25.11.2021 - 12:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Passanten begeistert von "Frieda": Verschenke-Schrank neu in Sulzbach-Rosenberg

Wer dieser Tage vom Sulzbach-Rosenberger Bahnhof durch den Park in Richtung Altstadt geht, der begegnet Frieda. Frieda? Nein, sie ist keine Frau, sondern aus Holz gemacht, hat vier Beine, ein buntes Innenleben und – sie schenkt Freude.

Jeder darf sich kostenlos nehmen, was ihm gefällt: Die Sulzbach-Rosenbergerin Nicole Glück füllt den Verschenke-Schrank "Freu dich Frieda" mit gebrauchten Dingen, von denen sich ihre Familie getrennt hat.
von Helga KammProfil

Frieda, ihr richtiger Name lautet eigentlich „Freu dich Frieda“, ist ein Verschenke-Schrank. Die Familie Glück hat ihn am Rande ihres Gartens am Sulzbach-Rosenberger Stadtpark aufgestellt und füllt ihn mit Dingen, die in ihrem Haushalt nicht mehr gebraucht werden. "Hier darf jeder herausnehmen, was er will", erklärt Nicole Glück, "hineinstellen aber dürfen nur wir". Sie und ihre Familie freuen sich, dass Frieda gut ankommt. „Kaum war der Schrank aufgestellt, wurde er schon interessiert betrachtet und auch Dinge herausgenommen.“

Frieda ist neu in Sulzbach-Rosenberg, aber sie hat natürlich eine Vergangenheit. Entstanden ist die Idee zu einem Verschenke-Schrank im Amberger Wagrain-Viertel. Dort lebt Familie Haberberger, und sie hat beschlossen, Dinge, die im Haushalt nicht mehr gebraucht werden, „auszumisten“. Mutter Margit wie auch Tochter Paula Haberberger legen großen Wert auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Sie wollten ihre Erinnerungsstücke, Spielsachen und Gebrauchsgegenstände nicht auf dem Müll sehen. „So kamen wir auf die Idee des Verschenkens“, erinnert sich Paula, die momentan studiert. Der handwerklich geschickte Vater habe aus alten Regalen einen neuen Schrank gebaut, ihn mit Glastüren aus ausrangierten Fenstern versehen und einen hellen, freundlichen Anstrich aufgebracht. Gemeinsam suchten sie nach einem Namen – und kamen auf „Freu dich Frieda“. Heute ist die ganze Familie stolz und glücklich, mit ihrer Idee etwas gegen Verschwendung und für Nachhaltigkeit getan zu haben.

Frieda bleibt sechs Wochen

Frieda ist aus massivem Holz, steht auf vier Beinen, und ist mobil. Deshalb ist sie nicht auf einen einzigen Standort festgelegt. „Unser Plan war von Anfang an, Frieda immer wieder zu verleihen an andere Familien“, erklärt Paula. Nach einigen Wochen im Wagrain zog der Geschenkeschrank um nach Alt-Eglsee, war auch schon in Schnaittenbach und Ammersricht. „Sie bleibt immer etwa sechs Wochen an einem Standort, dann ist zumeist der Haushalt ihrer Gastgeber-Familie bereinigt“, schildert die 19-Jährige ihre bisherige Vorgehensweise.

Nun steht Frieda in Sulzbach-Rosenberg. „Durch eine Ebay-Anzeige sind wir auf den Verschenke-Schrank aufmerksam geworden“, beschreibt Nicole Glück, die Grundschullehrerin, ihre Kontaktaufnahme mit der Familie Haberberger. Doch sofort kam der Schrank nicht. Erst einmal war warten angesagt, denn Frieda ist mittlerweile sehr gefragt bei Familien und in Kindergärten in Stadt und Umland. Sogar bis nach Nürnberg reicht ihr guter Ruf.

Teddybären, CDs und Mützen

Mitte November brachte Paulas Vater Bernhard Trummer den überholten Verschenke-Schrank auf dem Hänger ins Haus am Stadtpark, wo Nicole Glück, ihr Mann Lars Pachmann und die beiden Kinder schon ein kleines Warenlager vorbereitet hatten. Frieda wurde bestückt mit Gläsern und Tassen, mit Teddybären und Märchen-CDs, mit Mützen und Schals, mit schönen Dingen, die zwar benutzt aber gut erhalten sind. Und siehe da: Die ersten Passanten blieben sofort stehen, konnten kaum glauben, dass hier etwas verschenkt würde ohne jede Gegenleistung. „Die Kommentare waren durchwegs positiv“, freut sich Nicole Glück. „Es hieß meistens: eine gute Idee!“ Eine Regel muss dabei aber immer strikt beachtet werden: Nur die zeitweilige Besitzer-Familie darf Frieda bestücken. Schließlich soll Frieda nicht zu einer Gerümpel-Sammlung verkommen oder überfrachtet werden. „Nehmen, aber nicht geben“, lautet hier die Devise, die laut den Glücks von den Passanten bisher auch befolgt wurde.

Andere sollen mitmachen

Die Freude der Beschenkten fällt zurück auf Paula Haberberger und Nicole Glück, die beiden Frauen, die bereits über weitergehende Projekte nachdenken. Mit Geschenke-Schränken oder -regalen in die Schulen zu gehen, könnten sie sich vorstellen, Vereine zu animieren, um damit den Gedanken der Nachhaltigkeit im Bewusstsein vieler Menschen zu vertiefen. „Es ist uns wichtig, dass wir auch andere nachhaltige Aktionen initiieren und unterstützen“, betonen beide. Und einen großen Wunsch haben sie: Dass sich weitere Hobby-Handwerker finden, die eine Frieda bauen, um sie in der Region zu verleihen. „Wir stehen gern bei mit Rat und Hilfe“, verspricht Paula Haberberger, wenn es darum geht, Gutes zu tun und Freude zu schenken. Und Nicole Glück fügt an: „Des einen Trödel ist dem Anderen ein Schatz.“

So ist der Verschenke-Schrank in Amberg entstanden

Amberg

Der Schrank Frieda war auch schon in Schnaittenbach

Schnaittenbach
Die Initiatorin des Verschenke-Schranks, Paula Haberberger (links), hat den Schrank an Nicole Glück in Sulzbach-Rosenberg übergeben. Am Rande des Stadtparks hat er den idealen Standort - bei Spaziergängern kommt er sehr gut an.
Am Rande des Stadtparks in Sulzbach-Rosenberg hat Frieda den idealen Standort im Garten der Familie Glück.
Hintergrund:

Geschenkeschrank – Kontakt und Warteliste

  • Ursprung: Der Geschenke-Schrank "Freu dich Frieda" wird erstmals im Januar 2021 in der Amberger
    Steigerstraße aufgestellt. Initiatoren sind Paula und Margit Haberberger.
  • Der Schrank bleibt meistens sechs Wochen, bis die Familien nichts mehr zu verschenken haben, und zieht dann weiter.
  • "Frieda" war bislang schon an mehreren Standorten in Amberg, Ammersricht, Schnaittenbach
    und ist nun erstmals in Sulzbach-Rosenberg.
  • Für weitere Interessenten gibt es eine Warteliste.

"Hier darf jeder herausnehmen, was er will. Hineinstellen aber dürfen nur wir."

Nicole Glück betreut momentan den Verschenke-Schrank

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