16.05.2021 - 10:44 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenberger Sicherheitswacht als Augen und Ohren der Polizei

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Sie sind bei Wind und Regen unterwegs und oft in der Nacht: Die acht Ehrenamtlichen der Sulzbach-Rosenberger Sicherheitswacht sind wertvolle Helfer der Polizei. 2020 patrouillierten sie fast 1100 Stunden – im Team sind fast nur Frauen.

Auf Fußstreife in der Sulzbacher Altstadt: Cornelia Fenzel ist seit 23 Jahren Mitglied in der Sicherheitswacht – und trotz ihres Hauptberufs als Krankenschwester auch nachts oder bei Regen für ihre Mitbürger im Einsatz.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Polizeiarbeit ist eine Männerdomäne? Keineswegs! Zumindest nicht in der Sulzbach-Rosenberger Sicherheitswacht. Deren Freiwillige gehören zwar nicht direkt zur Polizei – aber sie sind eine willkommene und hilfreiche Stütze der Beamten. Mit sieben Frauen und nur einem Mann im Team haben die Damen eindeutig die Oberhand. Im Dienst für die Bürger haben die Ehrenamtlichen auf Streife im vergangenen Jahr ihren Dienst ausgeweitet.

„Das sind engagierte Leute, die wir als wirkliche Unterstützung wahrnehmen. Sie sind unser verlängerter Arm und Auge und Ohr der Polizei“, lobt Polizeihauptkommissar Alexander Ehemann den Dienst der Sicherheitswacht. Dem stellvertretenden Leiter der Sulzbacher Polizeiinspektion zufolge seien die acht Helfer allein 2020 ganze 1097 Stunden auf Streife gewesen – zu Fuß. Dieser Einsatz beeindruckt auch Ersten Bürgermeister Michael Göth: „Was man hier besonders wertschätzen muss, ist, dass alles im Ehrenamt geleistet wird. Dafür spreche ich ein großes Dankeschön aus.“ Der Rathauschef rechnet vor: „Fast 1100 Stunden in 2020, das sind bei acht Mitgliedern knapp 140 Stunden oder ungefähr ein ganzer Arbeitsmonat, der zusätzlich pro Person erbracht wird.“

Mit Funkgerät und Taschenlampe

Ausgestattet mit Funkgerät, Taschenlampe, Verbandsmaterial und einem sogenannten Reizstoffsprühgerät für Pfefferspray, sind die Angehörigen der Sicherheitswacht in einer eigenen Uniform 2020 an 39 Tagen durch die Stadt patrouilliert. Ihr wichtigster Job ist es laut Hauptkommissar Ehemann, gesehen zu werden. „Es geht um Präsenz und um das sichtbare Auftreten mit Zivilcourage, um die Stärkung des Sicherheitsbedürfnisses. Bürger sollen die Wachtleute ansprechen und jederzeit um Hilfe bitten können.“

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Flüchtende festhalten

Zwar hätten die Ehrenamtlichen, die pro Stunde mit acht Euro vergütet werden, keine polizeilichen Sonderbefugnisse, aber: „Sie haben, wie normale Bürger auch, sogenannte Jedermannsrechte“, erklärt Hauptkommissar Ehemann. Damit können sie im Falle von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten Menschen festhalten, bis die Polizei kommt, falls diese flüchten wollen.

Die Sicherheitswacht soll die Polizeiarbeit nicht ersetzen, aber ergänzen. Bei Zwischenfällen oder verdächtigen Beobachtungen informieren die Helfer über Funk die örtliche Inspektion – die Polizisten rücken dann sofort zur Unterstützung aus.

Ein Urgestein der Sulzbach-Rosenberger Sicherheitswacht ist Cornelia Fenzel. Die 57-Jährige ist seit der Gründung im Jahr 1997 dabei. „Wir sind nicht nur an belebten Plätzen unterwegs, sondern auch am Bahnhof, im Stadtpark, in den Abendstunden und da, wo keine Autos hinkommen“, sagt die Mutter und Ehefrau. „Meinen letzten Dienst mit meiner Partnerin hatte ich erst am Donnerstag, 13. Mai, da waren wir zwei Stunden bei Wind und Wetter draußen und sind gescheit nass geworden“, sagt sie und lacht.

Krankenschwester in Uniform

Auf Bürger zugehen und sie auf Verstöße gegen die Maskenpflicht ansprechen, Schlichten bei Streit oder Vandalismus melden – das gehöre zu ihren Aufgaben, sagt Fenzel. „Viele Leute kennen uns inzwischen schon und geben auch Hinweise, zum Beispiel wenn betrunkene Jugendliche Unfug machen“, sagt sie.

Ihren Nebenjob als Polizei-Helferin sieht die sozial eingestellte Fenzel nicht als Belastung oder Risiko, sondern als Dienst für ihre Mitmenschen. Wenn die 57-Jährige keine Uniform trägt, arbeitet sie als Krankenschwester im Krankenhaus in Altdorf bei Nürnberg. „Ich bin gern im Kontakt mit Menschen und will helfen, Gefahren abzuwenden, darum mache ich das schon seit 23 Jahren und mir gefällt es.“

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Info:

Zahlen und Fakten zur Sicherheitswacht in Bayern

  • Wer? Deutsche Staatsbürger ohne Vorstrafen zwischen 18 und 62 Jahren mit körperlicher Grundfitness
  • Ausbildung: 40 Unterrichtseinheiten als Crashkurs im Polizeirecht, für Kommunikation und Konfliktmanagement
  • Bezahlung: Acht Euro Ehrenamtsvergütung pro Stunde
  • Wo: Dienst nur für Polizeiinspektion am Wohnort möglich (in Sulzbach momentan kein Bedarf an weiteren Bewerbern)

„Es geht um Präsenz und um das sichtbare Auftreten mit Zivilcourage.“

Polizeihauptkommissar Alexander Ehemann

Polizeihauptkommissar Alexander Ehemann

 

 

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