27.03.2020 - 13:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Strauß-Sohn: "Mercedes-Werk sollte in Sulzbach-Rosenberg gebaut werden"

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Franz Josef Strauß war bayerischer Landesvater, als 1987 die Maxhütte in Konkurs ging. Der damalige Landrat Hans Wagner bat den Ministerpräsidenten um Hilfe für Sulzbach-Rosenberg. Jetzt meldet sich Strauß-Sohn Max Josef aus Rott am Inn.

Die Maxhütte in einer Ansicht, wie sie bis zum Betriebsende ausgesehen hatte.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

In der Laudatio zu seinem 85. Geburtstag hat Hans Wagner den Maxhütten-Konkurs am Gründonnerstag 1987 als einen schwarzen Tag seiner 24-jährigen Amtszeit als Landrat bezeichnet. Danach habe er den bayerischen Landesvater um Hilfe für Sulzbach-Rosenberg gebeten. Ministerpräsident war damals Franz Josef Strauß. Dessen Sohn Max Josef, Ältester der drei Strauß-Kinder, meldete sich aus seinem Wohnort Rott am Inn im oberbayerischen Landkreis Rosenheim zu Wort.

Altlandrat Hans Wagner feierte seinen 85. Geburtstag

Amberg

"Der menschlich verständlichen Bitte des Landrates Wagner um Hilfe für die Bergleute und Stahlwerker konnte mein Vater nur sehr begrenzt Folge leisten", schrieb Strauß Junior in einer E-Mail an die AZ/SRZ. Denn eine Fortführung von Bergwerk und Hütte sei kommerziell völlig ausgeschlossen gewesen "zu Zeiten, in denen andernorts in Deutschland riesige Anlagen wie Duisburg-Rheinhausen zugesperrt wurden".

Schon vor dem Konkurs habe sein Vater der Stadt helfen wollen, sagt der im Mai 1959 in München geborene Jurist und wird konkret: Ein Mercedes-Werk hätte es sein sollen. Das habe sein Vater mit Gerhard Prinz, dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Benz AG, fest ausgemacht. "Ich habe das selbst gehört", sagt Strauß junior. Vereinbart worden sei der Deal bei einer Motorboot-Tour.

Schauplatz ist Les Issambres, an der französischen Riviera gelegen und mit Ausblick auf die mondäne Hafenstadt St. Tropez. Die gilt seit den 1960ern als Hotspot des internationalen Jet-Sets schlechthin. An der Côte d'Azur hatten sich Marianne und Franz Josef Strauß also 1963 ein Ferienhaus gebaut. "Ein Ferienhaus", betont Max Josef Strauß. "Keine Villa", wie die Medien immer geschrieben hätten. Der 60-Jährige erzählt von den Sommer-Interviews seines Vaters, deretwegen damals die gesamte deutsche Presse an die Côte d'Azur gereist war.

Franz-Josef Strauß scheint im Gespräch mit MH-Vorstandsvorsitzendem Joachim Oberländer um klare Anweisungen nicht verlegen zu sein.

1983, als Familie Strauß dort in der Sommerfrische war, kam Gerhard Prinz an die französische Mittelmeerküste. Franz Josef Strauß lud den Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Benz AG zu einer Bootstour ein. Familie Strauß besaß nämlich auch ein Motorboot. Sieben Meter lang, Marke Jeanneau - Max Josef Strauß scheint ein exzellentes Gedächtnis zu haben. Vielleicht liegt es daran, dass ihn der Herr Papa damals geschwindigkeitsmäßig ordentlich eingebremst hatte. "Absolute Schrittgeschwindigkeit", lautete die väterliche Order an den damals 24-jährigen Sohn und Motorbootführer. "Da bin ich also mit etwa drei km/h dahin getuckert", was ihn fürchterlich geärgert habe. "So aber habe ich das gesamte Gespräch zwischen meinem Vater und Dr. Prinz mitbekommen."

