01.07.2020 - 17:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Storg-Pläne stoßen sauer auf: Hotelbetreiber stoppen am Ort sämtliche Investitionen

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Ruhig sollen ihre Gäste schlafen, selbst bekommen die lokalen Hoteliers momentan aber fast kein Auge zu. Ihnen machen die Pläne der Rinkenburger Objektbau zu schaffen, die im alten Storg ein Hotel mit 120 Betten etablieren will.

Für sie sollen sich die Übernachtungszahlen auch noch in den kommenden Jahren positiv entwickeln: Christine Lotter (Zum Bartl), Nicolas Luber, Birgit Luber (Zum Wulfen), Hermine Sperber (Brauereigasthof Sperber), Achim und Renate Kiel (Bayerischer Hof) sowie Michael Sperber (Brauereigasthof Sperber).
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ihre Reaktion ließ zunächst auf sich warten, aber seit dem Spätherbst reiften bei den örtlichen Hoteliers Überlegungen zu den Rinkenburger-Plänen. Mit dem Lockdown nahmen ihre Sorgen nach eigenen Angaben dann zusätzlich Fahrt auf. Jetzt haben sich Renate Kiel (Bayerischer Hof), Michael Sperber (Brauereigasthof Sperber), Nicolas Luber (Gasthof Wulfen), Christine Lotter (Zum Bartl) und Michael Heldrich (Am Forsthof) zur Interessengemeinschaft (IG) „Rettet die Hotelgasthöfe in SuRo“ zusammengeschlossen.

Eigene Berechnungen

Hauptbefürchtung sei die enorme Bettenzahl von etwa 120, die das Hotel im Storg anbieten könne. Nach den eigens angestellten Berechnungen aus ihren Betrieben und öffentlichen Informationen kommen die fünf Hoteliersfamilien auf ein Angebot von insgesamt rund 170 Betten, was theoretisch pro Jahr 60 000 Übernachtungen möglich machen würde. Errechnet hat die IG aber verkaufte Übernachtungen in Höhe 22 000 (2017), 23 000 (2018) und 21 200 (2019).

Was denkt
man sich eigentlich, wenn unsere Existenzen bedroht sind?

Achim Kiel

„Daraus ersehen wir eine existenzbedrohende Situation, denn der Storg-Hotelbetreiber kann bereits alleine etwa 50 000 Übernachtungen anbieten. Hätte er nur 50 Prozent Auslastung, wäre er immer noch bei rund 25 000, was ungefähr unserem gesamten Angebot gleichkommt“, macht Achim Kiel beim Pressegespräch deutlich. Damit fiele der gesamte Kuchen, den sich normaler Weise - bei selbst ermittelter rückläufiger Tendenz – die fünf Hotelbetreiber in der Herzogstadt teilen, nur an einen Anbieter.

Luft bei der Auslastung

Auch auf die Auslastung ihrer Betriebe ging die IG ohne Nennung der Zahlen für den jeweils einzelnen Betrieb ein. Sie kommt hier in den letzten drei Jahre auf etwa 40 Prozent. Hier wäre also nach Ansicht der Sulzbach-Rosenberger Beherbergungsbetriebe auch noch Luft nach oben. „Die Stadt sagt, das während der Hauptfeste nie genug Betten zur Verfügung stehen. Nach unserer Erkenntnis machen die Feste aber nicht einmal zehn Prozent des Kalenderjahres aus“, ergänzt Achim Kiel. Wie die Runde weiter mitteilte, hätte sie ihre Anliegen auch im nichtöffentlichen Teil einer Stadtratssitzung vortragen dürfen, seien dabei aber auf wenig Verständnis gestoßen. „Hilfreich wäre es gewesen, wenn die Stadt im Vorfeld mit den Wirten Alternativen geprüft hätte, anstatt die Storg-Immobilie insgesamt an einen Investor zu verkaufen, der dort ein großes Hotel realisieren will“, merkte Michael Sperber an.

Eintrübung durch Corona

Arg gebeutelt sieht die IG ihre Branche auch durch die Corona-Pandemie, was mitunter die aktuellen persönlichen Aussichten noch weiter eintrübt. Wünschenswert wäre für sie auch mehr Austausch mit der Stadt, die bei Bedarf als Moderator bei einem Gespräch mit der Rinkenburger Objektbau GmbH aus Dillingen wirken könnte. Hilfreich sei dabei nach Auffassung der lokalen Hoteliers ein Austausch der Marktzahlen, um das angedachte Projekt besser beleuchten bzw. die eigenen Häuser eventuell darauf ausrichten zu können.

Die Mitglieder der IG sehen sich nicht als Störenfriede, wollen mit ihrem Anliegen ernst genommen werden und hoffen auf Daten gestützte Zahlen. "Allgemeine Aussagen der Touristiker klingen vielleicht schön, hellen aber unsere Stimmung nicht auf. Was denkt man sich eigentlich, wenn unsere Existenzen bedroht sind?", wirft Achim Kiel als Frage auf. Und Christine Lotter ergänzt, dass sie jetzt kurz nach Übernahme des elterlichen Betriebs mit sehr gemischten Gefühlen in die Zukunft blicke.

