25.11.2021 - 15:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer referiert im Beruflichen Schulzentrum

Mit bunten Masken folgten die Schüler den Erzählungen von Michael Buschheuer.
von Wolfgang LorenzProfil

"Steht einmal alle auf", bat Michael Buschheuer von Space-Eye. "Auch wenn Sitzenbleiben gemütlicher ist, sind doch schnell die Ersten aufgestanden. Einer machte den Anfang", ermunterte der Referent, "und damit beginnt etwas." Das Berufsschulzentrum Sulzbach-Rosenberg schmückt sich schon eine Weile mit dem Titel "Schule mit Courage, Schule ohne Rassismus" und die Religionslehrer der beteiligten vier Klassen, Simon Hambeck und Wolfi Lorenz wollen mit verschiedenen Aktionen diesen wichtigen Wert auch lebendig erhalten, heißt es in einer Presseinfo der Schule. Bei der Begrüßung in der Aula betonte Schulleiterin Sabine Fersch, dass es uns immer wieder bewusst sein sollte, welches Glück wir hier heute haben, in Deutschland zu leben. "Es ist gerade auch in diesen schwierigen Zeiten wichtig, den Blick auch wieder auf die Probleme in unserer Welt zu richten."

Der Niederbayer Michael Buschheuer stellte sich den jungen Leuten vor: Nach seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer hatte er mit Flucht und Integration zunächst einmal nichts zu tun. Doch gerade die Situation in den vergangenen Jahren führte bei ihm zu einem klaren Umdenken, Buschheuer stand auf, setzte auch etwas in Bewegung und gründete die Seenotrettungsgesellschaften Sea-Eye (2017) und Space-Eye (2019).

Nun werde die Welt immer komplexer und der Mensch begebe sich auf die Suche nach möglichst einfachen Lösungen. Doch die grausame Lage bei der Flucht zu Europas Außengrenzen, der Tod vieler Menschen auf dem Meer, die niemals gefunden werden, führte bei Buschheuer zu dem Entschluss, dass hier geholfen werden muss: "Diese dramatische Situation hat mich eingeholt."

Bei der ersten Fahrt war Buschheuer sogar dabei und erinnerte, dass die neue Organisation die 7000 Euro Kosten für die Werft gerade noch zahlen, aber nicht in See stechen konnte, weil kein Geld zum Tanken mehr da war. Doch dann kam Bewegung in die Sache; "der erste Schritt war getan" und mittlerweile könne sich die Organisation durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzieren.

"Jeder von uns war schon irgendwie einmal Migrant", betonte der Redner und füllte seine These mit zahlreichen Alltagssituationen. "Sind alle, die heute hier sind und nicht aus Sulzbach-Rosenberg stammen, vielleicht auch Migranten? Sogenannte Bildungsmigranten?" Migration habe das Leben schon immer beeinflusst, betonte der 44-Jährige, und den jeweiligen Kulturen auch viel mitgegeben. Dabei erinnerte er unter anderem an die Baukunst oder das Wirken der Römer und weitere positive Effekte der Migration.

Leider sind wir beim Wertethema "gemeinsam solidarisch handeln" ziemlich schlecht aufgestellt, bedauerte Buschheuer. Die aktuelle Situation sei eine Süd-Nord-Migration, von Südamerika nach Amerika, von Afrika nach Europa. Viele Menschen auf der Welt müssten eine totale Perspektivlosigkeit ertragen und auch weitere Faktoren wie der Klimawandel oder Krieg führten dazu, dass Menschen fliehen müssten, die allermeisten davon beispielsweise aus Syrien in ihr Nachbarland. "Türen müssen aufgemacht werden, wenn die Not groß ist", erinnerte Buschheuer an die Genfer Konvention. Europa möchte sich den Anstrich geben, humanitär zu sein, aber man will keinesfalls mehr Menschen nach Europa lassen, als unbedingt nötig. Tausende von Menschen seien in den letzten Jahren im Mittelmeer ertrunken, die Schleuserbanden überfüllen ihre Schlauchboote mit viel zu vielen Menschen und Länder in Europa vermitteln dabei das Gefühl, "sie ertrinken zu lassen", kritisierte der Redner. Buschheuer ermunterte die Schüler, sich persönlich zu engagieren, gemeinsam stark zu sein. "Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die sich bewegen", motivierte der Referent; "die aufstehen und den ersten Schritt gehen."

Der Gründer von Sea-Eye und Space-Eye, Michael Buschheuer, referierte über seine Erfahrungen.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.