Dass heute kein Mercedes-Werk in Sulzbach-Rosenberg steht, macht Strauß Junior an der Tatsache fest, dass Prinz "überraschend im Oktober 1983 gestorben ist". Dadurch seien auch die Werkspläne für Sulzbach-Rosenberg begraben gewesen, bedauert der Sohn des früheren bayerischen Landesvaters. Der im oberbayerischen Rott am Inn lebende Strauß-Sohn benennt einen Zeugen, der damals ebenfalls mit im Boot war: Karl Joseph Dersch, seinerzeit Mercedes-Chef in Bayern und später Vorstandsmitglied der Deutschen Aerospace AG, damals Freund von Franz Josef Strauß und heute Spezl von Max Josef Strauß. "Prinz war der Idee von Strauß, dass das nächste Mercedes-Werk in Bayern gebaut wird, sehr aufgeschlossen", sagt er. "Deshalb bin ich damals mit ihm zu Strauß nach Südfrankreich geflogen", berichtet Dersch auf Nachfrage am Telefon. Prinz habe es auf dem Motorboot Strauß "in die Hand hinein versprochen". Nach Prinz' Tod sei es anders gekommen. Jenes für Bayern vorgesehene Werk sei in Baden-Württemberg errichtet worden.

Entscheidung im Jahr 1986

Die Entscheidung fiel 1986, als Karl Joseph Dersch mitten in den Vorbereitungen für die Großveranstaltung "100 Jahre Automobil" auf der Theresienwiese steckte. Aus der Staatskanzlei rief der Ministerpräsident an. Strauß habe getobt. Und in den Hörer gebrüllt: Das seien Verbrecher, sie seien wortbrüchig geworden, es sei eine Katastrophe. "Strauß hätte kein Telefon gebraucht, ich hätte ihn auch so bis in mein Büro in der Arnulfstraße gehört", sagt Dersch lakonisch.

Franz-Josef Strauß signiert bei der Einweihung der Stranggussanlage S 32 einen Bloom.
Hintergrund:

Max Josef Strauß, ältestes der drei Kinder des 1988 verstorbenen früheren bayerischen Ministerpräsidenten, hat einen Google Alert für seinen Vater eingerichtet. Will heißen: Wann immer im Internet der Name Franz Josef Strauß auftaucht, werden die Links zu den dazugehörigen Artikeln zusammengefasst und per E-Mail geschickt. Max Josef Strauß kriegt also täglich ein Update, was alles über seinen Vater geschrieben wird.

Da sei natürlich viel Unbrauchbares dabei. Anderes wiederum interessiere ihn: „Wenn alte Zeitzeugen interviewt werden.“ Ein bisschen Nachlass-Pflege, nennt Max Josef Strauß das, was er mit Google Alert betreibt. Durch Google Alert sei er auf die Laudatio zum 85. Geburtstag von Altlandrat Hans Wagner gestoßen. Und auf dessen Aussage, er habe damals nach dem für ihn überraschenden Maxhütten-Konkurs 1987 Strauß um Hilfe für die strukturschwache Region gebeten und ihm gesagt: „Herr Ministerpräsident, jeder bayerische Regent hatte ein Herz für die Bergleute.“

Max Josef Strauß wundert sich ein bisschen, dass der Altlandrat „so tut, als wäre er überrascht worden vom Konkurs der Maxhütte“. Es sei doch schon damals abzusehen gewesen, dass das mit der Stahlindustrie nichts mehr werde. „Das war doch seit den 1970er Jahren so.“

Sein Vater Franz Josef sei übrigens alles andere als autoritär gewesen, erzählt Max Josef Strauß von Bayerns damaliger First Family. „Es war nicht so, dass mein Vater abends um sechs nach Hause gekommen ist, seinen Hut an die Garderobe gehängt und gesagt hat: Grüß Gott, ich bin da, bringt‘s mir mein Bier.“ Die drei Strauß-Kinder hatten nach Worten des Ältesten ein „ziemlich entspanntes Verhältnis zu den Eltern“. Argumentativ habe er als Jugendlicher meist den Kürzeren gezogen – „als 15-Jähriger gegen einen Bundestagsdebatten-Redner, da hat man keine Chance“.

Dass während der alljährlichen Sommerfrische in Südfrankreich die Familie Strauß nie nur unter sich war, habe ihn nicht gestört. „Mein Vater war nie 100-prozentig im Urlaub.“ Wenn Franz Josef Strauß allein zu einem Strandspaziergang aufgebrochen sei, „hat ihn immer irgendein Ober-Prominenter erwischt und sie sind zu zweit zurückgekommen“, erinnert sich der Sohn an die Sommer in Les Issambres. Dort, an der französischen Côte d‘Azur, war die Promi-Dichte schon immer sehr hoch. (san)

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