25.12.2020 - 09:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Seinem Glück auf die Sprünge helfen

Gerade zwischen Weihnachten und Dreikönigstag mach(t)en sich die Oberpfälzer Gedanken um die Zukunft

von Externer BeitragProfil

Dieses Jahr mit all seinen Herausforderungen ist bald vorbei. Was wird mir das kommende Jahr bringen? Es ist eine bange Frage und ein jeder Mensch erhofft sich Glück. Der eine sehnt sich nach Liebe oder Reichtum, für den anderen ist die Gesundheit das größte Glück. Ein langes Leben, großes Ansehen und Macht gehören ebenso mit zu den Wünschen. Da hilft auch manch Oberpfälzer gerne mit Glücksbringern nach, denn sie sollen magische Kräfte besitzen und Böses bannen können. Bis heute vertrauen viele auf ihre Wirkung.

Glücksbringer von Heiligabend bis zum Dreikönigstag

- Äpfel und Nüsse am Heiligen Abend: Die Alten häuften etwas Mehl auf dem Fensterbrett auf. War es am nächsten Morgen zerstoben, sagte dies den Tod für das nächste Jahr voraus. Schlaumeier netzten das Mehl mit Wasser an, um somit seine Form zu erhalten. Wird am Heiligen Abend ein Apfel geteilt, zeigten die Kerne, ob man im kommenden Jahr gesund bleibt. War das Kernhaus wie ein Stern geformt, bedeutete das Glück und Segen. Da eine Nuss mit schwarzem Kern den Tod im nächsten Jahr voraussagte, verzehrte man meist nur noch geschälte Nüsse.

- Heu für die Heilige Familie: Besonders bei Kindern war es beliebt, Heu für den Esel der Heiligen Familie vor das Tor zu legen. Die Belohnung ist Glück für Haus und Hof.

- Liebesorakel in den Losnächten: Es liegt in der Natur des Menschen, dass er sein Schicksal schon vorher kennen will. Orakel erlauben den Blick in die Zukunft. In den Losnächten von Weihnachten bis Dreikönig wird in die Anderswelt hineingehorcht, „gelust“ (hören, horchen, hinhorchen). Liebesorakel waren vor allem bei den jungen Mädchen beliebt. Sie schälten einen Apfel und warfen die Schale über den Kopf auf den Boden. Der Buchstabe, den man erkennen konnte, besagte den Zukünftigen. Ein weiteres Heiratsorakel war das „Bettbredtreten“. Die Mädchen traten auf ihre Bettstatt und sagten: „Bettbred, i tritt di, lass mir erscheinen den Herzliebsten mein!“ Wer um Mitternacht nackig und rückwärts die Stube wischte, sah den künftigen Hochzeiter unter dem Tisch.

- Barbarazweig verrät Hochzeiter: Uralt ist der Brauch der Barbarazweige. Unverheiratete Mädchen holten sie ins Haus und wiesen jedem Zweig einen Verehrer zu. Der Zweig mit der ersten Blüte verriet den künftigen Hochzeiter.

- „Khanneswein“ wehrt Zauber ab: Gesegneter Johanniswein, „Khanneswein“, am 27. Dezember, wehrt Gift und bösen Zauber ab und bringt Glück und Gesundheit.

- Keine Wäsche aufhängen: Weder in der Heiligen Nacht noch über den Jahreswechsel durfte Wäsche aufgehängt werden, denn das hieß Unglück und Tod.

- Silvester eine Luke für das Glück: In der Silvesternacht werden böse Geister mit viel Lärm vertrieben. Man benutzte dazu Rasseln, Peitschen und Dreschflegel. Später waren es Pauken, Trompeten und Kirchenglocken – Böller und Feuerwerk folgten. Damit das alte Jahr und böse Geister ausgesperrt sind, werden in der letzten Nacht alle Türen geschlossen und nur eine kleine Luke bleibt für das Glück offen.

- Fischschuppe an Neujahr: Traditionell gibt es in vielen Haushalten der Oberpfalz den Silvesterkarpfen. Fischschuppen erinnern an Geldstücke und sollen für Reichtum sorgen. An Neujahr wird deshalb die Fischschuppe in den Geldbeutel gelegt, damit sie das ganze Jahr über die Geldstücke vermehrt.

