02.01.2019 - 16:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Shelter Now hilft von Rosenberg aus im Nordirak

Hunger, Kälte, Entbehrungen: Die Helferteams der internationalen Hilfsorganisation Shelter Now wissen ein Lied davon zu singen: In den Flüchtlingslagern im Nordirak fehlt es am Nötigsten. Der Rosenberger Georg Taubmann organisiert Hilfe.

Sinnvolle Alternative zum Opiumanbau, der nur die afghanischen Warlords und Drogenbarone reich macht: Safran, das neue Gold der Afghanen. Wie hier auf Feldern bei Herat, floriert die Erzeugung des kostbaren Gewürzes dank Shelter-Unterstützung bereits hervorragend.
von Autor RLÖProfil

Daher arbeitet Shelter Now seit einigen Jahren schwerpunktmäßig in dieser Region, wie uns der Leiter des Hilfswerks, der Sulzbach-Rosenberger Georg Taubmann, bei einem Weihnachtskurzbesuch in seiner Heimatstadt berichtete: "Krieg, IS, Völkermord an Jesiden, Flüchtlinge - diese Wörter verbinden wir gewöhnlich mit Nachrichten aus dem Irak, die fast tagtäglich über unsere Fernsehbildschirme flimmern. Eines unserer aktuellen Ziele ist es, denen zu helfen, die am schlimmsten gelitten haben: den Jesiden. Die meisten unserer Projekte richten sich an 93 Jesidenfamilien aus den Sindschar-Bergen, die vor den IS-Terroristen geflüchtet sind."

Dies ist jetzt schon vier Jahre her, aber bis heute befinden sich die Betroffenen in einer verzweifelten Lage, so Taubmann weiter. Etliche fürchten Unterdrückung und Verfolgung sogar in den großen offiziellen Flüchtlingslagern und siedeln sich daher in kleinen Gruppen hier und da an. Dort erhalten sie jedoch keine Unterstützung der UN-Organisationen.

Diesen bedürftigen Menschen konnte Shelter auch heuer unter anderem bei ihrem Trinkwasserproblem helfen. "Wir haben", so Georg Taubmann im SRZ-Gespräch, "an jede Familie sehr effektive Wasserfilter verteilt. So haben sie jetzt sauberes Trinkwasser. Außerdem wurden Lebensmittel wie Mehl, Öl, Reis und weitere Nahrungsmittel verteilt, dazu warme Winterkleidung, auch lebende Gänse und Hühner zur Zucht. Den Kindern haben wir den Schulbesuch inzwischen für ein zweites Schuljahr finanziert."

Shelter-Hilfsprojekte wie diese Aktionen in den kriegsgeschüttelten Regionen Kurdistans, des Irak und Afghanistans werden organisatorisch betreut und gesteuert vom Shelter-Now-Büro im Haus Am Steg in Rosenberg. Hier laufen bei den Mitarbeitern Karin Geih und Dieter Drexler die Drähte aus allen Weltregionen zusammen, in denen das christliche Hilfswerk tätig ist. Georg Taubmann und seine Frau Marianne sind einen Großteil des Jahres direkt vor Ort in den Krisengebieten und helfen persönlich in Flüchtlingslagern und Notunterkünften, Elend zu lindern.

Für die Jesiden-Familien ist auch vier Jahre nach ihrer Flucht vor den Terrormilizen der Leidensweg nicht zu Ende: Sie können noch nicht in ihre Heimat zurückkehren, weil sie dort sofort wieder der gnadenlosen Verfolgung ausgesetzt wären. Georg Taubmann: "Jetzt, in den Tagen und Wochen um den Jahreswechsel, wollen wir ihnen einen großen Wunsch erfüllen und besonders die Kinder versorgen. 39 betroffene Kinder sind unter 4 Jahren alt. Wir wollen jetzt gemeinsam dazu beitragen, dass die Kinder frisches Obst von Weihnachten bis in den Sommer bekommen."

Im August 2018 jährte sich im Irak der fürchterliche IS-Angriff gegen die Jesiden zum vierten Mal. Niemand weiß genau, wie viele umgebracht wurden, aber in der Sindschar-Region wurden bis jetzt 69 Massengräber entdeckt. Über die Hälfte der halben Million Jesiden im Irak musste fliehen. 360 000 verließen ihre Heimat, über 2000 Kinder verloren ihre Eltern, 6417 wurden entführt, die meisten Mädchen und Frauen. Familien von 3000 Verschleppten warten auf Lebenszeichen ihrer Angehörigen.

"Obwohl die Jesiden ihre Heimat als heiligen Boden betrachten, können sie noch nicht in die vom IS befreiten Dörfer zurück", weiß Taubmann. "Dafür gibt es mehrere Gründe - hauptsächlich das Sicherheitsrisiko wegen der andauernden Konflikte zwischen Milizen und Streitkräften." Wegen des IS-Terrors leben die Geflüchteten lieber in Zelten, obwohl die Sommertemperaturen hier 50 Grad erreichen und die Zelte im Winter mit Schnee bedeckt sind.

Wie bei allen Hilfsmaßnahmen, die Shelter Now nun schon seit fast 40 Jahren in diesen Ländern durchführt, ist die Organisation immer auf Hilfe durch Spenden aus Europa und der westlichen Welt angewiesen. Georg Taubmann und sein Team haben sich zum Ziel gesetzt, für die aktuelle Jesiden-Aktion mindesten 20 000 Euro zu sammeln. "So können unsere Leute vor Ort den Notleidenden frisches Obst zukommen lassen. Und wenn mehr zusammenkommt, wird es in die weitere Jesidenhilfe fließen."

Jeder kann durch Spenden dazu beitragen, die ärgste Nöte in diesen Krisengebieten zu lindern. Jeder Beitrag, und sei er noch so klein, ist hilfreich und kann einbezahlt werden auf das Spendenkonto: Shelter Now Germany e.V., Braunschweigische Landessparkasse, SWIFT-BIC: NOLADE2HXXX, IBAN: DE65 2505 0000 0002 5230 58.

Auch auf Heimaturlaub wie jetzt zu Weihnachten ist Georg Taubmann über das internationale Shelter-Büro in Rosenberg immer mit seinen Helfern in den Krisenregionen in Kontakt.
Einer der aktuellen Hilfs-Schwerpunkte: Sauberes Trinkwasser für die Menschen in den Flüchtlingslagern. Einfach, aber genial konstruierte Filtersysteme im Trinkflaschen-Format sorgen für reines Wasser. Georg Taubmann hilft selber mit bei der Verteilung.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.