13.08.2019 - 16:27 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Spuren eines Kaisers

Karl IV. hat Sulzbach und der Region seinen Stempel aufgedrückt. Noch heute erinnert viel an ihn. Die Stadt ist einst "getreues Glied der Krone Böhmens" und politisches Zentrum.

Karl IV. machte sich verdient um die Stadt. An mindestens 89 Tagen stellte er auf der Burg Sulzbach Urkunden aus, der damit die Funktion eines königlichen Sitzes zukam.
von Rainer ChristophProfil

Der böhmische König und römische Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg steht für umfangreiche Privilegien für die Orte entlang der Goldenen Straße. Verschiedene Anordnungen des Herrschers, die als Urkunden in Archiven gehütet werden, bildeten die Grundlagen für den zum Teil noch heute sichtbaren Wohlstand. Ganz deutlich ist das in Sulzbach-Rosenberg zu sehen.

Erwähnenswert sind hier vor allem die Privilegien für den Erzbergbau in den Jahren 1349 und 1354. Zudem durften die Kaufleute der Stadt mit allen Reichsstädten zollfrei Handel treiben. Dieser Aufschwung brachte Wohlstand, der sich unter anderem in der Ausdehnung der Stadt um das Bühlviertel, die Neustadt oder das Bachviertel widerspiegelt. Das vielbeachtete gotische Rathaus oder die Erweiterung und schließlich der Neubau der Marienkirche gehören ebenfalls zu diesen Folgeerscheinungen.

Sulzbach war bereits im 9. Jahrhundert eines der politischen Zentren des "baierischen" Nordgaus. Die heutige Stadt entwickelte sich aus der frühmittelalterlichen Vorburg und spätmittelalterlichen Stadterweiterungen. Als Karl IV. 1349 Anna, die Tochter des Wittelsbacher Pfalzgrafen Rudolf, am Rhein heiratete, erlangte Sulzbach zwischen 1353 und 1373 als Hauptstadt Neuböhmens erneut große Bedeutung. Als Verwalter setzte Karl IV. zunächst Hanyk von Knoblauchtorf ein. Danach kam sein treuer Gefolgsmann, der Burghauptmann Busek, von der Burg Velhardice am Rande des Böhmerwaldes. Ihm folgte ein Borso von Riesenburg (Boresch z Rýzmburka in Nordböhmen), der dann nach Auerbach wechselte. Der Stadt kam im Früh- und Hochmittelalter erneut ihre verkehrsgünstige Lage am alten Handelsweg der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag zugute. Sulzbach war auch in den Geleitwechsel eingebunden. Hinzu kamen die reichen Bodenschätze der Eisenerze.

Gewinnbringend

Karl IV. machte sich verdient um die Stadt. An mindestens 89 Tagen stellte er auf der Burg Sulzbach Urkunden aus, der damit die Funktion eines königlichen Sitzes zukam. Das damalige Stadtsiegel mit einem Stadttor, zwei Türmen und dem böhmischen Löwen trug die Aufschrift "Sulzbach ist ein getreues Glied der Krone Böhmens". Karl IV. ließ einen Kirchenneubau errichten und die Burg ausbauen. Er bereicherte das Spital und förderte den Bergbau. Die 20-jährige Herrschaft Karls IV. entpuppte sich für die Stadt als äußerst gewinnbringend. Er machte Sulzbach zum Verwaltungszentrum des "Keisers Herschaft zu Beyrn" und verlieh Sulzbach zahlreiche Privilegien.

So durften die Sulzbacher Bürger nun im gesamten Landgericht nach Erz schürfen. Die Kaufleute wurden vom Zoll in den Reichsstädten befreit. Die städtischen Urkunden dokumentieren diese Rechte. Folge dieser Wirtschaftspolitik war ein starkes Anwachsen der Einwohner und Erweiterungen der Stadtviertel. Der wachsende Wohlstand ermöglichte rund 100 Jahre später den Bau des repräsentativen Rathauses.

Böhmischer Löwe

An der Außenwand des alten Gasthofs "Zur Krone" in Sulzbach, in dem der Böhmenkönig genächtigt haben soll, ist der silberne böhmische Löwe neben zwei weiteren Wappen mit Adlern, die Wappentiere Schlesiens und Mährens, heute noch zu sehen. Die Burg konnte Karl IV. angeblich nicht nutzen, da sie durch einen Brand beschädigt war. Die Schlossanlage, in der jetzt das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach untergebracht ist, erhielt ihre heutige Form gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch die Wittelsbacher. Im gotischen Rathaussaal der Stadt zeigt ein Fresko den Einzug Karl IV. in die Stadt. Am Haus in dem Jan Hus 1414 auf seiner Reise nach Konstanz übernachtete, ist eine Gedenktafel angebracht.

An der Außenfassade der katholischen Pfarrkirche erinnert eine lebensgroße Skulptur des böhmischen Nationalpatrons St. Wenzel an die Verbindung zu Böhmen. Viele sehen in der Statur die Gesichtszüge Karls IV. Die Figur am südöstlichen Strebepfeiler der Kirche blickt in Richtung Rathaus. "Dieses Standbild ist eine der bedeutendsten Oberpfälzer Steinplastiken der Hochgotik und erinnert an prominenter Marktplatzstelle an internationale Bezüge der örtlichen Kunst-, Kirchen- und Kulturgeschichte", erklärt Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer.