- Räuchern für Segen und Glück: Ein wichtiger Brauch ist das Räuchern. Früher räucherte man in allen Raunächten für Segen und Glück und um Dämonen zu vertreiben. Heute kennt man dieses Ritual vor allem an Heiligdreikönig mit Weihrauch und Teilen des Kräuterbuschens. Dazu wird Weihwasser gesprengt. Schlag Mitternacht fegt dann der Dreikönigswind alles Unheil aus dem Haus und macht Platz für das Glück im neuen Jahr.

Ganzjährige Glücksbringer

- Ein vierblättriges Kleeblatt ist sehr selten. Auf Reisen schützt es vor Unglück. Die Legende besagt, Eva hat diese Pflanze als Andenken aus dem Paradies mitgenommen. Es gilt als ein Stück vom Paradies.

- Reichtum symbolisiert der Glückspfennig. Niemals möge das Geld ausgehen. Früher nagelte man den Glückspfennig oder -groschen an die Tür.

- Christlichen Ursprung hat der Marienkäfer. Er ist der Himmelsbote der Jungfrau Maria, beschützt Kinder und heilt Kranke. Man darf ihn nicht abschütteln oder töten, dies würde Unglück anziehen.

- Jedermann bekannt als Glücksbringer ist der Fliegenpilz. Zwar giftig, wurde er aber mit seinem auffallenden Aussehen schon immer mit Zauberei in Verbindung gebracht.

- Da von jeher das Pferd für Kraft, Stärke, edel und wertvoll steht, gelten auch seine Hufeisen als Glücksbringer. Die Freude ist groß, wenn man ein Hufeisen zufällig findet. Es beschützt Haus und Hof und verwehrt Fremden und Geistern den Zugang.

- „Schwein haben“ ist auch in unserer Zeit eine gängige Redensart und bedeutet „Glück haben“. Das Glücksschwein symbolisiert den Eber aus der wilden Jagd. Den Altvorderen war es ein heiliges Tier und Zeichen für Wohlstand und Reichtum. An Silvester gibt es die Nachbildung aus Marzipan.

- Schlotfeger sind für viele Menschen Zeichen des Glücks. Der verstopfte Kamin war zu allen Zeiten eine große Brandgefahr. Welch ein Glück, wenn er gereinigt wurde damit kein Feuer entstehen konnte. Einen Schlotfeger zu berühren oder wenigstens einen Knopf seiner Jacke anzufassen bringt dem Aberglauben nach viel Glück.

- Vielen immergrünen Pflanzen wurde Zauberkraft nachgesagt. Es sind uralte antidämonische Abwehrpflanzen und sollen vor Teufel, Hexen und Geistern schützen. Als Zauberpflanzen galten Buchs, Stechpalme und Ilex. Auch die Mistel mit den weißen Winterbeeren ist von jeher ein Glücksbringer, vor allem wenn sie über der Tür hängt und man sich darunter küsst.

- Magische Kräuter gab es für buchstäblich alle Lebenslagen: Donnerwurz und Königskerze schützen das Haus vor Blitzschlag. Amulette aus Silberdistelwurzeln, Teufelsabbiss oder Pfingstrosensamen sollten den Menschen zu Glück und Reichtum, Liebe und Vitalität verhelfen. Die Alraune mit ihren menschenähnlich aussehenden Wurzeln galt schon in der Antike als sagenumwobener Glücksbringer und Liebespflanze schlechthin. Beifußwurzeln vertreiben Mutlosigkeit und Depression. Eine Beifußräucherung hilft bei Entscheidungen und Veränderungen und verleiht der Seele Licht und Kraft. Wer ein Stück der Engelwurz bei sich trug, war beliebt und siegte bei allen Wettkämpfen. Der Holunder ist seit alters her Schutzbaum des Hauses und häuslichen Friedens und bewahrte vor bösen Kräften, Blitz, Feuer und Krankheit.

Die Autorin ist Kreisheimatpflegerin des Landkreises Amberg-Sulzbach, ein Spezialgebiet von ihr sind Oberpfälzer Bräuche.

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