25.09.2020 - 16:40 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Als Thriller-Autor dem Schrecken einen kleinen Schritt voraus sein

Ein Inlandsgeheimdienst, der in finstere Umtriebe verstrickt ist; Neonazis, die den Umsturz planen, rechte Netzwerke innerhalb von Behörden: Manchmal wird ein Thrillerautor von der Realität überholt.

Horst Eckert, der Meister des Politthrillers, bringt Hochspannung ins Capitol.
von Anke SchäferProfil

Sein Händchen, dem politischen und kriminellen Schrecken der Zeit immer einen kleinen Schritt voraus zu sein, zeichnet den gebürtigen Weidener Horst Eckert auch in seinem neuesten Buch "Im Namen der Lüge" aus. Bei der Lesung am Dienstag, 13. Oktober um 19.30 Uhr im Capitol sind stockender Atem und aufgestellte Nackenhärchen garantiert. Warum diesmal sein Kommissar eine neue Mitstreiterin bekommt und wie es ist, alles schon vorausgesehen zu haben, erzählt Horst Eckert im Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Herr Eckert, mit dem Wiedersehen ist es nun statt Frühjahr Herbst geworden. Wie sind Sie durch die Corona-Monate gekommen?

Horst Eckert: Zunächst hat mich die Situation bedrückt. Mein Buch war gerade furios gestartet, der Verlag ließ nach wenigen Tagen die dritte Auflage drucken. Plötzlich schlossen die Buchläden und der Absatz brach ein. Rund vierzig Lesungen - ich hatte noch nie so viele vereinbaren können wie mit „Im Namen der Lüge“ - fielen im Frühjahr auf einen Schlag weg. Zugegeben: Mich hat das zunächst gelähmt. Dafür habe ich in den Sommermonaten Extraschichten eingelegt, so dass ich das Manuskript für den Nachfolgeroman jetzt pünktlich beim Verlag abgeben konnte.

ONETZ: Wie viel Umstellung hat es mit sich gebracht, dass die Lesereise nun bis in den Winter geht?

Horst Eckert: Ich konnte einige Lesungen in den Herbst verlegen. Gerade mit meiner Tour durch die nördliche Oberpfalz hat es gut geklappt. Nicht weil das Virus weg ist, sondern weil die Behörden inzwischen einen Weg gefunden haben, damit umzugehen und mit gewissen Regeln die Sicherheit zu gewährleisten.

ONETZ: Nehmen Sie Unterschiede wahr, wenn Sie jetzt Lesungen unter Corona-Bedingungen absolvieren?

Horst Eckert: Es gilt das Abstandsgebot, dadurch ist die Teilnehmerzahl meist beschränkt. Das muss der Stimmung aber nicht schaden. Manche Veranstalter weichen in größere Räume aus, Säle oder Kirchen. In normal großen Buchhandlungen ist es dagegen oft unmöglich, Lesungen zu veranstalten. Neulich hatte ich eine Lesung in einem Restaurant, da musste nicht auf Abstand geachtet werden. Solche Unterschiede sind nicht immer gerecht.

ONETZ: Diesmal haben Sie Kommissar Vincent Che Veih mit der Geheimdienstlerin Melia Khalid ein nicht minder schillerndes Pendant an die Seite gestellt. Auch ein bisschen durch #me too inspiriert?

Horst Eckert: Ja, und ein wenig auch durch die jüngste Diskussion über Alltagsrassismus. Aber im Wesentlichen wollte ich über den Verfassungsschutz aus Sicht einer Beamtin schreiben, die dort arbeitet – zunächst aus Überzeugung. Dann kommt sie üblen Machenschaften von Kollegen auf die Spur und muss sich fragen, was oder wen ihre Behörde in Wirklichkeit schützt.

ONETZ: Mal ehrlich: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Ihnen große Teile Ihrer zuvor konstruierten Fiktion plötzlich als echte Meldung in Zeitung und Fernsehen wieder begegnen?

Horst Eckert: Wenn es die düsteren Aspekte meiner Geschichte betrifft, ist es Bestätigung und Schrecken zugleich. Meine Romane sind nun mal keine Märchen, sondern im Hier und Jetzt verankert. Selbst wenn ich übertreibe, kommt es vor, dass die Wirklichkeit meine Fiktion einholt.

ONETZ: "Im Namen der Lüge" stand auf der Shortlist zum "Crime Cologne Award 2020". Sind Sie enttäuscht, dass am Ende doch Max Annas das Rennen gemacht hat oder halten Sie es mit dem olympischen Motto?

Horst Eckert: Für mich ist es eine große Ehre, unter den besten fünf zu sein. Auf dem Niveau sind die Unterschiede gering und reine Geschmackssache. Auf jeden Fall gönne ich Max das Preisgeld.

ONETZ: Wird auch die Corona-Zeit im nächsten Thriller eine Rolle spielen?

Horst Eckert: Nein. Die Fortsetzung wird im kommenden Frühjahr erscheinen, und dann ist es - hoffentlich - nur noch eine Sache von Monaten, bis die Pandemie vorbei ist und wir uns wieder die Hand geben können.

Kartenvorverkauf:

Horst Eckert liest aus "Im Namen der Lüge"

Die Lesung mit Horst Eckert findet am Dienstag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Capitol statt. Tickets kosten 9 Euro im Vorverkauf bei der Buchhandlung Volkert, 09661/81 23 73. Karten für die entfallene Lesung im Frühjahr behalten ihre Gültigkeit.

Der Thriller "Im Namen der Lüge", 576 Seiten, Paperback, ist im Wilhelm Heyne Verlag München erschienen und kostet 12,99 Euro.

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