14.08.2018 - 15:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Raubbau oder Zukunftswald?

Viel Holz ist geerntet worden in der Unteren Wagensaß im Breitenbrunner Tal. Das erzürnt einige Leser, einer schickte uns seine Meinung. Die SRZ befragte den zuständigen Forstbetrieb Schnaittenbach. Da sieht man die Sache naturgemäß anders.

Riesige Holzstöße lagern derzeit im Breitenbrunner Tal neben der Forststraße.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Wo das Dorf Breitenbrunn zu Ende ist, wurde nach 50 Metern ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen, weil dort ein Tiefbrunnen die Stadt mit Trinkwasser bester Qualität versorgt. Dies ist nur möglich, weil in diesem Tal ein gesunder Waldbestand von unseren Vorfahren erhalten wurde," schreibt Leo Kurz in einem Brief an die Redaktion. Der Waldboden mit seinen Bodenorganismen und der intensiven Durchwurzelung werde zum besten Wasserspeicher. Im Hochwald würde von den Baumkronen und Wurzeln Regenwasser von Schadstoffen gereinigt und könne deshalb mit hohem Reinheitsgrad als Trinkwasser aufbereitet werden.

Auch schützten die Schatten der Bäume das Wurzelgeflecht, so dass zur Sommerzeit der Waldboden bis 6 Grad kühler und feuchter sei als das Umland. "Damit gibt es in so einem gesunden Wald geringe Brandgefahr." Jeder Wanderer, der die sauerstoffhaltige Luft genieße, schöpfe neue Kraft.

"Wald flachgelegt"

"Wer aber jetzt durch das Breitenbrunner Tal geht, wird feststellen, dass dieser Wald nicht mehr vorhanden ist, eine geschlossene Walddecke gibt es nicht mehr. Mit Maschinen hat der Forstbetrieb den Wald flachgelegt und die Decke total zerstört. Die Sonne kann nun voll den Waldboden austrocknen, dieser wird zu Staub. Nur Büsche und einige dünne Bäume stehen noch im Gelände."

Neben den jetzt mit Schotter verdichteten fünf Meter breiten Forststraßen seien auf etwa zwei Kilometer die abgesägten Bäume gelagert. Zurück bleibe ein toter, zerstörter Wald, in dem man keinen Vogel mehr singen und keinen Specht hämmern höre. Hier sollten die Naturschutzbeauftragten und die Abgeordneten der Grünen einschreiten und dem Forst Einhalt gebieten. "Es muss doch möglich sein, als Auflage eine Wiederaufforstung durchzusetzen. Es könnte zwar unsere und die nächste Generation den Waldfrieden nicht mehr genießen, aber die Heimat würde erhalten."

Viel zu viel bebaut

Das Fazit von Leo Kurz: "In den letzten Jahren wurde bei uns schon viel zu viel Wald gerodet und bebaut. Die versiegelten Flächen tragen dazu bei, dass Hochwasser entsteht. Andere Länder haben das schon erkannt und danach gehandelt." Anscheinend seien in der Oberpfalz diese Erfahrungen noch nicht bekannt. "Ich bin der Meinung, studierte Förster wissen dies und sehen nur den Gewinn, der sich aus dem Raubbau des Waldes ergibt, den unsere Vorfahren umweltgerecht und heimatverbunden behandelt haben." Heute gehe es vermutlich nur noch um den Gewinn und nach dem Motto: "Nach uns die Sintflut."

Forstbetrieb Schnaittenbach nimmt Stellung:

Klaus Bichlmaier, stellvertretender Betriebsleiter des Forstbetriebs Schnaittenbach, lässt die Vorwürfe nicht auf dem Staatsforst sitzen: „Zunächst sehen wir das Interesse an der Waldbewirtschaftung positiv. Aber wer seine Meinung abgibt, muss Fakten und Hintergründe kennen.“ Herr Kurz irre mit seiner Annahme, dass Wasser durch einen Wald gereinigt werde; vielmehr filtere er Schadstoffe aus der Luft aus und kumuliere diese auf der Fläche. Wohl aber stelle Wald in normalen Jahren einen wirkungsvollen Wasserspeicher und verlässlichen -spender dar. „In einem Jahr wie heuer verschärft er die Wasserknappheit durch eigenen Verbrauch zusätzlich.“

Dass aufgrund geringerer Temperaturen die Brandgefahr geringer sei, „ist leider eine fatale Fehleinschätzung: Die Waldbrandgefährdung hängt nicht von der aktuellen Temperatur, sondern von der jeweils herrschenden Trockenheit ab.“ So könne auch im Winter höchste Waldbrandgefahr herrschen. „Ja, wer durch das Breitenbrunner Tal wandert, kann sehen, dass sich der Wald dort verändert hat“, erläutert Bichlmaier: „Der vormals dichte, alte Fichten-Kiefern-Wald, in dem sich in Jahrzehnten natürlich und durch Pflanzungen eine laubholzreiche Mischwaldgeneration eingestellt hat, wurde durch Entnahme vor allem der Fichte aufgelockert.“ Damit solle sich unter dem Schutz des lichten Kiefernschirms ein standortgerechter, klimaresistenter und somit stabiler Mischwald entwickeln, der seine Funktionen erfüllt.

„Es war genau Ziel dieser Fällaktion, dass künftig Licht, Wasser und Wärme zum Boden gelangen können, um der Verjüngung Vorschub zu leisten. Baumfällungen mit Maschinen sind mittlerweile Standard.“ Zudem würden immer wieder Waldarbeiter bei Fällarbeiten tödlich verletzt – „von verletzten Harvesterfahrern habe ich noch nie gehört.“ Die Schotterstraßen bestünden schon viele Jahrzehnte genau zum Hauptzweck, zur Holzabfuhr. „Dass sie jedem zu Erholungszwecken zur Verfügung stehen, wird leider immer noch als Selbstverständlichkeit angesehen.“ Auch einem anderen Vorwurf widersprach der Forstbeamte: „Die Behauptung, dass wir Raubbau im Wald betreiben, können wir anhand vieler Zahlen widerlegen. So ist der Holzvorrat in den letzten zehn Jahren im Forstbetrieb Schnaittenbach um 17 Kubikmeter pro Hektar gestiegen, obwohl wir dort jährlich rund 130 000 Kubikmeter eingeschlagen haben.“ Dass Förster das nutzen, was die Alten „angebaut“ haben, liege bei den langen Produktionsräumen in der Natur der Sache. „Aber irgendwann nutzen wir das Erbe, bevor es durch Fäule Schaden nimmt, so wie jeder, der Obst erntet, bevor alles verfault.“

Was Kurz den Vorfahren als umweltgerecht und heimatverbunden zuschreibt, reklamiert Bichlmaier für die Staatsforsten: Die heutige Umwelt erfordere einen anderen, nämlich gemischten, artenreichen Wald. In einem gibt er dem Leser Recht: „In den letzten Jahren wurde zu viel Wald gerodet und bebaut. Die versiegelten Flächen tragen dazu bei, dass bei Regen oder Schneeschmelze Hochwasser entsteht.“ Das werde noch Probleme bereiten.

Sogenannte Rückegassen ermöglichen dem Harvester, den Wald schonend zu befahren. Natürlich sieht man noch überall die Spuren und die Holzreste.

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