30.10.2020 - 14:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rückzug kommt für Bergknappenverein Sulzbach-Rosenberg nicht infrage

Den traditionsreichen Hüttenverein Glückauf und den MH-Pensionistenbund gibt es nicht mehr. Wie sieht es bei den Bergknappen aus, dem letzten der drei großen Montanvereine in Sulzbach-Rosenberg?

2017 entstand dieses Gruppenbild der Sulzbach-Rosenberger Knappen während des Bayerischen Bergmannstags in Berchtesgaden.

Von Rolf Wypior

Schon lange hat sich der Bergknappenverein für Nicht-Bergleute geöffnet. Entsteht da vielleicht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft? Wie trifft die Coronakrise den Verein, wie passt er sich der aktuellen Lage an? Spannende Fragen an den Vorsitzenden Armin Kraus.

ONETZ: Herr Kraus, wenn man zurückblickt auf die glanzvolle Vergangenheit des Bergknappenvereins mit Mitgliederzahlen von weit über tausend und das vergleicht mit der Gegenwart: Packt Sie da nicht die Angst, dass es Ihnen so geht wie dem Hüttenverein, der sich trotz seiner Größe auflösen musste?

Armin Kraus: Hätte ich diese Einstellung, dann würde ich mich gar nicht für den Verein und seine Ziele engagieren. Ich wusste ja, dass wir nicht an die Erfolge der aktiven Bergbauzeit anknüpfen können. Gerade deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, das in Jahrhunderten gewachsene Brauchtum in Erinnerung zu halten. Denn Bergleute sind anders, durch ihren Beruf und das daraus entstandene Gefühl einer Schicksalgemeinschaft. Und wir haben immerhin 174 einsatzfreudige Mitglieder. Darunter sind immer noch über 80, die selbst eingefahren sind, das sind unsere Zeitzeugen. Dazu konnten wir 90 Nichtbergleute gewinnen.

ONETZ: Entsteht daraus nicht so etwas wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Armin Kraus: Im Gegenteil, die ehemals aktiven Bergleute freuen sich, dass es weitergeht, dass sich Leute finden, um das überkommene Erbe so weit wie möglich in die Zukunft zu tragen.

ONETZ: Was ist mit der Coronakrise, trifft die Sie hart?

Armin Kraus: Die Pandemie und ihre Auswirkungen verfolgen wir natürlich sehr aufmerksam, nicht zuletzt, weil wir altersbedingt viele Risikopatienten in unseren Reihen haben. Wenn man Abstände einhalten muss, wegen der Übertragung von Aerosolen nicht singen oder musizieren darf, dann gehen Dinge wie Geburtstagsständchen, Gratulation bei Jubelhochzeiten oder Begleitung zur letzten Grubenfahrt nur in abgewandelter Form. Leider gilt das auch für den höchsten Feiertag der Bergleute. Oder können Sie sich eine Barbarafeier ohne das Absingen des Steigerlieds vorstellen?

Armin Kraus.

ONETZ: Und was ist mit dem Stollenfest am Schaustollen bei der Villa Max?

Armin Kraus: Das haben wir bis 2014 in Eigenregie betrieben, inzwischen machen unsere Kameraden vom Stiber-Fähnlein das - mit ebenso viel Erolg, und ganz sicher wieder im nächsten Jahr.

ONETZ: Das sieht jetzt aber nicht nach einem Rückzug auf Raten aus?

Armin Kraus: Ganz im Gegenteil, die Zusammenarbeit mit dem Stiber-Fähnlein und mit Patenvereinen wie den Bergknappen in Auerbach und Königstein ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Deutlich wird das unter anderem bei den Fahrten zu Europäischen, Deutschen und Bayerischen Bergmannstagen und -treffen. Das sind immer wieder Höhepunkte des Jahresprogramms. Und nicht nur bei Veranstaltungen dieser Art sind wir präsent, sondern auch bei feierlichen Anlässen der Stadt oder des Landkreises tragen wir mit unserer Tracht und unserem Auftreten zum Gesamtbild bei.

ONETZ: Das kann man sicher als Zeichen dafür werten, dass der Bergknappenverein nach wie vor als Bewahrer des bergmännischen Brauchtums hoch geschätzt wird?

Armin Kraus: Das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir wissen es zu würdigen, dass Stadt und Landkreis und darüber hinaus viele einheimische Firmen und Institutionen den Knappenverein und seine Vorhaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen. Darüber hinaus kann jeder zur Traditionspflege beitragen: Schon für einen Beitrag von 10 Euro monatlich kann jeder bei uns Fördermitglied werden. Gemeinsam wollen wir nicht nur die Vergangenheit verwalten, sondern auch die Zukunft gestalten.

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