Die Stadtpfarrkirche St. Marien hat für ihn überregionale Bedeutung. Sie begründe sich "insbesondere auf kirchenhistorische Aspekte, die in der geistigen und kulturellen sowie politischen Entwicklung Deutschlands und Europas eine höchst originelle Rolle gespielt hätten. Dies überrage die rein kunsthistorischen Fakten, von denen "zweifellos einige Elemente teils überregionalen, teils auch noch höheren Rang" einnähmen. Spätestens unter den Grafen von Sulzbach entstand ein romanischer Vorgängerbau von St. Marien. Dieser ist mit einem römischen Ablassbrief des Jahres 1300 als Pfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau" urkundlich gesichert.

Zusammen mit zwei Sakralbauten im Schlossareal nebenan, dem an die Pfarrkirche grenzenden Schulzentrum sowie den Pfarrhäusern und kirchlichen Funktionsgebäuden und der nur wenige Meter entfernten Christuskirche bilde St. Marien ein im deutschen Sprachraum in dieser Form einmaliges Sakral-Zentrum von hoher historischer Bedeutung, so Lommer. Verschiedene Untersuchungen würden dies belegen. Er verweist auf den städtebaulich zentralen, ortsbildprägenden Baukörper an der Nordostflanke des Marktplatzes. Dieser sei nicht nur überaus bedeutend, sondern spiele eine teils überregional, teils national herausragende Rolle, der in einigen wichtigen Teilaspekten auch internationale Bedeutung beigemessen werden könne.

Zentralkirche St. Marien

Eine ganz entscheidende Phase für die Entwicklung des Gotteshauses war laut Lommer der Beginn des gotischen Neubaus, der direkt auf Kaiser Karl IV. zurückgehe. Er hatte 1353 bis 1373 Sulzbach zum reichsunmittelbaren Hauptort des von ihm geschaffenen "Neuböhmen" gemacht. Damit wurde St. Marien zum zweiten Mal Zentralkirche eines eigenen Territoriums. Im Jahr 1355 übersandte Karl Reliquien - mit einem im Pfarrarchiv dokumentierten Begleitbrief, der als Initialzündung für diese Baumaßnahme gilt. Sie kamen aus Pilsen. Dabei handelte es sich um einen Knochensplitter des Kopfes von Johannes des Täufers und ein Fingerglied des Heiligen Burkhard. Diese wurden jedoch vom protestantischen Pfalzgrafen Ottheinrich für ein Fuder Wein verkauft.

Der Hauptaltar, mit einem zweieinhalb Meter breiten und vier Meter hohen Altarblatt der Himmelfahrt Mariens, ist das letzte nachweisbare und großformatigste Werk des Malers Hans Georg Asam, Vater der berühmten Brüder Cosmas und Egid Quirin Asam, die viel in Böhmen wirkten. Im Sommer 1710 zog Asam nach Sulzbach, wo er für Herzog Theodor arbeitete. Am 5. März 1711 verstarb Hans Georg Asam in Sulzbach. In der Spitalkirche Sulzbachs gibt es ein weiteres Bild, das ein Gemeinschaftswerk von Vater Hans Georg und Sohn Cosmas zu sein scheint. Begraben ist Hans Georg Asam neben der St.-Leonards-Kapelle. 1808 wurde sein Grab unwissentlich zerstört. Seine Witwe und Sohn Egid lebten noch einige Zeit in Sulzbach.

Sulzbach besitzt neben dem Wappentier am Markthaus eine weitere Verbindung nach Niederschlesien (im heutigen Polen). Durch Niederschlesien führte von Prag über Nachod in Nordböhmen die Fortsetzung der Goldenen Straße über Glatz nach Breslau/Wroclaw. Im Juni 1753 fand die Grundsteinlegung für ein Salesianerinnen-Kloster statt. Stifterin war Eleonore Philippine, die Schwester der Königin von Sardinien, die in Sulzbach als Witwe lebte. Ihr Mann war ein Sulzbacher Herzog.

Herrliches Portal

Für das Kloster und die Kirche erbat die Stifterin als Patronin die Heilige Hedwig von Schlesien aus dem Geschlecht der Andechser Grafen. Sie war an deren Festtag (16. Oktober) geboren und getauft worden. Das herrliche Portal der Klosterkirche mit zwei Säulen trägt das Doppelwappen "Pfalz Sulzbach" und "Hessen Rheinfels". Das Hochaltarbild zeigt die Hl. Hedwig vor dem Kreuz. Die Verbindung zu Böhmen demonstrieren sechs große, dekorative Gemälde (1730) aus dem Leben des böhmischen Nationalheiligen Johannes von Nepomuk. Im Rahmen der Säkularisation wurde das Kloster 1809 aufgelöst.

So sehr Karl IV. die Stadt förderte - die Mark Brandenburg zu erwerben, war ihm am Ende wichtiger. Im Tauschverfahren gab er viele seiner neuböhmischen Besitzungen wieder ab, darunter auch Sulzbach. Mit dem Vertrag von Fürstenwalde am 18. August 1373 erhielt der bisherige Kurfürst der Mark Brandenburg, der Wittelsbacher Otto V., auch "der Faule" genannt, von Karl IV. gegen eine Entschädigung von 500 000 Gulden einige Schlösser und Städte in der Oberpfalz, darunter auch Sulzbach. Otto verzichtete auf alle Herrschaftsrechte über die Mark Brandenburg zugunsten der Luxemburger. Damit endete in Sulzbach die böhmische Zeit, Hauptstadt mit allen Rechten Sulzbachs wurde die Stadt Auerbach.

An der Außenfassade der katholischen Pfarrkirche erinnert eine lebensgroße Skulptur des böhmischen Nationalpatrons St. Wenzel an die Verbindung zu Böhmen.
Der Hauptaltar in St. Marien ist das letzte nachweisbare und großformatigste Werk des Malers Hans Georg Asam.
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