04.07.2021 - 09:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sanierte Realschule in Sulzbach: Atrium neues Herz der Schule

An der Walter-Höllerer-Realschule geht der erste Bauabschnitt der 30-Millionen-Generalsanierung in Betrieb. Was sich für Schüler und Lehrer in dem neuen Prunkstück ändert und warum das Klimatisierungssystem besonders intelligent ist.

Hier lernt es sich gleich leichter: Eine neue und bunte Fassade umhüllt den sanierten Bestandsbau. Am Dach befindet sich ein ausgeklügeltes Lüftungssystem.
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"Guten Tag, liebes Glück", intonierte das Musiktrio von einem der Balkone herab, und unten im Innenhof der generalsanierten Walter-Höllerer-Realschule (WHR) in Sulzbach-Rosenberg stand ein strahlender Schulleiter vor den Gästen und verkündete die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes – wenngleich auch der eigentliche, offizielle Festakt noch folgen wird.

"Das Atrium bildet den zentralen Platz der WHR, für uns künftig das Herzstück", freute sich Realschuldirektor Martin Zimmermann. Es stehe repräsentativ für die außergewöhnliche Gestaltung der Schule, mit der das Büro Coplan und besonders Architekt Michael Harlander eindrucksvoll ein ansprechendes, pädagogisch wertvolles Konzept vorgelegt hätten.

30 Jahre altes Versprechen

Damit, so Zimmermann, löse Landrat Richard Reisinger übrigens ein Versprechen ein, das sein Vor-Vor-Gänger Altlandrat Hans Wagner seinem Vor-Vor-Vor-Gänger Rektor Walter Schraml gegeben habe.

Der Neubau des 1970 bezogenen Hauptgebäudes habe seinerzeit rund vier Millionen D-Mark gekostet, jetzt liege die Gesamtplanung der Sanierung samt neuer Turnhalle bei rund 30 Millionen Euro. Zimmermann dankte dafür, dass er als Schulleiter bei der Gestaltung in dem Team des Gebäudemanagements und der Planer mitgestalten durfte: "Nur mit Reden macht man es aus!", ergänzte der Rektor.

"Das Atrium im Bestandsgebäude mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und die hellen, transparenten Räume und Flächen laden ein zur pädagogischen Nutzung, auch mit den integrierten Lernlandschaften."

Ein großes Fest kündigte Landrat Richard Reisinger bei dieser "operativen Inbetriebnahme" der 24 Klassenzimmer an, sobald auch der 2. Bauabschnitt abgeschlossen sei. Dann könnten nach und nach die bisherigen Schulcontainer abgebaut und an ihrem neuen Bestimmungsort installiert werden. Auch der Landkreis-Chef war sichtlich stolz auf die gelungene Neugestaltung des Hauptgebäudes des Walter-Höllerer-Realschule und erinnerte daran, wie um die Überdachung des Innenhofes förmlich gerungen wurde. "Jetzt ist er das Herz- und Glanzstück der Schule."

Schadstoffe und Baumängel

Eine große Herausforderung hatten die Planer zu bewältigen, gestand Coplan-Architekt Michael Harlander. Jede Menge Baumängel, Schadstoffe, alte Strukturen wies das betagte, 50 Jahre alte Hauptgebäude auf, ganz zu schweigen von der Brandschutz-Situation. Aber das Ziel, eine neue Schule in den alten Baukörper zu integrieren, sei gelungen. Harlander dankte nicht nur dem Rektor, sondern auch Hausmeister Manfred Gansler und dem gesamten Team für die perfekte Zusammenarbeit. Er übergab zum Ende des 1. Bauabschnittes symbolisch den Schlüssel an Zimmermann und Reisinger.

Die religiöse Wandskulptur, die den Innenhof schmückt, segneten Kaplan Lucas Lobmeier und Pfarrer Roland Kurz, bevor sich danach alle ins neue Gästebuch eintrugen.

