadt und der Bahnhof die wichtigsten Haltestellen sind, sollen nach dem Neukonzept alle Linien sowohl Bahnhof als auch City bedienen. Dazu ist allerdings eine Wendemöglichkeit am Bahnhof nötig, der aktuelle Platz reiche nicht aus. Geschaffen werden könnte diese im Bereich des ehemaligen BayWa-Geländes, in Kombination mit drei neuen barrierefreien Bussteigen am Bahnhof direkt.

Mit Schiene verknüpfen

Fazit: Die aktuellen Fahrzeiten passen häufig nicht zu den Zug-Abfahrts-oder Ankunftszeiten, was verpasste Züge oder Wartezeiten bedeutet. Im Neukonzept würde dies in den meisten Fällen aber funktionieren. Zwischen 6 und 20 Uhr soll mindestens der Stundentakt eingehalten werden, bei den wichtigsten Linien zur Hauptzeit sogar der Halbstundentakt. Eine mögliche Integration der Nachtschwärmer-Linie soll später ebenfalls erfolgen. Und alle Bussteige des öffentlichen Personennahverkehrs müssen bis spätestens 2022 barrierefrei sein.

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