07.05.2020 - 15:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Studieren auf der grünen Insel

Tamara Kraus aus Sulzbach-Rosenberg studiert Marketingkommunikation und Werbung in Pforzheim. Vor der Corona-Pandemie verbrachte sie vier Monate an der University of Limerick in Irland. Ihr Fazit: Jedem Studenten zu empfehlen.

Tamara Kraus genoss in jeder freien Minute die Schönheiten der Insel, von denen es jede Menge zu erleben gibt.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Vier Monate in Irland an der University of Limerick: Tamara Kraus, 21, aus Sulzbach-Rosenberg studiert Marketingkommunikation und Werbung an der Hochschule Pforzheim bei Stuttgart. Sie lebte heuer (vor Corona) auf der grünen Insel und berichtet uns darüber.

"Das Auslandssemester war mein 6. Semester, keine Pflicht, aber empfohlen von der Hochschule", schildert die Studentin im Telefon-Gespräch mit unserer Zeitung. Dann antwortet sie auf unsere Fragen.

Wie kommt man darauf, ausgerechnet nach Irland zu gehen? "Für mich war ziemlich schnell klar, dass ich in ein Land gehen möchte, in dem Englisch Amtssprache ist, um möglichst viel englisch zu sprechen und von Muttersprachlern zu lernen. Amerika war mir ein Stück zu weit weg, also blieb nur noch Großbritannien.

Da unsere Studienfahrt auf dem Gymnasium nach Dublin ging, kannte ich das Land bereits und traf dann die Entscheidung, nach Irland zu gehen. Unsere Hochschule hatte dort drei Unis zur Auswahl: Cork, Galway und Limerick. Aufgrund von Berichten von Studierenden, die ihr Semester ebenfalls in Irland verbracht haben, fiel für mich die Wahl auf Limerick, da es dort das beste Kursangebot für meinen Studiengang gibt.

Außerdem haben mich der riesige Campus und die insgesamt 17 000 Studenten beeindruckt, was ein ganz schönes Kontrastprogramm zu meiner kleinen Hochschule in Pforzheim ist."

Wie sind die Iren so, beruflich und privat?

Wie waren die Unterbringung und Aufnahme? "Im Vorfeld konnte ich mich auf einen Platz in einem der fünf Dörfer mit Studentenwohnheimen innerhalb des Campus bewerben. Die Plätze sind sehr begehrt, und umso mehr hat es mich gefreut, ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft bekommen zu haben. Diese bestand dann aus vier Mädels: eine Amerikanerin, eine Portugiesin, eine andere Deutsche und ich.

Anfangs natürlich eine ungewohnte Situation, mit fremden Leuten auf engstem Raum zu leben und sich nur über eine Fremdsprache verständigen zu können. Aber mit der Zeit haben wir uns alle gut eingelebt und super verstanden. Wir haben oft gemeinsam gekocht und versucht, möglichst viel über das Herkunftsland und die Kultur der anderen zu erfahren."

"Die Iren, die ich getroffen habe, oft auf Ausflügen ins ganze Land, waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Mit der Zeit hat man sich auch an die verschiedenen Dialekte aus Norden und Süden gewöhnt und konnte sich gut unterhalten. Wenn ich erzählte, dass ich aus Deutschland komme, haben alle sehr positiv reagiert und gesagt, dass ich mit meinen rötlichen Haaren ja auch super nach Irland passe. Beruflich sind die meisten sehr engagiert und diszipliniert. Vor allem die Professoren waren sehr herzlich und mit Leidenschaft bei der Sache, so konnte man dem Unterricht gut folgen und hatte Spaß am Lernen."

Aus für Auslandsaufenthalte: Reisen mit abruptem Ende

Amberg

Wie ist das Verhältnis zur EU und zum Brexit? "Die Insel ist ja immer noch in Nordirland und die Republik Irland geteilt. Die Republik ist weiterhin Mitglied in der EU, da sie ein eigenständiges Land ist. Nordirland hingegen gehört regierungsmäßig zu Großbritannien und ist somit vom Brexit betroffen. Durch den Austritt aus der EU entsteht daher wieder eine geschützte Grenze innerhalb der Insel.

Sowohl die Iren als auch die Nordiren haben größtenteils gegen den Brexit gestimmt, um diese Teilung und daraus resultierende Auseinandersetzungen zu verhindern. Bei einem Ausflug nach Nordirland konnte ich einiges über die damaligen, sehr blutigen Kämpfe an der Grenze erfahren und hoffe, dass diese sich jetzt nicht wiederholen".

Was bringt einem so ein Auslandssemester? "Einiges! Natürlich in erster Linie viel sprachliche Verbesserung, da man gezwungen ist, den ganzen Tag englisch zu sprechen. Irgendwann überlegt man nicht mehr auf Deutsch, was man sagen möchte, und übersetzt es dann, sondern man beginnt schon direkt auf Englisch zu denken und somit einfach drauf los zu reden.

Zum anderen bringt es auch sehr viel für die persönliche Weiterentwicklung. Ganz allein in ein fremdes Land zu reisen und dort auf sich allein gestellt zu leben ist eine Erfahrung, die man nie vergisst, und ich bin stolz, diese Herausforderung gemeistert zu haben."

Sind dauerhafte Freundschaften entstanden? "Definitiv, wie erwähnt, haben sich aus dem WG-Leben gute Freundschaften entwickelt, und auch zu anderen Studierenden, die teilweise auch aus anderen Ecken von Deutschland kamen, habe ich immer noch Kontakt. Wenn möglich, werde ich im Sommer meine Mitbewohnerin in Lissabon besuchen."

"Definitiv, wie erwähnt, haben sich aus dem WG-Leben gute Freundschaften entwickelt und auch zu anderen Studierenden, die teilweise auch aus anderen Ecken von Deutschland kamen, habe ich immer noch Kontakt. Wenn möglich werde ich im Sommer meine Mitbewohnerin in Lissabon besuchen."

Kann man so eine Aktion empfehlen, und was kostet das ungefähr?

"Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen, vorausgesetzt, die Heimathochschule unterstützt das so gut wie meine. Tatsächlich sind die Kosten nämlich relativ hoch, deshalb war ich sehr glücklich, durch das Erasmus-Programm der EU ein Stipendium über 2000 Euro erhalten zu haben.

Das Zimmer im Wohnheim hat mich 3000 Euro gekostet, Flüge und sonstige Reisekosten 900, Lebensmittel, Restaurants und Sonstiges 1500 Euro. Irland ist generell ein sehr teures Land, da viel importiert werden muss, vor allem Lebensmittel kosten deshalb 50 bis 70 Prozent mehr als in Deutschland."

Ihr persönlicher Eindruck von Land und Leuten und eine Urlaubsempfehlung? "Irland ist definitiv eine Reise wert und bietet vielseitige Optionen für Ausflüge, Veranstaltungen und Kultur. Herausragend ist natürlich die Landschaft: die unendlichen Weiten von grünem Gras und Felsformationen, genauso wie die Sand- und Steinstrände. Um das voll genießen zu können, würde ich einen Urlaub in den Sommermonaten, am besten Juni oder Juli, empfehlen. Dass es in Irland viel regnet, ist leider nicht nur ein Vorurteil, sondern vor allem in den Wintermonaten sehr extrem."

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