Folienkissen wie bei Allianz-Arena

Zu den technischen Daten lieferte das Gebäudemanagement des Landkreises noch einige Daten: Der Innenhof hat etwa eine Abmessung von 18 mal 19 Metern - für ein freitragendes transparentes Dach eine durchaus große Fläche, die üblicherweise massive Bauteile erfordere. Statische Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass keine zusätzlichen Lasten auf die Wände gebracht werden dürften. Man habe daher eine besonders leichte Konstruktion gewählt: ein Folienkissendach, ähnlich der Allianz-Arena in München.

Die Haut des Daches bestehe aus Folienkissen, die mittels Luftdruck so vorgespannt seien, dass daraus eine räumliche Struktur mit jeweils etwa 2,5 Metern entstehe. Getragen würden die aneinandergereihten Folienkissen von sechs bogenförmigen Stahlbindern.

Natürlich biete ein transparentes Dach aufgrund der guten Belichtung eine hohe Aufenthaltsqualität für den Ganztagesbereich. Andererseits müsse aber eine zu große Erwärmung im Sommer vermieden werden, also das Entstehen einer Gewächshausatmosphäre. Da eine konventionelle elektrische Klimaanlage nicht den Nachhaltigkeitsstandards entspreche, musste ein anderer Weg gefunden werden. Dieser setze sich aus mehreren Lösungen zusammen.

Intelligente Klimatisierung

Zuerst müsse verhindert werden, dass im Sommer überhaupt allzu viel Wärme ins Gebäude gelangt. Dafür hat das Folienkissendach eine integrierte Möglichkeit zur Verschattung. Diese erfolgt über eine dritte, mittlere Folie im Folienkissen. Als nächstes gehe es darum, Wärme wieder aus dem Gebäude zu leiten. Dafür gebe es an den verglasten Giebelflächen des Daches Öffnungsflügel und eine mechanische Lüftungsanlage. Beides sorge für ausreichenden Luftwechsel und die Möglichkeit einer Nachtauskühlung. Für zusätzliche Behaglichkeit sorge die Fußbodenheizung, die, angeschlossen an eine Wärmepumpe, im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden könne. Die Begrünung diene dem Raumklima, aber auch der Akustik. Allein für das Dach waren 530 000 Euro fällig.

Der Ganztagesbereich habe jetzt eine besonders ansprechende Umgebung. Der dreigeschossige Innenhof sammele viel Tageslicht ein und bietet mit Begrünung und Sitzbereichen eine Umgebung, in der ganzjährig und witterungsunabhängig das Gefühl entstehe, unter freiem Himmel zu sein. Der Abbruch der bestehenden Dreifach-Sporthalle erfolgte bereits von März bis Juni diesen Jahres und war der Beginn des 2. Bauabschnittes.

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So verläuft die Realschulsanierung für 30 Millionen Euro

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Überblick: Realschule Sanierung (Werte in Euro)

  • Bestandsbau von 1968, erstmals saniert Ende 1980er, Anbau von 2005
  • Sanierung Altbau: 13,9 Mio. Euro
  • Container-Provisorium/Auslagerung: 1,2 Mio.
  • Neubau Dreifach-Sporthalle: 7,75 Mio.
  • Außenanlagen mit Sportanlagen: 2,3 Mio.
  • Nebenkosten: 4,85 Mio.
  • Gesamtkosten: 30 Mio.
  • Kosten 1. Bauabschnitt: 20 Mio.
  • 2. Bauabschnitt (Sporthalle): 10 Mio. Euro
  • Förderung FAG-Mittel für die Gesamtmaßnahme: 12,675 Mio.
Hintergrund:

Terminplan Generalsanierung

  • Seit 2016: Planung, Genehmigungs- und Förderverfahren
  • Februar 2019: Umzug Schule in Container
  • März 2019: Baubeginn Sanierung Schule
  • März 2021: Beginn Abbruch alte Sporthalle
  • Juni 2021: Inbetriebnahme der Schule, Baubeginn neue Sporthalle
  • Frühjahr 2023: Fertigstellung Sporthalle
  • Sommer 2023: Sanierung Außensportanlagen

 

 

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