03.05.2021 - 15:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Trotz Einbruchserie: Weniger Straftaten in Sulzbach-Rosenberg

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Zu 3419 Einsätzen ist die Sulzbach-Rosenberger Polizei 2020 ausgerückt: Die Kriminalitätszahlen sind rückläufig, viele Taten konnten aufgeklärt werden. Doch eine professionelle Einbrecher-Gruppe hat mehrfach zugeschlagen – mit hoher Beute.

Während es im Jahr 2019 nur einen Wohnungseinbruch gegeben hatte, zählte die Polizei im Jahr 2020 in Sulzbach-Rosenberg acht davon - tatsächlich ausgeführte und nur versuchte. Vier dieser Fälle sind einer Einbruchsserie im Februar 2020 zuzuordnen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

32 Männer und Frauen tun Dienst in der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg. Im vergangenen Jahr haben die Beamten gute Arbeit geleistet: Davon ist ihr Chef, Erster Polizeihauptkommissar Michael Kernebeck, überzeugt. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Hauptkommissar Alexander Ehemann, stellte der Inspektionsleiter Bürgermeister Michael Göth und Ordnungsamts-Leiterin Rosalia Wendl den neuesten Sicherheitsbericht für das Jahr 2020 vor.

Allgemein sei die Kriminalitätsentwicklung rückläufig, sagte Kernebeck. So ist der Statistik zufolge die Gesamtzahl aller Straftaten in der Stadt von 745 (2019) um 11 auf 734 (2020) gesunken. Werden die zum Dienstbereich gehörenden Gemeinden (siehe Infokasten) mitgerechnet, zeigt sich ein leichter Anstieg von 982 auf 998. Erfreulich ist laut dem Inspektionsleiter die hohe Aufklärungsquote von 73,4 Prozent in der Stadt und 73,9 Prozent im umliegenden Dienstbereich – ein Anstieg um 3,3 (Stadt) oder 2 Prozentpunkte zum Vorjahr.

Aufmerksame Bürger helfen

„Drei von vier Straftaten im Stadtgebiet können wir aufklären“, sagte Kernebeck dazu. Dies sei nicht nur der Ermittlungsarbeit der Polizei, sondern auch dem „positiven Rückmeldeverhalten der Bevölkerung“ zu verdanken: „Viele rufen bei uns an und melden Auffälligkeiten. Es kommt zunächst nicht darauf an, ob es sich wirklich um eine Straftat handelt – sondern, dass wir hingewiesen werden und die Chance erhalten, dies aufzuklären.“

Im Sicherheitsbericht werden alle Straftaten im Bereich der Sulzbach-Rosenberger Inspektion nach Delikten gesondert aufgeschlüsselt. Am meisten zu tun hatten die Beamten demnach mit Diebstahlsdelikten (211), gefolgt von 149 Vermögens- oder Fälschungsdelikten sowie 148 Fällen von Straßenkriminalität. Auf Platz vier folgen mit 103 Straftaten Rauschgiftdelikte und danach 28 Fälle von Gewaltkriminalität.

Zu Letzterem zählen unter anderem Körperverletzung, aber auch Vergewaltigung, Mord oder Erpressung. Von den 26 Straftaten dazu in der Stadt konnten die Ordnungshüter 80,8 Prozent aufklären. Deutlich schlechter ist die Quote allerdings im Bereich Straßenkriminalität: Nur 22,3 Prozent von 121 Fällen konnten geklärt werden. Dies sei aber typisch für diese Kriminalitätsform, erklärt Kernebeck. „Dazu zählen auch der verkratzte Kotflügel am Auto, eine eingeschlagene Scheibe oder wenn Betrunkene nachts Blumen aus dem Beet reißen.“ Diese Taten seien „im Vorbeigehen schnell gemacht“. „Wir können nicht überall sein, deshalb sind wir gerade hier auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen“, appelliert der Erste Polizeihauptkommissar an die Bürger, aufmerksam zu sein.