Falsche Entwicklung

An anderer Stelle verweisen die Gastronomen auch auf das Projekt „Drei Höfe““ in der Nachbarstadt Amberg, wo 200 Hotelbetten entstehen sollen. „Bei diesem enormen Angebot ist es uns schon ein Rätsel, wie Herr Rinkenburger hier auf eine positive Rechnung kommt“, ergänzt Kiel. Die Wirte wünschen sich eine weiterhin lebenswerte Stadt, aber eben mit ihren Hotelbetten, denn nur von Speisen und Getränken könnten viele Betriebe nicht leben. Wie die IG weiter ankündigte, will sie der ihrer Meinung nach falschen Entwicklung des Storg-Komplexes nicht tatenlos zusehen. Die betroffenen Hotel-Betreiber hätten aufgrund der für sie ungewissen Perspektive gegenwärtig sämtliche Investitionen gestoppt, was den Generationswechsel in manchem Betrieb zusätzlich erschweren könnte. „Wir hoffen aber auch, dass der Gesprächsfaden von der Stadt nochmals aufgenommen wird, um mehr über die Ansichten und Überlegungen der Rinkenburger Objektbau zu erfahren. Wir wünschen uns mehr Sicherheit von der Stadt und dass sie uns mitnimmt“, sagt Michael Sperber.

Mehr zu den Plänen des Projektträgers für die Storg-Immobilie

Sulzbach-Rosenberg
Reaktion:

Kritik kann mitschwingen

Die Ängste der örtlichen Hotellerie kann Thilo Rinkenburger von der gleichnamigen Objektbau GmbH aus Dillingen nicht teilen. Aus seiner Erfahrung von mehr als 100 gebauten bzw. realisierten Hotels sei ihm in keinem Falle bewusst, dass sich seine Projekte negativ auf die jeweils etablierte Hotel- oder Gastronomie-Branche ausgewirkt hätten. Wie er auf SRZ-Nachfrage erklärte, sei ihm natürlich auch klar, dass bei so einem Projekt zunächst auch Kritik mitschwingen könne. Im Nachhinein hätte aber immer die gesamte Gastronomie-Landschaft an den jeweiligen Standorten profitiert. „Wir sprechen ja mit unserem Konzept im ehemaligen Storg-Gebäude ein anderes Publikum an und setzen auf Messe-Gäste und größere Reisegruppen“, sagt Rinkenburger, der gegenwärtig den Bauantrag mit der Stadtverwaltung abstimmt. Bewusst sei ihm aber zudem, dass auch im Hotel-Sektor nach der Corona-Krise voraussichtlich erst ab dem Jahr 2022 wieder Normalität einkehren werde. Andere Sichtweisen sehe er als wenig realistisch an, zumal Sulzbach-Rosenberg und das Umland mit attraktiven Zielen punkten könnten. Zur Erläuterung seiner Ansichten, Marktbewertung und Maßgaben wäre er auch zu einem Gespräch mit der Hotel-IG unter Moderation der Stadt bereit. Der Storg-Umbau selbst könnte noch heuer begonnen werden.

Die Umbaupläne für den Storg-Komplex stoßen bei den Wirten und Hoteliers der Herzogstadt auf wenig Gegenliebe.
Kommentar:

Gastronomie mit Systemrelevanz

Während viele Bürger froh sind, dass mit den Hotel-Plänen für die Storg-Immobilie endlich ein „schlafendes Monster“ gebändigt wird, kommen diese Überlegungen bei den lokalen Hotelbetreibern gar nicht gut an. Sie befürchten Umsatzeinbußen, reden gar von Existenzgefährdung. Nach ihren eigenen Berechnungen drohe der örtlichen Hotel-Branche ein 120-Betten-Haus, das scheinbar ohne Kenntnis der real existierenden Gegebenheiten geplant und umgesetzt werde. Die Rinkenburger Objektbau GmbH ist dagegen felsenfest von der Machbarkeit und Rentabilität ihres Vorhabens überzeugt, sieht zudem Synergieeffekte für die bereits etablierten Häuser und kann an keinem ihrer Standorte sterbende Gastronomie ausmachen. Wegen dieser unterschiedlichen Sichtweisen gibt es weiterhin Gesprächsbedarf. Mit der Anhörung im Stadtrat will es die IG „Rettet die Hotelgasthöfe in SuRo“ auch nicht bewenden lassen. Geschlossene Hotels und Gasthöfe kann bei nüchterner Betrachtung wirklich niemand wollen, schon gar nicht eine Stadt, die modern, weltoffen und familienfreundlich sein will. Hier bekommt die Gastronomie Systemrelevanz.

Andreas Royer

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