16.09.2020 - 13:47 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Raith und Blaimer in Höchstform im Capitol

Fans des Duos Raith & Blaimer wurden in den vergangenen Monaten auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Jetzt endlich konnte das verschobene Konzert im Capitol nachgeholt werden.

Tanja Raith und Andreas Blaimer: Zwei, die zusammengefunden haben.
von Heidi FranitzaProfil

Szenen einer Ehe nennt sich das neue Programm, das Raith & Blaimer im Capitoil spielten. Nun, das ist ein bisserl geflunkert. Zwar dreht sich die musikalische Zeitreise um die 31 Jahre des Zusammenseins der beiden, aber die vorgetragene Geschichte konzentriert sich in erster Linie auf die ersten Jahre des Kennenlernens.

Und so drehte sich das Rad der Erinnerung um rund 31 Jahre zurück nach Regensburg, als der Blaimer nach seinem Studium der Mathematik und Physik in einem kleinen Musikgeschäft direkt gegenüber dem Schloss der Fürstin zu Thurn und Taxis arbeitete. Der Blaimer war als Gitarrist in eine Band mit lauter Jungspunden eingestiegen. Tanja Raith war als Sängerin hinzu gekommen. Die erste gemeinsame Zeit wird von Ablehnung dominiert. Sie können sich partout nicht leider. Zwar funktionieren die gemeinsamen Proben, aber außerhalb dieses musikalischen Arbeitskorsetts finden sich nicht zueinander. Eines Tages nahm sie der Blaimer zu einem seiner Auftritte mit. Das hieß bezeichnenderweise „Bleima oder gemma?“ Trotz einiger nachfolgender Wirrungen war es die Wende der Beziehung. Tanja blieb, erzählten die beiden auf der Bühne.

Ob das Lied „Frauen“ Blaimers ursprüngliche Einstellung zu Frauen widerspiegelte oder letztlich nur eine Aufzählung von Klischees und Vorurteilen war, durften die Zuhörer im Capitol selbst entscheiden. „I steh do wia a Bam“ war die musikalische Hommage an eine starke Frau, die mit ihrer Bühnenpräsenz nicht nur das kleine Capitol einnahm, sondern damit ganze Stadien füllen könnte. Die Raith interpretierte ihre Texte mit dem ganzen Körper, mit einer beispiellosen Mimik, die jedem Wort zusätzlich die passende Betonung in Form von Körpersprache verlieh.

Der Blaimer hingegen zauberte mit seiner Akustikgitarre einen Klangteppich in das ehemalige Kino, als würde ein Quartett in die Saiten greifen. Als seinerzeit in Regensburg wieder einmal Funkstille zwischen ihm und der Raith herrschte, zerfloss er in Selbstmitleid, erzählte er weiter. Das hatte die Geburt einer melancholischen Melodie zur Folge. Aber den wunderschönen Sound zerriss der Blaimer selbst mit seinem fast schon in Dissonanz vorgetragenen Sprechgesang und stellte so seinen Gemütszustand selbst in Frage.

Im Stück „Warmer Regen“ ergänzten sich virtuoses Gitarrenspiel und die unnachahmliche Stimme der Raith zu einer klanglichen Hommage an das Leben. Und beide resümierten. Der Beziehungsblumenstock müsse gepflegt und gegossen und ab und zu auch gedüngt werden. Nur dann werde man eine jahrelange Freude daran haben.

Mit sehr viel Herz und spitzem Humor hatten Tanja Raith und Andreas Blaimer die Zuhörer durch den autobiografischen Liederabend geführt. Vielleicht werden ja die Szenen einer Ehe in einem künftigen Programm noch weitergeführt, verriet der Blaimer am Ende. Eines dürfte allen Gästen an diesem Abend klar geworden sein: Das Abschlusslied des Abends „Frei“ war nicht das Gedankenspiel an ein freies Single-Leben, sondern die Laudatio dafür, dass echte Freiheit auch in Gemeinsamkeit und Zweisamkeit begründet sein kann.

Noch mehr Kabarett im Capitol

Sulzbach-Rosenberg
Tanja Raith verlieh jedem Wort zusätzlich die passende Betonung in Form von Körpersprache.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.