08.09.2020 - 15:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Prost im privaten Biergarten-Museum

Fünf Radfahrer halten an und schauen hinauf auf die Terrasse. Dort lockt scheinbar ein Biergarten. Doch der Hausherr klärt auf: "Das ist das erste Biergarten-Museum Sulzbach-Rosenberg - aber privat!"

Das ist der kleine, idyllische Biergarten auf der Rahm mit Blick auf die Obere Bachgasse – ein Ort der Erholung.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Er hat schon viele Bücher mit Fotos über die Sulzbach-Rosenberger Stadtgeschichte herausgegeben, aber sein neuestes Werk dreht sich ums Brauwesen: Band 1 der dreiteiligen Reihe erscheint in etwa drei Wochen. Und dafür hat Erwin Kraus mächtig recherchiert. "Ich muss mich bei Arbeiten voll auf das Thema konzentrieren, und das geht am besten praktisch" - im Biergarten natürlich.

Beste Kontakte

Nachdem schon eine Wohnzimmerwand mit Bergwerks- und Maxhütten-Relikten gestaltet ist, entstand auf diese Weise also die Idee, auf der Terrasse seines Hauses "Auf der Rahm 4" ein kleines Biergarten-Museum einzurichten. Die Suche nach den Exponaten war für Kraus recht einfach: Er hat beste Kontakte zu den potenziellen Spendern. "Bei einem lagen alte Wirtshausschilder hinterm Haus. Da hab ich nachgefragt: "Ich könnte diese sinnvoll als Andenken von ehemaligen Wirtshäusern in meinem Biergarten-Museum verwenden und dann hat er sie mir geschenkt."

Alte Wirtshausschilder

Da hängen jetzt einige, und es werden noch mehr, die restaurierten Namen bestens bekannter Kneipen an der Wand: "Wally's Inn" (früher Café Reitz) in der Bahnhofstraße, das "Bräustüberl" (früher Cafe Heldrich) in der Bindergasse oder das Originalschild vom "Rosengarten" mit Hinweis zum Biergarten, am Annabergweg. Auch das "Tucher-Depot" in der Bayreuther Straße mit dem "Tucher-Depot-Stüberl" und "Bayerischer Hof" halten das Andenken an alte Brauereien und Wirtshäuser hoch.

Viel Material hat Erwin Kraus von der Frau des ehemaligen Tucher-Depot-Verwalters Fritz Brunner bekommen: In den Kellern, wo er gerne schnüffelt, der ehemaligen Sörgel-Brauerei (1898 bis 1922) in der Bayreuther Straße (anschließend "Tucher-Depot mit Flaschenabfüllanlage) lagerten noch Fässer. Erwin Kraus bekam die begehrten Fassln, jedoch stark restaurierungsbedürftig, und begann seine Arbeit zu Hause "im Boch".

Azapft is!

Er gestaltete die Terrasse als kleinen Biergarten, mit einem echt angezapften Fass in der Ecke. Daraus fließt zwar kein Bier, sondern gefärbtes Wasser, aber das tut der Faszination keinen Abbruch: Schließlich sind Fass und Hahn Original von der Brauerei Sörgel, Tucher Depot und vom "Tucher-Depot-Stüberl". Eiserne Klappstühle, ebenfalls aus der Gastronomie stammend, umrahmen einen Biertisch.

Zweiter Teil in Planung

Natürlich dürfen die echten alten Stein-Masskrüge der einheimischen Brauereien nicht fehlen, und auch viele sonstige alte Gebrauchsgegenstände finden sich im kleinen privaten Biergartenmuseum. Im Zusammenhang mit dem Museum entsteht zusätzlich noch ein "Bierkeller" (etwa sechs Meter im Felsen) mit einer überdachten "Bühne" für Exponate aus alten Bierkellern.

Für Besucher wird es allerdings auch weiterhin nicht geöffnet sein - schließlich soll es der Inspiration und der Entspannung des Buchautors Erwin Kraus dienen. Der Bayerische Löwe "überwacht" das Ganze, damit auch das bayerische Reinheitsgebot eingehalten wird. Und jetzt schenkt sich der "Museumsleiter" eine frische Mass ein. Eine echte, versteht sich.

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Info:

Hintergrund

Eine Bitte hat Erwin Kraus an die Leser: Sollte von den Sulzbacher Bürgern der eine oder andere Gegenstände rund ums Bier daheim versteckt haben, kann er sich melden unter 09661/2906 oder 0151/ 189 04 466, E-Mail erwin.kraus1[at]freenet[dot]de). Gesucht wird auch Material für den zweiten Museumsteil mit Exponaten aus alten Bierkellern.

Echtes Fass, echter Zapfhahn, simuliertes Bier: Der Löwe wacht darüber.
Fast schon historische Wirtshausschilder hat Erwin Kraus gesammelt.
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