27.10.2020 - 16:37 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Tischtennis mit Texten und Liedern

Im trüben Monat November machen sich Autor Theobald O.J. Fuchs und Musiker Michael Ströll auf den Weg ins Capitol. Ihre Mission ist klar: Das Publikum unterhalten.

Theobald O.J. Fuchs (rechts) und Michael Ströll sorgen mit Geschichten und Musik für Stimmung im Capitol.
von Anke SchäferProfil

"Text und Lied von Zweien, die wissen, was sie tun" hat Veranstalter Ralf Volkert das Gastspiel am Samstag, 7. November überschrieben. Den literarischen Teil übernimmt Theobald O.J. Fuchs, der sich mit Physik genauso gut auskennt wie mit Gostenhof-Krimis. Michael Ströll, bekannt von "Buddy & The Huddle" oder "The GoHo Hobos", steuert die passenden Lieder bei. Im Interview verraten sie mehr.

ONETZ: Herr Fuchs, wie hat sich das "O.J." in Ihren Namen geschlichen?

Theobald O.J. Fuchs: Das war in einer Art Notwehr. Ich dachte früher immer, ich sei der einzige Theobald Fuchs auf der Welt. Oder zumindest in Mittelfranken. Zwar gibt es ein relativ bekanntes Kinderbuch aus den 1930er Jahren, das von einem kleinen Fuchs namens „Theobald“ handelt, aber ansonsten... Bis ich ungefähr 35 Jahre alt war und plötzlich seltsame Briefe bekam, von einem Arzt, der mich an einen Vorsorgetermin erinnerte, von einem Kaufinteressenten für ein Grundstück in Thüringen, das mir nicht gehörte, und von einem Inkasso-Unternehmen, das von mir Geld forderte. Da begann ich nachzuforschen und entdeckte, dass es tatsächlich in Nürnberg einen zweiten Menschen gab, der meinen Namen trägt und sogar eine Zeit lang den selben Hausarzt konsultierte. Da beschloss ich, mich als Autor wirklich fälschungssicher und absolut eindeutig zu kennzeichnen und fügte die Initialen meiner zweiten Vornamen ein: die meiner beiden Urgroßväter Otto und Johann.

ONETZ: Sie sind promovierter Physiker und schreiben Krimis. Stehen sich naturwissenschaftliche Begabung und Fantasie am Ende näher als man glaubt?

Theobald O.J. Fuchs: Genaugenommen sogar der dritte Krimi. Eine schwierige Frage für mich, da ich mir über keine der Tätigkeiten groß Gedanken machte, ehe ich damit anfing. Physik interessierte mich einfach so und ich stellte während des Studiums fest, dass es hier durchaus viel Raum für Fantasie gibt – auch neuartige Experimente oder Theorien wollen ja schließlich erst einmal ausgedacht sein. Andererseits schadet beim Krimi ein wenig Logik ja auch nicht. Ich kann ziemlich genau sagen, von welchen Altvorderen ich welche Neigung ererbt habe. Mich selbst wundert es deshalb überhaupt nicht, dass bei mir diese krude Mischung herauskam.

ONETZ: Herr Ströll, welche Lieder spielt man eigentlich, wenn man auf der Bühne neben einem Autor mit Faible für Mord sitzt?

Michael Ströll: Lieder über das Endliche alles Irdischen im Allgemeinen; das vorzeitige und/oder unfreiwillige Ableben im Speziellen bzw. Lieder über den Versuch am Leben zu bleiben.

ONETZ: Sie beide sind fest mit dem berühmt-berüchtigten Nürnberger Stadtteil Gostenhof verbunden. Haben Sie auch auf diesem kreativen Pflaster zusammengefunden?

