13.07.2020 - 17:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit Stadtpass am gesellschaftlichen Leben teilnehmen

Die Corona-Pandemie macht die Einführung eines Stadtpasses noch dringender. Diese Auffassung vertritt zumindest die Wählergruppe SURO2030. Sie will auch Bürgern mit niedrigem Einkommens die Teilnahme am städtischen Leben ermöglichen.

Stefan Dietl und Elke Wolfsteiner setzen sich für die Einführung eines Stadtpasses ein, der Geringverdienern zugute kommen soll.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Covid-19 habe die Bürger nicht alle im gleichen Ausmaß betroffen. Ungleich härter hätten die Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Virus angeordnet werden mussten, die sozial und finanziell benachteiligten Menschen getroffen, informierten Elke Wolfsteiner und Stefan Dietl beim Pressegespräch. Die beiden Vertreter von SURO2030 sind im Arbeitskreis Soziales engagiert und arbeiten daran, die Teilhabe für benachteiligte Bürger in Sulzbach-Rosenberg zu verbessern.

„Bei den Familien, die Hartz IV und andere Sozialleistungen bezogen haben, ist nicht nur das kostenlose Essen der Kinder in den Schulen und Kitas weggefallen, auch die Preiserhöhungen für frische Lebensmittel sind deutlich mehr spürbar, wenn man pro Erwachsenem 5 Euro am Tag für die Ernährung ausgeben kann, bei den Kindern noch weniger“, so Wolfsteiner.

Jobs weggefallen

Als erstes weggefallen seien auch die „prekären“ Beschäftigungsverhältnisse, z. B. der 450-Euro-Job in der Gastronomie, auch die Leiharbeiter standen ohne Job da. „Und wo es zu Kurzarbeit kam, ist das Kurzarbeitergeld das aus dem Niedriglohn berechnet wird bedauerlich niedrig“, sagt Stefan Dietl.

Elke Wolfsteiner, die beruflich in der Beratungsstelle der Kirchlich Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie arbeitet, betont aber: „Während des Lockdown hat den von Armut betroffenen Menschen vor allem die soziale Teilhabe gefehlt. Andere Menschen treffen, andere Kinder treffen, die Freizeit miteinander verbringen und damit den oft belasteten Familienverhältnissen für ein paar Stunden entfliehen können, das war das Schlimmste für unsere Leute, dass das nicht mehr möglich war.“

Ermäßigungen bündeln

Hier setze nun der Stadtpass an, der es Familien und Einzelpersonen ermögliche, zu einem ermäßigten Preis städtische Einrichtungen zu nutzen, wenn sie Sozialleistungen bezögen. Die Wählergruppe SURO 2030 fordere den Stadtpass – der alle bisher bestehenden städtischen Ermäßigungen bündeln und den Zugang vereinfachen solle – nun noch dringender, machen die Arbeitskreis-Vertreter deutlich. Deshalb sei nun im Stadtrat Antrag auf Einführung des Stadtpasses gestellt worden.

Kleine Karte genügt

Häufige Gegenargumente seien: ... "aber es gibt doch schon Ermäßigungen" oder die Frage ... "wer weiß, was das wieder kostet? Die Ermäßigungen würden bislang sehr wenig genutzt. So sei zum Beispiel im Moment die Regelung dass an der Kasse - z.B. im Waldbad - der Nachweis der Bedürftigkeit durch Vorlegen des Hartz-IV-Bescheides nachgewiesen wird. "Das ist den Klienten oft zu peinlich", merkt Elke Wolfsteiner an. Daher werde gar nicht ins Bad gegangen. Gäbe es hingegen eine kleine Karte im Scheckformat - wie bei den gängigen Schülerausweisen bzw. Behindertenausweisen würde das Angebot sicher eher genutzt, so die Auffassung der Sozialpädagogin.

"Die Frage nach den Kosten hält sich ebenfalls im Rahmen. Weil die städtischen Einrichtungen mehr frequentiert werden erhofft man sich sogar mehr Einnahmen. Ein halber Eintritt ist besser als gar keiner", meint Stefan Dietl.

In Schwandorf gebe es den SAD-Pass seit 20 Jahren, in Amberg den Familienpass seit ein paar Jahren. Deshalb sei es wünschenswert, das Erfolgsmodell auch in Sulzbach-Rosenberg einzuführen und - in die Zukunft gedacht hoffentlich auch auf den Landkreis auszuweiten.

Weiterer Artikel zum Stadtpass

Sulzbach-Rosenberg

Neben den städtischen Angeboten wie Schwimmbad, Stadtbibliothek oder Museen sollten nach Auffassung der AK-Vertreter auch die Vereine am Ort angesprochen werden, die häufig auch schon Ermäßigungen anbieten. In Amberg sei es sogar möglich, mit dem Stadtpass für 4 Euro ins Kino zu gehen, in Schwandorf ist der öffentliche Nahverkehr mit im Boot. "Aber jetzt muss der Stadtpass zunächst die erste Hürde nehmen und vom Stadtrat befürwortet werden", so Wolfsteiner und Dietl.

Hintergrund:

Empfängerkreis der Vergünstigungen

"Im Landkreis Amberg-Sulzbach gab es im vergangenen Jahr im Schnitt 1128 Haushalte die ALG II - also Hartz IV bezogen haben. Auch die Familien, die Wohngeld beziehen, sollen mit in den Kreis der Berechtigten aufgenommen werden", sagt Elke Wolfsteiner. Der Empfängerkreis der Vergünstigungen sei dann wie im staatlichen Bildungs- und Teilhabeprogramm definiert. Das betreffe in der Stadt Sulzbach-Rosenberg im Moment etwa 110 Haushalte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.