Sulzbach-Rosenberg
03.10.2026 - 17:14 Uhr
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Seit 70 Jahren sorgt die Städtische Sing- und Musikschule für den guten Ton in Sulzbach-Rosenberg

Ein Orchester nur aus Querflöten, Klavier zu 60 Händen oder Ferien-Kunstschule und kreativer Kindertanz: Auch mit 70 Jahren gehört die Städtische Sing- und Musikschule (SMS) längst noch nicht zum alten Musikschul-Eisen. Ganz im Gegenteil.

Bunt, vielfältig, innovativ und engagiert: Die Städtische Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg feiert 70. Geburtstag. Bild: Farid Martin/Stadt Sulzbach-Rosenberg
Bunt, vielfältig, innovativ und engagiert: Die Städtische Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg feiert 70. Geburtstag.

Von Anke Schäfer

Was heute mit weit über 50 Kursangeboten zum hervorragenden Ruf der Städtischen Sing- und Musikschule (SMS) beiträgt, hat einst deutlich kleiner begonnen: Als am 15. Oktober 1956 der Startschuss für Oswald Heimbucher und seine Idee einer Städtischen Singschule fiel, lag der Fokus auf Singklassen, Geigen- und Blockflötenunterricht. 1968 trug die Namensänderung in Städtische Sing- und Musikschule dem sich ständig erweiternden Angebot, etwa um Musikalische Früherziehung, Rechnung. Mit reger Konzertpräsenz sowie Schallplattenaufnahmen mauserten sich Chor und Kammerorchester zum Aushängeschild. Auf den Gründer Oswald folgte 1985 Hans Kopp als Schulleiter, in dessen Amtszeit auch die Gründung des damals wie heute unverzichtbaren Fördervereins fiel.

Sieben Jahre später übernahm Friedrich-Koh Dolge das Ruder. „An meine Zeit als Leiter der SMS denke ich mit großer Verbundenheit zurück“, sagt er. „Ich habe die Musikschule und insbesondere ihr Team als lebendig, ideenreich, innovativ und den Menschen zugewandt erlebt. Die Kolleginnen und Kollegen haben musikalische Bildung mit hoher fachlicher Qualität gestaltet und dadurch im Besonderen das kulturelle Leben der Stadt bereichert.“

Prominente Absolventen

Aus seiner heutigen Sicht als Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen liege gerade darin die Bedeutung und Stärke der SMS: „Im ländlichen Raum eröffnet eine öffentliche Musikschule Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Wege zur Musik, und sie ist zugleich ein Ort, an dem Menschen einander begegnen und Kultur gemeinsam gestalten können. In gesellschaftlich herausfordernden Zeiten ist die ästhetisch-kulturelle Bildung, vor allem der Kinder und Jugendlichen, von unschätzbarem Wert“.

Auch für so manche Profi-Karriere diente die SMS als Sprungbrett. Michael Karg etwa brillierte dort schon als Pianist, wechselte zum Kontrabass und verstärkt seit 2014 die Berliner Philharmoniker als festes Mitglied. Joachim Pfannschmidt, stellvertretender Solohornist im Staatsorchester Kassel, erinnerte seine ersten musikalischen Schritte an der SMS vor drei Jahren gegenüber Oberpfalz-Medien: „Ich habe dort spielerisch Noten gelernt. Blockflöte und ein wunderbarer Kinderchor, in dem ich mitgesungen habe, haben den Spaß an der Musik sehr gefördert“.

Und auch die vielfach ausgezeichnete Komponistin Katrin Klose hat „sehr schöne Erinnerungen“: „Hier hatte ich 13 Jahre lang Geigenunterricht bei Richard Hubert, bei dem ich eine fundierte Ausbildung am Instrument erhalten habe. Außerdem durfte ich jahrelang im Orchester spielen, was mir immer viel Spaß gemacht hat und wovon ich bis jetzt profitiere – fürs Musikmachen und Schreiben.“

Stellenwert fürs Leben

Den diversen räumlichen Provisorien bereitete der ehemalige Bürgermeister Gerd Geismann 1993 mit der Ansiedlung im Sulzbacher Schloss ein Ende. Dort übernahm 2001 Wolfgang Niebling die Leitung und siedelte zwei Jahre später den Sitz des Regionalausschusses „Jugend musiziert“ Oberpfalz Mitte/Nord an. Auf Johannes Mühldorfer (2005 bis 2008) folgte der aktuelle Schulleiter Steffen Weber.

Als bisheriges Highlight seiner Ära erinnert er an die Konzerttournee mit Chor, Orchester und Solisten nach St. Petersburg/Russland im Jahr 2010. Deutlich weniger gern denkt er an die Zeit der Pandemie zurück, auch wenn es ihm und seinem Team damals gelang, stets Kontakt zu den Schülern zu halten.

Dass der eingeschlagene Weg mit völlig anderem Niveau und Spektrum als bei Musikvereinen der richtige ist, beweisen ihm unter anderem all die Ehemaligen, die gerne zurückkommen: „Das zeigt den Stellenwert der SMS fürs Leben“, sagt er. Natürlich profitiert auch die Stadt von der engagierten Arbeit im Schloss – in Form von Schulkooperationen, musikalischen Umrahmungen, Musicalproduktionen, den Sulzbacher Hof-Musik-Tagen oder Sulzbacher Gitarrentagen, um nur einige zu nennen.

Einzigartiges Klavierprojekt

Beständige Innovation zählt zu den Schlüsseln des Erfolges. Mit dem 2019 hier gegründeten und beheimateten Querflötenorchester der Oberpfalz verfügt die SMS über ein bayernweit einzigartiges Musikensemble. Noch seltener in der Musikschullandschaft findet sich ein Klavierprojekt, wie es die stellvertretende Schulleiterin Lisa Milyukova etabliert hat: 30 Klavierschüler vom Anfänger bis zum Könner erarbeiten in Workshops Stücke, die mit zu 60 Händen an zwei bis neun Klavieren gespielt werden. Präsentiert wird das Ergebnis beispielsweise im C.-Bechstein-Centrum Nürnberg.

Aktuell werden an der SMS 1100 Schülerinnen und Schüler, überwiegend aus dem Stadtgebiet, aber auch aus dem gesamten Landkreis, von 22 Lehrkräften unterrichtet. Darunter eine steigende Zahl an Erwachsenen. Der Blick im Schloss geht zudem über den musikalischen Tellerrand hinaus, wie etwa die erfolgreiche Ferien-Kunstschule beweist. Diesen Zweig ins reguläre Schuljahresprogramm integrieren zu können, wäre einer von Webers Wünschen für die Zukunft. Genauso wie das Angebot „kreativer Kindertanz“, das man aktuell als Workshop testet und im Idealfall im zweiten Schulhalbjahr als Fach übernimmt. Jetzt aber liegt der Fokus erst einmal auf dem 70-jährigen Jubiläum. Gründe für die Festwoche vom 11. bis 17. Oktober gibt es mehr als genug.

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