Einbrecher getarnt als Monteure

Einen negativen Trend musste Kernebeck bei den Wohnungseinbrüchen vermelden. Während es 2019 mit nur einem Einbruch vergleichsweise ruhig war, sind Täter 2020 allein im Stadtgebiet achtmal in Wohnungen eingestiegen – oder haben zumindest den Versuch dazu gestartet. Der hohe Wert ist Kernebeck zufolge auf eine Serie von Einbrüchen Anfang Februar 2020 zurückzuführen. Bei vier der acht Taten hätten nicht mehrere Kriminelle unabhängig voneinander zugeschlagen, sondern eine organisierte Gruppe sei am Werk gewesen.

„Wir ordnen die Fälle einer Tätergruppierung zu, die sich in Rosenberg im Bereich der Pirnermühle niedergelassen hatte.“ Unter dem Deckmantel, als Monteure für Solarzellen im Stadtgebiet unterwegs zu sein, organisierte die Gruppe von ihrem Unterschlupf aus Einbrüche. Am 4. Februar schlugen die Kriminellen zu: In der Melanchthonstraße gelang es ihnen, in die Wohnung eines Seniors einzudringen. „Die Täter erbeuteten Schmuck und Bargeld im Wert von 46.000 Euro. Hinzu kommt ein Schaden von 2000 Euro“, rechnet Kernebeck vor.

Die anderen drei Einbrüche blieben zwar im Versuchsstadium stecken, zählen aber dennoch zur Statistik, da sie gemeldet wurden und die Absicht zum Einbruch vorhanden war. „Dass die Täter letztlich nur einmal einbrechen konnten, lag an den sehr guten Sicherungsmaßnahmen“, lobt Kernebeck gute Türschlösser und gesicherte Fenster.

Beute ins Ausland gebracht

Wurden die Kriminellen wenigstens dingfest gemacht? „Die Täter sind zum Teil bekannt, die Beweisführung gestaltet sich aber sehr schwierig, weil die Beute noch in der Nacht ins Ausland gebracht wurde“, erklärt Kernebeck das Vorgehen der Einbrecher, die dazu gerne auch Kuriere einsetzen würden. Die Kripo Amberg habe mittlerweile die Ermittlungen übernommen.

Der Inspektionsleiter betont, dass die Polizei bei der Aufklärung von Einbrüchen eng mit benachbarten Dienststellen zusammenarbeite und in der dunklen Jahreszeit gesonderte Streifen unterwegs seien. Trotzdem: „Wir bitten die Bevölkerung, sofort anzurufen, wenn sie etwas beobachten. Nur so können wir geplante Taten effektiv verhindern."

In den kommenden Tagen folgen weitere Sicherheitsberichte, die Fahrraddiebstahl, Rauschgiftdelikte, Gewalt gegen Polizisten und das Vorgehen der Polizei bei Corona-Verstößen thematisieren.

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Amberg
Sind zufrieden mit der Kriminalitätsentwicklung in der Stadt: Erster Bürgermeister Michael Göth, Ordnungsamts-Leiterin Rosalia Wendl, Erster Polizeihauptkommissar Michael Kernebeck und Polizeihauptkommissar Alexander Ehemann (von links) haben sich im Rathaus über die Sicherheitslage ausgetauscht.
Info:

Zahlen und Daten zur Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg

  • Zuständigkeit: Sulzbach-Rosenberg und die sieben Kommunen Birgland, Etzelwang, Gebenbach, Hahnbach, Illschwang, Neukirchen, Poppenricht, Weigendorf
  • Personalstärke Inspektion: 36 Soll, 32 Ist
  • Verantwortlich für 37.496 Einwohner
  • Einsatzzahlen: 3419 (2020), 3544 (2019)
  • Straftaten im gesamten PI-Bereich 2020: 998

„Drei von vier Straftaten im Stadtgebiet können wir aufklären.“

Michael Kernebeck, Erster Polizeihauptkommissar

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