04.06.2020 - 10:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stadtbibliothek wird 50, aber Luise Eckert geht ohne Party

Zwangspause statt Jubiläumsfeier: Im 50. Jahr ihres Bestehens ist für die Stadtbibliothek Sulzbach-Rosenberg manches anders gekommen als geplant. Auf die Treue und den Zuspruch ihrer Nutzer kann sich die Institution aber verlassen.

Luise Eckert hat ihre Visionen für die Stadtbibliothek umgesetzt. Nur mit dem Jubiläumsfest im Juli wird es nun nicht mehr klappen.
von Anke SchäferProfil

Mit einem Kabarett-Abend, eingebunden in die Knorr-von-Rosenroth-Festspiele, hätte der 50. Geburtstag der Stadtbibliothek gefeiert werden sollen. Für Bibliotheksleiterin Luise Eckert wäre es zugleich der festlich-fröhliche Ausklang ihres Berufslebens geworden. Stattdessen musste sie sich den Herausforderungen der Corona-Zwangspause und der Wiedereröffnung unter Schutz- und Hygienebedingungen stellen. Ein Interview.

ONETZ: Frau Eckert, die Stadtbibliothek wird 50 und kann nun nicht wie geplant feiern. Wie tief sitzt die Enttäuschung?

Luise Eckert: Sehr schade finde ich, dass ausgerechnet das 50-jährige Jubiläum wegen Corona ausfallen muss. Gern hätte ich diesen Tag mit der Stadt Sulzbach-Rosenberg im Rahmen der Knorr-von-Rosenroth-Festspiele gefeiert. Ein abwechslungsreiches Programm war bereits geplant und organisiert.

ONETZ: Für Sie persönlich wäre das geplante Fest mit Kabarett im Schlosshof ja auch ein besonderer Höhepunkt im letzten Jahr als Leiterin der Stadtbibliothek gewesen. Stimmt Sie dieser Aspekt zusätzlich traurig?

Luise Eckert: Allerdings, es wäre ein schöner Abschluss für mein gesamtes Arbeitsleben, insbesondere für meine Tätigkeit als Bibliotheksleiterin gewesen. Mit dem Kabarettisten Ludger Kusenberg aus Nordrhein-Westfalen hatte ich bereits persönlichen Kontakt geknüpft. Enttäuscht bin ich auch für ihn, dass sein Abendprogramm „Was gestern über das heute wusste - Uralte Schriften entlarven unsere Gegenwart“ nicht wie geplant stattfinden kann.

ONETZ: Stehen Jubiläums-Alternativen zur Debatte oder ließ der vor kurzem erfolgte Neustart des Bibliothek-Betriebs gar keine Zeit für solche Überlegungen?

Luise Eckert: Mein Wunsch wäre, das Jubiläum nächstes Jahr nachzuholen. Diese Entscheidung jedoch obliegt meiner Nachfolge. Als Alternative kann man im Jubiläumsjahr während der Öffnungszeiten in den Bibliotheksräumen eine Ausstellung besichtigen: Ein halbes Jahrhundert Geschichte der Stadtbibliothek im Spiegel der Presse.

ONETZ: Wie haben Sie und Ihre MitarbeiterInnen die mehrwöchige Corona-Zwangsschließung überstanden?

Luise Eckert: Die Schließung war zwar zu erwarten und dennoch kam sie für uns überraschend am 16. März während des laufenden Betriebs. Die Zwangspause nutzten wir, um zahlreiche neue Medien zu ordern und ausleihfertig zu bearbeiten. Parallel dazu bereiteten wir uns auf die Wiedereröffnung vor. Bei der Umsetzung des Schutz- und Hygienekonzeptes konnten wir auf die Unterstützung durch die Stadtverwaltung, den städtischen Bauhof und das Institut für Gesundheit zählen. Zu unser aller Erleichterung nahmen wir den Bibliotheksbetrieb am 19. Mai wieder auf.

ONETZ: Aus Ihrer Einschätzung: Haben viele Präsenz-Nutzer einfach auf die online-Angebote der Bibliothek umgesattelt oder haben Sie auch Hilferufe erreicht?

Luise Eckert: Anfangs erreichten uns sehr viele Anrufe, aus denen hervorging, dass man den „Treffpunkt Bibliothek“ und den persönlichen Kontakt doch sehr vermisst. Die Onleihe24 Ostbayern, ein Verbund mit insgesamt 10 Bibliotheken aus der Oberpfalz und Niederbayern, verzeichnete eine Zunahme der Ausleihzahlen um mehr als 50 Prozent. Es wurden zusätzlich e-Medien bereitgestellt, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Der Freegal Music Service wurde auf 24-Stunden-Streaming pro Tag und Nutzer erweitert.

ONETZ: Was haben Sie in den Wochen der Zwangspause am meisten vermisst?

Luise Eckert: Am meisten vermisst habe ich wohl den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden und Kooperationspartnern. Die intensive Zusammenarbeit im Rahmen der Leseförderung mit Kindergärten, Schulen und den ehrenamtlichen Vorlesepaten fiel komplett weg. Auch fehlte mir die Interaktion mit meinem Bibliotheksteam. An die plötzliche Stille musste ich mich erst gewöhnen.

ONETZ: Worüber haben Sie sich besonders gefreut, als nun endlich wieder die Türen im Schloss geöffnet waren?

Luise Eckert: Besonders gefreut hat mich, dass unsere Benutzer in dieser schweren Zeit Verständnis für die Schließung hatten und ihrer Bibliothek treu geblieben sind. Ich bin auch dankbar dafür, dass der Betrieb, der momentan nur eingeschränkt möglich ist, so reibungslos läuft und die Leser große Disziplin an den Tag legen.

ONETZ: Gibt es etwas, das Sie auf der Zielgeraden als Leiterin der Stadtbibliothek unbedingt noch umsetzen wollen?

Luise Eckert: In nun fast 14 Jahren meiner Tätigkeit hatte ich das große Glück, meine Vision einer modernen öffentlichen Bibliothek in die Tat umsetzen zu können. Dafür danke ich all meinen Unterstützern herzlich. Ich bin am Ziel meiner Wünsche, die Bibliothek betreffend, angelangt. Daher übergebe ich ein gut bestelltes Haus an meine Nachfolge. Die Arbeit hat mir viel bedeutet und mich auch glücklich gemacht. So blicke ich mit Zufriedenheit zurück. Ich wünsche der neuen Leitung viel Erfolg.

Aktuelle Entwicklungen in der Sing- und Musikschule, die mit der Bibliothek im Schloss residiert

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