05.06.2020 - 11:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Teils immense Doppelbelastung für Lehrer

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Momentan kommen jede Menge Zusatzaufgaben auf die Pädagogen zu. Beispiel Walter-Höllerer-Realschule: Nach den Pfingstferien geht es dort mit Volllast für 640 Schüler weiter. Und bei denen zeigt sich Erstaunliches.

Lieber nochmal kontrollieren: Schulleiter Martin Zimmermann, Verwaltungsangestellte Doris Weber und Lehrerin Isabella Sperber (von links) sorgen für die richtige Aufteilung im Klassenzimmer vor dem Schulbeginn.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Den 13. März werde ich nie vergessen", meint Realschuldirektor Martin Zimmermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Tag, an dem seine Schule schloss. Bis zum 27. April, als die 10. Klassen wieder anrückten, galt der komplette Ausnahmezustand.

Zimmermann gliedert das Geschehen in drei Phasen: Zuerst sechs Wochen kompletter Lockdown mit Schwerpunkt auf Wiederholung, Vertiefung und Übung von Lerninhalten, dann nach Ostern Umstellung auf Online-Unterricht für alle und der Versuch, neuen Stoff durchzunehmen und dabei alle Schüler persönlich zu erreichen, und schließlich die heutige Lage im Parallelbetrieb mit Präsenz-Unterricht und Lernen daheim.

Die Schließung der Schulen war ein heftiger Einschnitt, die stufenweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs war mit vielfachen Herausforderungen verbunden, schätzt Zimmermann die Lage ein.

Zuerst kehrten am 27. April die 10. Klassen zurück, 14 Tage später die 9. und wiederum eine Woche darauf die 5. und 6. Jahrgangsstufen. "Am härtesten trifft es dabei die 7. und 8. Klassen", bedauert der Pädagoge - diese sind schon zwölf Wochen ohne den gewohnten Schulbesuch.

Eigene Cloud konstruiert

"Es ist ein immenser Personalaufwand", beschreibt der Direktor die Situation im Schichtbetrieb. Alleine die fünf 10. Klassen bilden zehn Gruppen, die beaufsichtigt und betreut werden müssten.

Die innerhalb kürzester Zeit durch Konrektor Markus Hochholzer selbst konstruierte Cloud "WHR-online" dient dem Home-Schooling, wie es neuerdings heißt. Ein aufwendiger Arbeitsplan regelt den zeitlichen Ablauf des Unterrichts, der Personalplan läuft stets am Anschlag. "Glücklicherweise haben wir relativ wenig Risiko-Personen im Stab, so kann der Präsenzunterricht noch abgedeckt werden - aber für keinen geht es ohne Zusatzbelastung." In seinem Büro zeigt er einen Sammelordner: "Weit über 100 Schreiben sind in den letzten Wochen vom Ministerium bei uns eingegangen, mit immer neuen Anweisungen zu Hygienestandards, Abschlussprüfungen und vielem mehr." Die Zeiten von Corona beschreibt der Schulleiter in vielfacher Hinsicht als "intensiv".

Wie wirkt sich das alles auf die Lehrer aus? "Es ist sicher eine teils immense Doppelbelastung, aber geht nicht, gibt's nicht", gibt sich beispielsweise Isabella Sperber optimistisch. Durch das Fachlehrersystem sei jeder Kollege eingebunden in den Arbeitsplan, besondere Verantwortung komme den Klassleitern bei der Koordination verschiedener Aufgaben zu, ergänzt Martin Zimmermann.

Diskussion übers Vorrücken

Und die Schüler? Sie sind dankbar, allmählich wieder in den normalen Betrieb, die reale Schulwelt, zurückkehren zu können. "Bei den Hygienestandards sind wirklich alle vorbildlich bei Masken und Desinfektion", lobt der Direktor das Verantwortungsbewusstsein der Elf- bis Sechzehnjährigen.

Zum Schluss geht es noch um ein spezielles Problem: "Wir werden ganz genau diskutieren müssen bei der Notenkonferenz, wenn es ums Vorrücken geht - damit zum einem keine Nachteile aus der Situation entstehen, aber auch nicht Schüler, die schon vorher stark gefährdet waren, leichtfertig in eine höhere Jahrgangsstufe wechseln", beschreibt Zimmermann die kommende Herausforderung.

In jedem Fall wird man im kommenden Schuljahr bestimmte Lerninhalte gezielt aufarbeiten. Aber auch das wird sich lösen lassen, denn die WHR hat sich bisher bestens geschlagen und bewiesen, dass dem Kollegium das Wohl der Schüler über alles geht. Martin Zimmermann fasst zusammen: "Ich bin einfach stolz auf sie alle und freue mich riesig darauf, wenn wieder alle an der WHR sein können!"

Info:

Probleme am Rande

Zusätzliches Problem: die Sicherstellung von Hygienestandards und Abstandsregeln im Schulbusverkehr. Baustellenbedingt gelten für die Realschule vorübergehend vier Haltestellen: Anstatt direkt am Erlheimer Weg aus- bzw. zusteigen zu können, müssen Arbeitsagentur Bayreuther Straße, Nürnberger Straße und Luitpoldplatz angefahren werden.

„Wir betreuen von der Schule aus jede Woche, in der neue Schüler kommen, an zwei Tagen zwei Haltestellen, die anderen beiden übernimmt dankenswerterweise die Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg.“

Mit Desinfektionsmittel ist die Schule gut versorgt, bei Engpässen half der Walter-Höllerer-Realschule auch die Familie Pilhofer in Seidersberg mit ihrem selbst hergestellten Mittel aus.

Mehr zur Walter-Höllerer-Realschule

Sulzbach-Rosenberg
Eine Tafel vor dem Containerstandort gibt detailliert Auskunft darüber, welche Klassen wo die Schule betreten sollen.

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