Theobald O.J. Fuchs, Michael Ströll: Theobald O.J. Fuchs: Das kann man so sagen! In Gostenhof kennt „man“ sich (noch), so dass man sehr komplikationslos, ja beinahe zwangsläufig in die verschiedensten Projekte, Aktionen oder Gruppen hineinrutscht. Das führt dann etwa zu der beeindruckenden Zahl musikalischer Projekte, die im Viertel immer wieder quasi über Nacht entstehen und neue musikalische Ideen realisieren. Mit Michael Ströll verbindet mich vor allem der Hemdendienst, eine subversive, inzwischen legendäre und von einem nichtkommerziellen Trägerverein an wechselnden Standorten betriebene Bar, der Michael und ich seit – sagen wir: beinahe erschreckend - vielen Jahren die Treue halten.
Michael Ströll: Ja. Genau so war es. Vorübergehend bin ich sogar mal bei ihm eingezogen. Aber das ist eine andere G´schicht.

ONETZ: Angekündigt sind Sie als "Zwei, die wissen, was sie tun". Gibt es für den Abend also ein festes, geprobtes Konzept?

Theobald O.J. Fuchs, Michael Ströll: Theobald O.J.Fuchs: Wir beide sind schon häufig zusammen aufgetreten und haben sozusagen die Improvisation geprobt. Aber natürlich bringen wir jeweils gut vorbereitete Beiträge mit – musikalisch sowieso und auch die Auszüge aus meinem dritten Buch „Der doppelte Krautwickel“, die ich lese, habe ich zuvor mehrfach getestet. Wobei bisher nur einmal vor größerem Publikum, und zwar im Februar, also knapp vor dem Ausbruch der Pandemie.
Michael Ströll :Ich weiss nicht, wo der Titel herkommt, aber ich nehme es mal als Schmeichelei und fühle mich geehrt. Aber soviel sei verraten: Es ist wie beim Tischtennis. Es geht immer hin und her. Ab und zu schmettert einer. Aber wie es genau wird, weiss man nicht.

ONETZ: Haben Sie schon unter Corona-Bedingungen getestet und, falls ja, ist der Draht zum Publikum länger geworden durch Abstand und Maske?

Theobald O.J. Fuchs, Michael Ströll: Theobald O.J. Fuchs: Seit Beginn der Infektionsschutzmaßnahmen hatte ich noch nicht wieder eine Lesung vor leibhaftigen Menschen, die sich im selben Raum wie ich aufhalten. Ich bin während des Sommers in zwei oder drei Live-Streams aufgetreten. Einmal mit einem unterhaltsamen Vortrag, ein anderes Mal zusammen mit einem lieben Kollegen zur Lesung aus einem Bierbrevier, an dem wir mitgeschrieben haben. Ohne jegliches Feedback vom Publikum: Das ist echt schwierig. Ich habe begriffen: Selbst wenn ich vom Podium aus bemerke, dass die hinterste Reihe eingeschlafen ist, ist das eine wertvollere Reaktion als dieses Garnichts! Wie sich die Sache nun endlich wieder live anlässt, werden wir sehen. Ich freue mich darauf!
Michael Ströll: Ja. Ich hatte schon Auftritte zu Coronozeiten, obwohl natürlich das meiste abgesagt oder verschoben werden musste. Meistens war es auf besondere Art und Weise sehr ausgelassen, weil sowohl Künstler als auch Publikum „ausgehungert“ waren. Der Abstand hat meistens nicht sooo viel ausgemacht. Jeder kennt ja die Spielregeln in diesen Zeiten. Prinzipiell ist es nicht anders wie sonst auch. An anderer Stelle habe ich es schon mal so formuliert: Ich habe schon vor 20 Menschen gespielt, bevor es cool war.

GoHo Hobos verbreiten gute Laune im Waldmann-Hof

Sulzbach-Rosenberg
Zur Veranstaltung:

Text und Lied von Zweien, die wissen, was sie tun

Mitwirkende:Theobald O.J. Fuchs und Michael StröllTermin und Ort:Samstag, 7. November, 19.30 Uhr, im Capitol.Tickets:9 Euro bei der Buchhandlung Volkert, 09661/81 23 73. Es gelten die üblichen Corona-Regeln.

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